(ra) Der Regen lässt lange auf sich warten. Wochenlang bleibt der Himmel über Bayern blass, die Böden werden rissig, Bäche ziehen sich zurück, als wollten sie uns zeigen, wie verletzlich das scheinbar Selbstverständliche ist. Nur zwei Monate – Juli und September – durchbrechen im Jahr 2025 diese Abfolge trockener Perioden. Ansonsten prägt Trockenheit das hydrologische Bild eines Jahres, das Fachleute inzwischen nüchtern, aber mit deutlicher Sorge bilanzieren.

Trockengefallende Insel Hoy/Bodensee im Frühjahr 2025 – Foto: LfU/Joachim Stoermer

Das Bayerisches Landesamt für Umwelt hat den Hydrologischen Jahresbericht 2025 abgeschlossen. Er erzählt die Geschichte eines Jahres, das nach dem außergewöhnlich feuchten Jahr 2024 eine abrupte Wende genommen hat. Das sogenannte Abflussjahr, das von November 2024 bis Ende Oktober 2025 reicht, war im langjährigen Vergleich zu warm und zu trocken – mit spürbaren Folgen für Flüsse, Seen, Grundwasser und Böden.

In Ober- und Niederbayern fehlen über das Jahr hinweg fast ein Viertel der üblichen Niederschläge. Selbst Regionen, die sonst als vergleichsweise stabil gelten, spüren das Defizit. In Mittelfranken fällt es geringer aus, doch auch dort bleibt der Regen hinter dem langjährigen Mittel zurück. Was auf dem Papier wie eine statistische Abweichung wirkt, zeigt sich draußen ganz konkret: Pegelstände sinken, Uferzonen verändern ihr Gesicht, Wasserläufe verlieren an Dynamik.

An manchen Messstellen registrieren Fachleute die niedrigsten mittleren Jahresabflüsse seit Jahrzehnten. Flüsse, die sonst verlässlich Wasser führen, wirken träge, beinahe erschöpft. Dabei hatte der Winter Hoffnung gemacht. Nach dem extrem nassen und zugleich wärmsten Abflussjahr 2024 hatten sich Grundwasserstände und Quellschüttungen vielerorts erholt. Ein Zwischenaufatmen, das jedoch nicht von Dauer war.

„Im niederschlagsarmen Jahresverlauf 2025 kehrte sich diese positive Entwicklung um“, sagt Ralph Neumeier, Vizepräsident des Landesamts. Was sich zunächst aufgebaut hatte, verschwand schleichend wieder. In vielen Regionen verpufften die Reserven aus dem Vorjahr, teils vollständig. Der Untergrund, der Wasser speichert und verzögert wieder abgibt, geriet erneut unter Druck.

Zum Ende des hydrologischen Jahres zeigt sich ein differenziertes Bild. Entlang großer Fließgewässer, in der Münchner Schotterebene, in Teilen des Schwäbischen und Fränkischen Jura sowie in bestimmten Buntsandsteinregionen Unterfrankens herrschen noch durchschnittliche Grundwasserverhältnisse. Doch das sind Inseln der Stabilität in einem ansonsten angespannten System.

Besonders sichtbar werden die Folgen in den Sommermonaten. Hitzewellen im Juni, Juli und August treiben die Wassertemperaturen in ungewohnte Höhen. Gleichzeitig bleibt das Wasser knapp. Für viele Gewässer ist diese Kombination eine Belastungsprobe. Sauerstoffgehalt, Strömung und Lebensräume geraten aus dem Gleichgewicht. Arten, die auf kühle, sauerstoffreiche Bedingungen angewiesen sind, kommen an ihre Grenzen.

Ein Beispiel dafür sind Flussperlmuscheln – stille Indikatoren für den Zustand unserer Gewässer. Um sie zu schützen, müssen auch 2025 wieder gezielt Wassermengen aus Teichen und gefassten Quellen in einzelne Bäche eingeleitet werden. Ein Eingriff, der zeigt, wie fragil das ökologische Gleichgewicht geworden ist. Wo früher natürliche Wasserführung genügte, ist heute Management gefragt.

Das hydrologische Jahr 2025 erzählt damit keine Geschichte spektakulärer Extremereignisse, sondern eine leise, kontinuierliche. Eine Geschichte von schwindenden Reserven, von Monaten ohne Regen, von einem Sommer, der den Gewässern zusetzt. Und es ist eine Geschichte, die über Bayern hinausweist: Sie zeigt, wie eng Wetter, Wasserhaushalt und Ökosysteme miteinander verknüpft sind – und wie schnell sich eine positive Entwicklung wieder umkehren kann, wenn der Regen ausbleibt.