(ra) Wie klang das Mittelalter? Antworten auf diese Frage gibt eine besondere Ausstellung in der Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal in Landshut. Im Mittelpunkt steht das Moosburger Graduale – eine kostbare musikalische Handschrift aus dem 14. Jahrhundert, die im Rahmen der Landshuter Hofmusiktage erstmals in diesem Umfang präsentiert wird. Die Ausstellung „1826–2026: 200 Jahre Abschied von Landshut“ wurde am Samstag mit mittelalterlichen Gesängen und historischen Einblicken vorgestellt.

Von links: Bernhard Hirtreiter, musikalischer Leiter der Landshuter Hofmusiktage, Ursula Weger in Vertretung des Oberbürgemeisters, Stadrat Rainer Mittermeier, Kuratorin Petra Möllerfrerk, Äbtissin Christiane Hansen und Priorin Pia Steinberger vor der Moosburger Graduale. – Foto: Landshuter Hofmusiktage

Möglich wurde die Präsentation durch die Zusammenarbeit der Landshuter Hofmusiktage mit der Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Kloster Seligenthal. Zu den Gästen der Midissage begrüßte Kuratorin Petra Möllerfrerk unter anderem Äbtissin Schwester Christiane Hansen, Priorin Schwester Pia Steinberger, Vertreter der Stadt Landshut sowie zahlreiche Kultur- und Musikinteressierte.

Für den musikalischen Auftakt sorgte Tenor und künstlerischer Leiter der Landshuter Hofmusiktage, Bernhard Hirtreiter. Mit dem mittelalterlichen Weihnachtslied „Resonet in laudibus“ ließ er den Klang des Mittelalters im historischen Klostergewölbe eindrucksvoll wieder aufleben.

Bernhard Hirtreiter erfüllt mit „Resonet in laudibus“ in beeindruckender Weise das Gewölbe im Kloster Seligentahl. – Foto: Petra Möllerfrerk

In ihrem Vortrag erläuterte Kuratorin Petra Möllerfrerk die Entstehungsgeschichte, den Inhalt und die kulturhistorische Bedeutung des Moosburger Graduale. Die reich verzierte Handschrift dokumentiert nahezu das gesamte Kirchenjahr und zählt zu den bedeutenden Zeugnissen mittelalterlicher Musik- und Buchkunst. Eröffnet wird sie mit dem Gesang „Gregorius praesul“, der an Papst Gregor den Großen erinnert, den Begründer des gregorianischen Chorals. Gleichzeitig verweist das Werk mit der Messe zur Translation des heiligen Kastulus auf den Patron des ehemaligen Moosburger Stifts und unterstreicht damit seine enge Verbindung zur regionalen Geschichte.

Ergänzt wird die Ausstellung durch zwei wertvolle Inkunabeln, in denen das Kloster Seligenthal handschriftlich erwähnt wird. Besucher können außerdem digital durch das Graduale blättern und die kunstvollen Initialen, mittelalterlichen Notationen und liturgischen Texte aus nächster Nähe entdecken.

Das Moosburger Graduale ist eine außergewöhnliche musikalische Handschrift aus dem 14. Jahrhundert, die nach 200 Jahren für kurze Zeit nach Landshut zurückkehrt. – Foto: Petra Möllerfrerk

Zum Abschluss der Veranstaltung erfüllte Bernhard Hirtreiter mit dem Introitus „Puer natus est“ erneut das Klostergewölbe und schlug damit eindrucksvoll die Brücke zwischen mittelalterlicher Liturgie und heutiger Aufführungspraxis. Anschließend nutzten zahlreiche Besucher die Gelegenheit zum Austausch und zur Besichtigung der Exponate.

Die Ausstellung macht ein einzigartiges Zeugnis mittelalterlicher Musik- und Kulturgeschichte erlebbar und zeigt, wie eng Musik, Glaube, Kunst und Schrift einst miteinander verbunden waren.

Die Ausstellung ist noch bis 19. Juli jeweils freitags bis sonntags von 13 bis 16.30 Uhr in der Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal zu sehen. Am Samstag, 4. Juli wird außerdem der stellvertretende Direktor der Universitätsbibliothek der Ludwig-Maximilians-Universität München, Dr. Sven Kuttner, die Ausstellung besuchen.