(ra) Für agilis beginnt am Freitag, 6. Februar eine zehnmonatige Phase des Ausnahmezustands. Am Abend dieses Tages wird die Bahnstrecke Nürnberg – Regensburg für die sogenannte Korridorsanierung gesperrt. Danach folgt ab dem Sommer der Abschnitt zwischen Obertraubling und Plattling. Erstmals in der fünfzehnjährigen Geschichte des Eisenbahnunternehmens werden große Teile des Betriebs stillstehen. agilis hat sich bestmöglich auf diese herausfordernde Phase vorbereitet.

„Dieser Einschnitt in den Betrieb eines Eisenbahnunternehmens ist bisher in Deutschland und, soweit mir bekannt ist, in Europa beispiellos“, bringt Dr. Axel Hennighausen, der betriebliche agilis-Geschäftsführer, die Situation auf den Punkt. „Mir ist kein Fall bekannt, in dem ein Netz durch eine so einschneidende Baumaßnahme über einen derart langen Zeitraum zu weiten Teilen lahmgelegt wird.“ Entsprechend groß beschreibt Hennighausen den Aufwand, den agilis betreiben musste, um die Sperre zwischen Nürnberg und Regensburg und unmittelbar danach zwischen Obertraubling und Plattling zu bewältigen.
Flexibilität gefragt
Vor allem das Zugpersonal – Triebfahrzeugführer und Servicekräfte – muss sich auf die veränderten Bedingungen einstellen. Der Flexibilität der Mitarbeitenden ist es zu verdanken, dass agilis in den zehn Monaten Ausnahmezustand niemanden in Kurzarbeit schicken muss. Zugbegleiter werden an den wichtigsten Haltestellen des umfangreichen Schienenersatzverkehrs die Reisenden bei der Suche nach dem richtigen Bus unterstützen.
Die Triebfahrzeugführer werden vorübergehend in anderen Bereichen des Unternehmens, zum Beispiel in Oberfranken, Züge steuern. „Wir sind unseren Kolleginnen und Kollegen sehr dankbar, dass sie so viel Flexibilität und Einsatzbereitschaft beweisen“, freut sich Gerhard Knöbel, kaufmännischer Geschäftsführer bei agilis. „Wir haben uns bei der Einsatzplanung bemüht, auf die jeweiligen Bedürfnisse und Wünsche der Kolleginnen und Kollegen einzugehen. Ich bin überzeugt, dass uns das auch gelungen ist. Ich danke allen Beteiligten herzlich für ihren persönlichen Beitrag zu diesem Erfolg.“
Fahrzeuge im Stillstand
Im ersten Halbjahr 2026 wird ein Teil der agilis Flotte nicht benötigt. Davon betroffen sind vor allem die Fahrzeuge des Typs Mireo, die sonst auf dem gesperrten Abschnitt zwischen Nürnberg und Regensburg die Fahrgäste ans Ziel bringen. Für diese Züge mussten Abstellmöglichkeiten angemietet werden und ein umfangreiches Stillstandsmanagement wurde ausgearbeitet.
„Einen Zug kann man nicht einfach fünf Monate lang abschalten und in die Ecke stellen. Hier ist vor Ort eine kontinuierliche Wartung und Instandhaltung durch unser Personal nötig“, erklärt Dr. Hennighausen. Für die Fahrzeuge, die weiterhin im Donautal, nach Plattling und zum Flughafen München eingesetzt sind, musste sichergestellt werden, dass sie zu den regelmäßigen Wartungen die Werkstatt Regensburg erreichen können.
Planerische Höchstleistung
Wenn Teile des Netzes gesperrt sind, ändern sich damit auch die Laufwege und Umläufe der verbleibenden Fahrzeuge. Hier haben die agilis-Betriebsplaner zahllose neue Pläne ausgearbeitet, damit die Züge nach Fahrplan verkehren können. Dazu kommen die veränderten Einsatzzeiten und -orte des Personals, die ebenfalls an die neuen Gegebenheiten angepasst werden mussten. Geschäftsführer Gerhard Knöbel erklärt, „unsere Planungsabteilung und die Betriebsleitung haben hier durch Mehrarbeit und großen persönlichen Einsatz eine wahre Herkulesaufgabe bewältigt, um dafür zu sorgen, dass Fahrzeuge und Menschen jeweils zur richtigen Zeit am vorgesehenen Ort sind.“
Hoffnung auf mehr Stabilität
agilis hatte sich angesichts der immensen Auswirkungen zunächst gegen eine mit Totalsperren verbundene Sanierung gewehrt. Denn das, was auf der Strecke gebaut wird, wäre nach Ansicht des Unternehmens auch mit Teilsperren möglich gewesen. Wenn im Dezember 2026 nach dem Ende der Bauarbeiten der Betrieb wieder in voller Stärke anläuft, hofft das Unternehmen auf mehr Stabilität. „Mehr Pünktlichkeit sowie eine längere Phase ohne Baustellen und damit verbundenen Sperren wären eine angemessene Belohnung für unsere Fahrgäste, wenn sie nach der Generalsanierung wieder in die Züge zurückkehren. Denn Schienenersatzverkehr und längere Fahrzeiten bedeuten eine zusätzliche Belastung vor allem für die Pendler“, betont Dr. Axel Hennighausen.
Umfangreiche Änderungen
Während der Generalsanierung verkehren die Busse des Schienenersatzverkehrs auf mehreren unterschiedlichen Routen, um eine gute Kombination aus Schnelligkeit und Erreichbarkeit sicherzustellen. Auch auf der Donautalbahn wird von Februar bis Juni zwischen Neustadt und Regensburg jede zweite Zugfahrt entfallen und durch Busse ersetzt, um dem Schienengüterverkehr eine Ersatzroute zu bieten.
Alle Informationen zum Schienenersatzverkehr gibt es zentral auf der Seite der DB InfraGO AG https://generalsanierung.db-ersatzverkehr.de/ersatzverkehr/Generalsanierungen/Nuernberg-Regensburg
Fahrtauskünfte sind verfügbar über die gängigen Auskunftsmedien DB Navigator, Moby App und www.bahn.de
