(ra) Weniger Energie, bessere Reinigungsleistung, strengere Grenzwerte: In Straubing ist am Montag offiziell ein Forschungsprojekt gestartet, das die kommunale Abwasserreinigung gezielt weiterentwickeln soll. NEON setzt auf innovative Verfahren – und auf enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis.

Am Technische Universität München – hier am Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit – ist gemeinsam mit der Kläranlage Straubing das Projekt NEON gestartet. Ziel ist es, kommunale Kläranlagen effizienter zu machen, neue gesetzliche Anforderungen zu erfüllen und Energieverbrauch sowie Kosten zu senken.
Finanziert wird NEON mit 500.000 Euro durch das Bayerische Umweltministerium. Umweltminister Thorsten Glauber betonte zum Auftakt die Bedeutung sauberer Gewässer als Lebensgrundlage. Die Weiterentwicklung der Kläranlagentechnik habe die Wasserqualität deutlich verbessert, nun gehe es um den nächsten Innovationsschritt.
Im Fokus steht die effizientere Entfernung von Stickstoff aus kommunalem Abwasser.
Hintergrund sind strengere EU-Vorgaben mit niedrigeren Grenzwerten. Viele Anlagen stehen deshalb vor technischen Anpassungen. Die Forschenden wollen Stickstoff mit weniger Energieeinsatz und geringerer Zugabe zusätzlicher Stoffe abbauen.
Ein Problem liegt im Reinigungsprozess: In der Denitrifikation gelangt zu viel Sauerstoff in einen Bereich, in dem er die biologische Umwandlung von Stickstoffverbindungen hemmt. Projektleiter Jakob Burger vergleicht dies mit Gegenwind beim Fahrradfahren – Sauerstoff bremse den Prozess aus. Würde er gezielt reduziert, könne die Anlage effizienter arbeiten.
Beteiligt sind neben Burgers Professur auch die Lehrstühle für Bioverfahrenstechnik unter Leitung von Michael Zavrel sowie für Elektrobiotechnologie unter Leitung von Nicolas Plumeré. Die Teams übertragen Ansätze aus ihren Disziplinen in die Siedlungswasserwirtschaft. Das Projekt läuft bis Ende Februar 2028.
Untersucht werden verschiedene technische Lösungen, darunter auch konventionelle Verfahren. Sauerstoff soll mithilfe von Stoffen entfernt werden, die in der Kläranlage ohnehin anfallen – etwa Biogas aus der Klärschlammbehandlung, Abgase aus Blockheizkraftwerken oder Ammoniumsulfat.
In Labortests prüfen die Forschenden Verfahren, bei denen Sauerstoff ausgeblasen oder elektrochemisch reduziert wird. Einige Ansätze könnten zusätzlich Strom erzeugen und so die Energiebilanz verbessern.
Die Kläranlage Straubing dient als Praxisstandort. Die Straubinger Entwässerung und Reinigung stellt Betriebsdaten bereit, um ein realistisches Computermodell zu erstellen. So lassen sich technische Optionen vergleichen, ohne den Betrieb zu stören. Erfolgversprechende Lösungen könnten später umgesetzt werden.
Beim Pressetermin waren auch Oberbürgermeister Markus Pannermayr und Werkleiterin Cristina Pop anwesend. Ziel ist es, am Ende konkrete Handlungsempfehlungen für Städte und Gemeinden zu entwickeln, um Kläranlagen auf kommende Anforderungen vorzubereiten.
