Dem Kirchrother Bürgermeister die Krawatte gestutzt – Ein alter Brauch?
(ra) Das Abschneiden der Krawatten am Unsinnigen Donnerstag (auch „Weiberfastnacht“ genannt) ist eine karnevalistische Tradition, die vor allem im Rheinland verbreitet ist. Mittlerweile wird es aber in ganz Deutschland praktiziert. Dieses Jahr traf es unter anderem Matthias Fischer, den Bürgermeister der Gemeinde Kirchroth. Die Mädchen und Jungen des Kindergartens hat sich auf den Weg zum Rathaus gemacht.
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1. Historische Wurzeln
Der Brauch stammt vermutlich aus den 1950er-Jahren und hat seinen Ursprung in Bonn-Beuel, einer Hochburg der Weiberfastnacht. Dort gründeten 1824 die Beueler Wäscherinnen das erste Damen-Karnevalskomitee. Sie wollten sich gegen die männliche Dominanz in der Karnevalszeit behaupten und begannen damit, symbolisch die Macht der Männer zu „stutzen“ – was sich später auf das Abschneiden der Krawatte übertrug.
2. Symbolik der Krawatte
Die Krawatte steht für Macht, Autorität und das männlich geprägte Geschäftsleben. Sie abzuschneiden symbolisiert die vorübergehende Umkehrung der gesellschaftlichen Hierarchien, die typisch für den Karneval ist („Die Narren regieren“). Gleichzeitig soll es ein humorvolles Zeichen für die Emanzipation der Frauen sein.
3. Regeln und Ablauf
- Das Krawattenabschneiden ist vor allem in Karnevalshochburgen wie Köln, Düsseldorf und Mainz verbreitet.
- Männer dürfen sich nicht wehren, müssen die „Entmachtung“ also mit Humor nehmen.
- Oft gibt es als Entschädigung ein „Bützchen“ (ein Küsschen) von der Frau.
- Wer eine Krawatte trägt, signalisiert oft bewusst seine Bereitschaft, am Spaß teilzunehmen.
- Viele Männer tragen an diesem Tag alte oder extra schrille Krawatten, weil sie wissen, dass sie abgeschnitten werden.
4. Moderne Variationen
In manchen Büros und Unternehmen wird der Brauch ebenfalls praktiziert, oft mit einem Augenzwinkern. Manche Männer schützen ihre Krawatte auch mit einer Hand oder tragen gar keine – wobei das manchmal als Spielverderberei gilt.
5. Gibt es ähnliche Bräuche?
- „Mardi Gras“ in den USA: Dort wird Karneval ebenfalls mit Hierarchieumkehr gefeiert, aber ohne Krawattenschneiden.
- „Día de los Santos Inocentes“ in Spanien (28. Dezember): Ein Tag, an dem Streiche gespielt werden, ähnlich dem 1. April.
- Schottland (Hogmanay, Neujahr): Teilweise gibt es Traditionen, die symbolisch mit gesellschaftlicher Umkehr arbeiten.
Kurz gesagt: Das Krawattenabschneiden ist ein einzigartiger Brauch, der Karnevalshumor, Emanzipation und Symbolik miteinander verbindet und sich mittlerweile in ganz Deutschland ausgebreitet hat.