(ra) Ein Nachfolger für den Standort der Amvian Automotive (Europe) GmbH im Industriegebiet von Geiselhöring ist gefunden. Grundstück und Gebäude an der Hadersbacher Straße (vormals Faurecia) übernimmt das Logistik- und Transportunternehmen TransRegina. Der Familienbetrieb verlegt seinen Hauptsitz von Obertraubling nach Geiselhöring, investiert nach eigenen Angaben rund zehn Millionen Euro in den neuen Standort und rechnet vor Ort mit rund 160 Beschäftigten.

Die Neuansiedlung wurde nach Angaben der Stadt am Dienstagnachmittag von den Geschäftsführern Dieter und Jürgen Rösler gemeinsam mit Ilona Karber und Sebastian Rösler aus der Geschäftsleitung offiziell bekanntgegeben. Bezugnehmend auf den Weggang des amerikanischen Automobilzulieferers Amvian, der seinen deutschen Produktionsstandort nach Polen verlagert, stellte TransRegina die Entscheidung unter das Motto „Industrie verlässt Deutschland – starker Mittelstand bleibt“.
TransRegina wurde von den beiden Brüdern vor über 25 Jahren in Obertraubling bei Regensburg gegründet. Weitere Niederlassungen bestehen in Neunburg vorm Wald und in Hankensbüttel in Niedersachsen. Geschäftsführer Dieter Rösler erläuterte, dass das Unternehmen in zwei Sparten gegliedert ist: Spedition mit rund 100 Lkw sowie Lagerhaltung. Transportiert und gelagert würden Güter des täglichen Bedarfs, darunter Lebensmittel, Drogerie- und Hygieneartikel, außerdem Kleidung, Elektroartikel, Kartonagen und Ordnungssysteme sowie Bauartikel. Rösler nannte in diesem Zusammenhang auch Markenware und sagte, jede Tüte Chips, Flips oder Salzstangen eines großen deutschen Snack-Artikel-Herstellers gehe durch die Hände des Unternehmens. Zudem verlasse sich ein führender deutscher Anbieter aus Elektronik und Technik mit regionalem Sitz bei Lagerung und Transport sperriger Artikel auf TransRegina.
Einschränkungen in Obertraubling bringen TransRegina nach Geiselhöring
Unternehmensweit beschäftigt TransRegina nach eigenen Angaben an den Standorten 250 Mitarbeitende in IT und EDV, Büro, Lager, Werkstatt sowie im Fahrdienst. Der Jahresumsatz liege bei rund 38 Millionen Euro.
Der Umzug der Zentrale war nach Darstellung der Geschäftsführung seit mehreren Jahren Thema. In Obertraubling habe das Unternehmen in einem Gewerbemischgebiet in Nähe eines Wohngebiets zunehmend Einschränkungen hinnehmen müssen, etwa bei Emissionswerten. Das habe dazu geführt, dass ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb dort nicht mehr möglich sei.
Für Geiselhöring betonte Dieter Rösler, man habe das Gefühl, vor Ort auf eine ähnlich bodenständige und zukunftsgerichtete Art zu treffen. Rund die Hälfte der 100 Lkw werde künftig von Geiselhöring aus Güter verteilen und ständig unterwegs sein. Sorgen vor Lkw-Kolonnen versuchte er zu entkräften: „Wenn zehn Lkws da sind, werden wir schon nervös.“
Vom Autositz-Hersteller zum Logistikunternehmen
Der Zeitplan: Amvian werde voraussichtlich bis Mitte des Jahres weiter Autositz-Module produzieren. Danach soll der Standort für die künftigen Anforderungen des Logistik- und Transportunternehmens umgerüstet werden. Ziel sei, den Umzug bis zum Jahreswechsel zu schaffen. Ein Kunde, ein Lieferant für Solartechnik, sei nach Angaben Röslers bereits auf rund 2000 Quadratmetern vor Ort.
Die Belegschaft sei über die Aufgabe der Zentrale in Obertraubling informiert. Das Unternehmen gehe davon aus, dass ein großer Teil mitgeht. Gleichzeitig gebe es laufend Bewerbungen von jetzigen Amvian-Mitarbeitenden, was TransRegina ausdrücklich begrüße.
Ein weiterer Baustein der Pläne betrifft den Fuhrpark. Die Familie will einen Teil der Lkw-Flotte auf Elektroantrieb umstellen, was auch von Kund*innen gewünscht werde. In Obertraubling sei der Aufbau von Ladeinfrastruktur an fehlender Leistung gescheitert. In Geiselhöring seien jedoch Transformatoren mit 1600 kVA vorhanden, damit seien die Pläne nach Darstellung des Unternehmens realistisch umsetzbar.
Zusätzliche Verkehrsbelastung in Geiselhöring in verschiedene Richtungen
Geiselhörings Bürgermeister Herbert Lichtinger sagte der Familie Rösler die volle Unterstützung der Stadt zu. Zwar sei es bedauerlich, dass Amvian die Produktion einstelle, zugleich sei man froh, dass die Gebäulichkeiten weitergenutzt werden und nicht leer stehen. Für die Stadt seien die neuen Arbeitsplätze erfreulich. Hinsichtlich zusätzlicher Verkehrsbelastung äußerte sich Lichtinger zuversichtlich: In der Summe werde es nicht zu einer Erhöhung des Verkehrsaufkommens kommen, vielmehr werde sich der Verkehr künftig in mehr verschiedene Richtungen aufteilen.
Dieter Rösler bekräftigte abschließend die Freude seiner Familie, den Betrieb künftig in Geiselhöring weiterzuführen und sich in der Region als Arbeitgeber, Unternehmer und Partner etablieren zu können.
