(rp) SPD-Landratskandidat Oskar Saller hat sein Vorhaben konkretisiert, das Landratsamt Straubing-Bogen zu einem digitalen Vorreiter auszubauen. Bei seiner Nominierung hatte er angekündigt, die Behörde zum „modernsten Dienstleister Bayerns“ machen zu wollen. Nun hat er seine Vorstellungen in einem Projektentwurf für ein KI-Regionalzentrum zusammengefasst.

Der SPD-Landratskandidat Oskar Saller will das Landratsamt Straubing-Bogen zu einem digitalen Vorreiter auszubauen. – Foto: KI

Saller betont, dass die digitale Entwicklung nicht an den Metropolen enden dürfe. Sie müsse auch im Landkreis ankommen und für die Bürgerinnen und Bürger spürbar werden. Die Verwaltungen stünden vor großen Herausforderungen: demografischer Wandel, Fachkräftemangel und der Anspruch, Vertrauen und Handlungsfähigkeit zu sichern. Eine moderne, leistungsfähige Verwaltung im digitalen Zeitalter sei dafür aus seiner Sicht unerlässlich.

„Immer mehr Menschen wünschen sich einen einfachen und schnellen Zugang zu behördlichen Dienstleistungen über das Internet“, erklärt Saller. Künstliche Intelligenz könne dazu beitragen, den Arbeitsalltag in den Verwaltungen effizienter zu gestalten und Beschäftigte zu entlasten. Routineaufgaben ließen sich automatisieren, wodurch Zeit für komplexere und beratungsintensive Tätigkeiten entstehe.

Einsatzmöglichkeiten von KI in der öffentlichen Verwaltung besonders groß

Nach Einschätzung Sallers zeigen Studien, dass die Einsatzmöglichkeiten von KI in der öffentlichen Verwaltung besonders groß sind. Ein Großteil der Arbeitsplätze in Behörden könne vom KI-Einsatz profitieren. Einfache Prozesse wie die Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern oder die Bearbeitung von Formularen ließen sich beschleunigen. Aber auch anspruchsvollere Aufgaben, etwa Genehmigungsverfahren oder Risikoabschätzungen, könnten schneller und verlässlicher bearbeitet werden.

Der gezielte Einsatz von KI führe zu mehr Effizienz, entlaste das Personal und könne das Vertrauen in die Verwaltung stärken, so Saller. Automatisierte Abläufe bedeuteten kürzere Reaktions- und Wartezeiten. Voraussetzung sei allerdings, dass Datenschutz und Datensicherheit konsequent berücksichtigt werden. Dann stehe einer zukunftssicheren und bürgernahen Verwaltung nichts im Wege.

Zentrales Element: KI-Kompetenz aufbauen

Zentrales Element seines Konzepts ist der Aufbau eines KI-Reallabors in der Region. Neben Fortbildungen soll dort praktische KI-Kompetenz aufgebaut werden. Das Reallabor soll Innovationen ermöglichen und einen pragmatischen Lernprozess fördern. Stadt- und Gemeindeverwaltungen, insbesondere im Landkreis Straubing-Bogen, sollen einen einfachen Zugang erhalten, um KI-Anwendungen praxisnah kennenzulernen und vor Ort einsetzen zu können.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt für Saller auf der Vereinfachung der Regulierungserfüllung. Angesichts komplexer Vorgaben, etwa durch die EU-KI-Verordnung oder die DSGVO, brauche es leicht zugängliche und praxistaugliche Best-Practice-Leitfäden für den KI-Einsatz in der öffentlichen Verwaltung. Zudem fordert er einen ordnungspolitischen Rahmen zur Stärkung der digitalen Souveränität, etwa durch den bevorzugten Einsatz nationaler oder zumindest europäischer KI-Anwendungen in sensiblen Bereichen.

Ortsunabhängige Dienstleitungen für die Bürger*innen

Mit Blick auf die künftige Organisation kommunaler Aufgaben sieht Saller die Entwicklung hin zu virtuellen Rathäusern und Smartphone-Services. Ortsunabhängige Dienstleistungen müssten zur Regel werden. Eine stärkere kommunale Zusammenarbeit und Aufgabenteilung könne dazu beitragen, das Vertrauen in die staatliche Handlungsfähigkeit wieder zu stärken.

Für Saller steht dabei die Effizienz klar im Mittelpunkt. Während viele Anwender vor allem an generativer KI interessiert seien, liege in Bereichen wie Datenanalyse, Prozessautomatisierung und Ablaufoptimierung ein besonders großes Potenzial. Ziel sei es, Geschwindigkeit und Produktivität zu erhöhen und zugleich die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu verbessern. Neben finanziellen Kennzahlen müsse auch diese Zufriedenheit ein Maßstab sein, nicht zuletzt im Hinblick auf mögliche Kostensenkungen.

Bayerische Programm „KI-Transfer Plus“

Um den KI-Einsatz voranzubringen, sieht Saller die Notwendigkeit höherer Budgets in der kommenden Legislaturperiode. Als Finanzierungsquelle nennt er zunächst das bayerische Programm „KI-Transfer Plus“. Sollte dies nicht greifen, sei der Landkreis aus seiner Sicht auch in der Lage, ein solches Projekt eigenständig zu stemmen.

Einen möglichen Standort für das KI-Regionalzentrum sieht Saller gemeinsam mit der SPD bereits: die ehemalige Klosteranlage in Oberalteich. Die Anlage sei historisch als Ort der Gelehrsamkeit geprägt und liege zugleich strategisch günstig zwischen den Wissenschaftsstandorten TUM Campus Straubing und Technische Hochschule Deggendorf. „Mit einem KI-Regionalzentrum können wir diese Tradition in die Gegenwart übersetzen – vom Pergament zum Algorithmus“, so Saller.

Darüber hinaus sieht er die Chance, die historische Klosterbibliothek digital neu zu erschließen. Mithilfe KI-gestützter Texterkennung und virtueller Rekonstruktion könnten heute in München gelagerte Bestände digital an ihren Ursprungsort zurückgeführt und für Bürgerinnen und Bürger, Schulen und die Forschung zugänglich gemacht werden.