Straubinger LINKE gedenken erstem bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner
(ra) An den 150. Geburtstag von Kurt Eisner erinnert am Sonntag der Ortsverband der Partei DIE LINKE in Straubing. Für Karl Ringlstetter, Sprecher des Ortsverbands und Bundestagskandidat seiner Partei, ist „das Gedenken an den ersten Ministerpräsident des Freistaats gerade heute wichtiger denn je“.
Fünf Worte aus seiner Feder haben den Sozialisten Kurt Eisner unsterblich gemacht: „Bayern ist fortan ein Freistaat!“ Sie entstammen dem Aufruf „An die Bevölkerung Münchens“, der am Morgen des 8. November 1918 auf der Titelseite der Münchner Neuesten Nachrichten erschien und von Eisner unterzeichnet war. „Und doch“, glaubt Karl Ringlstetter in einer Presseerklärung, „erinnern sich heute viel zu wenige an den Gründer und ersten Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern.“
Kurt Eisner wurde in den Augen Ringlstetters vor allem deswegen zum Anführer der revolutionären Bewegung in Bayern, weil die SPD nichts gegen die Monarchie, gegen die Kriegstreiber und Kriegsprofiteure des ersten Weltkrieges unternehmen wollte. Unterstützt wurde Eisners Unabhängige SPD damals – aus heutigem Blickwinkel erstaunlich – vom Bauernbund, angeführt durch den Niederbayern Ludwig Gandorfer aus Mallersdorf-Pfaffenberg.
Eisner’s Regierung setzte sich für Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Frieden ein. Zwangsmaßnahmen, wie von vielen im revolutionären Eifer gefordert, lehnte er ab. Statt dessen setzte Eisner auf eine „demokratische Evolution“ der bayerischen Gesellschaft. Erfolg hat er damit nicht. Innerhalb weniger Monate wurde seine Reformregierung zwischen den sich bekämpfenden klerikal-konservativen, sozialdemokratischen, sozialistischen und kommunistischen Gruppen aufgerieben. Er selbst auf dem Weg zum Landtag erschossen.
Was bleibt? Eisner hinterließ eine fortschrittliche Verfassung, die Bayern aus den zerrütten Verhältnissen nach dem Scheitern der Monarchie in eine moderne Republik überführte. Für Ringlstetter zeigt das historische Datum auch: „Monopolansprüche der CSU auf den Freistaat sind unberechtigt. Es gab und gibt ein Bayern jenseits der politischen Rechten. Doch eine bessere Welt will erkämpft werden. Das Schicksal Eisners und der Rechtsruck in der Weimaer Republik zeigen, dass eine Demokratie stirbt, wenn Demokraten sie nicht mit Leben füllen und verteidigen.“ Um an die fortschrittlichen Inhalte der bayerischen Verfassung zu erinnern, plant Ringlstetter daher in den nächsten Monaten Lesungen mit anschließender Gesprächsmöglichkeit, um dieses sehr aktuelle Regelwerk zu würdigen.