(ra) Mehr Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderung: In Straubing soll ein neues Wohnheim mit kleineren, individuellen Wohneinheiten entstehen. Der Sozialausschuss des Bezirks Niederbayern hat dafür nun Raumprogramm sowie Kosten- und Finanzierungsplan genehmigt. Ziel ist eine moderne Wohnform, die stärker auf Teilhabe und Selbstständigkeit setzt.

Bezirk Niederbayern gab damit grünes Licht für ein neues Wohnprojekt der Barmherzige Brüder Behindertenhilfe gGmbH in Straubing. Geplant ist ein Wohnheim mit vierundzwanzig Plätzen für Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung.

Weg von großen Einrichtungen

Bereits im Oktober 2024 hatte der Sozialausschuss die Pläne zur Dezentralisierung der bestehenden Einrichtung in der Äußeren Passauer Straße zur Kenntnis genommen. Mit 418 Plätzen zählt sie zu den sogenannten Komplexeinrichtungen.

Solche großen Einrichtungen stehen zunehmend in der Kritik, weil sie nach Ansicht vieler Fachleute den Zielen der UN-Behindertenrechtskonvention entgegenstehen. Diese fordert mehr Wahlfreiheit und individuelle Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung.

Neuer Standort in der Siemensstraße

Im Zuge dieser Entwicklung plant die Behindertenhilfe nun einen Neubau an einem anderen Standort. In der Siemensstraße wurde ein Grundstück erworben, auf dem zuvor ein Gewerbebetrieb mit einer großen zweigeschossigen Halle stand.

Der Rohbau der Halle bleibt erhalten und wird künftig die Gemeinschaftsbereiche aufnehmen. Ergänzt wird der Bestand durch einen U-förmigen Neubau. Gemeinsam bilden Alt- und Neubau einen geschlossenen Vierkanthof mit geschütztem Innenhof.

Drei Wohnebenen und barrierefreie Räume

Die geplanten Plätze verteilen sich auf mehrere Ebenen. Im Erdgeschoss entstehen sechs Bewohnerzimmer, davon fünf vollständig rollstuhlgerecht.

Im ersten Obergeschoss wird eine Wohngruppe mit zehn Plätzen eingerichtet. Dazu gehören ein Wohn- und Essbereich mit Küche sowie ein Multifunktionsraum. Im zweiten Obergeschoss entsteht eine weitere Wohngruppe mit acht Plätzen und einem Gemeinschaftsraum.

Im Erdgeschoss befinden sich außerdem ein zentrales Pflegebad, Verwaltungsräume und ein großer Gemeinschaftsbereich. Insgesamt umfasst das Raumprogramm rund 1.314 Quadratmeter und liegt damit innerhalb der vorgesehenen Orientierungswerte.

Millionenprojekt für mehr Teilhabe

Die Kosten- und Finanzierungsübersicht der Regierung von Niederbayern geht von förderfähigen Gesamtkosten von rund 7,42 Millionen Euro aus. Für den Bezirk Niederbayern als Hauptkostenträger werden jährliche Betriebskosten von rund 1,304 Millionen Euro erwartet.

Auf einen Zeitraum von fünfundzwanzig Jahren – entsprechend der Zweckbindungsdauer der Fördermittel – ergibt sich damit ein Gesamtbetrag von rund 32,6 Millionen Euro. Das neue Wohnheim soll zeigen, wie künftig mehr Teilhabe und individuelle Wohnformen für Menschen mit Behinderung umgesetzt werden können.