Gynäkologie des Klinikums St. Elisabeth ruft Frauen zur Früherkennung auf
(ra) Die Botschaft des Frauenkrebs-Informationsabends am Montag im Klinikum St. Elisabeth war eindringlich: „Gehen Sie zur Vorsorge zu Ihrem Frauenarzt.“ Über die Hälfte aller weiblichen Krebserkrankungen werden bei der gynäkologischen Früherkennung betrachtet. Das heißt, die Vorsorge ist sehr effektiv. Leider nimmt nur jede zweite Frau an dieser wichtigen Untersuchung regelmäßig teil, bedauerten die Experten der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe.
Chefarzt Dr. Carsten Scholz und Oberarzt Hans Hermann Dohmen stellten den Besucherinnen das Brustkrebszentrum und das Gynäkologische Krebszentrum mit ihren verschiedenen Möglichkeiten der modernen Diagnostik und der individualisierten Therapie vor. Die Zentren erfüllen ebenso die hohen Anforderungen der Deutschen Krebsgesellschaft wie die Dysplasie-Sprechstunde, die der Abklärung auffälliger Abstriche dient. Spezialisten arbeiten Hand in Hand, um den Krebs zu bekämpfen und Patientinnen in allen Phasen der Erkrankung zu begleiten.
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Dr. Scholz beleuchtete rasante Entwicklungen in der Frauenheilkunde. Heute könnten die kleinsten Teile der Zellen, die Moleküle, untersucht werden, um den Tumor zu beurteilen. Bei der Therapie von Brustkrebs gelte heute: „Weniger ist mehr“. Statt der maximalen Radikalität bei der Operation favorisiere man ein tumorbezogenes minimal-invasives Verfahren mit kleinen Schnitten. „Das Erhalten der Brust ist Standard. Bei fast 90 Prozent der Patientinnen können wir so vorgehen.“ Ist dies nicht möglich, kann im gleichen Eingriff oder zu einem späteren Zeitpunkt eine Rekonstruktion der Brust erfolgen. Strahlen- und medikamentöse Therapie seien weitere Pfeiler in der Behandlung von Brustkrebs.
Der Gebärmutterschleimhaut-Krebs sei die häufigste bösartige Genitalerkrankung der Frau. Die meisten Frauen erkrankten zwischen dem 65. und 85. Lebensjahr daran. Hauptsymptom seien Blutungen in den Wechseljahren. Mit einer Ausschabung werde die Erkrankung abgeklärt. Als wichtigste Behandlungsmethode noch vor der Strahlen- und der Chemotherapie nannte Dr. Scholz die Operation: „Damit können wir die Frauen in der Regel heilen.“ Die Entwicklung gehe hierbei weg vom Bauchschnitt und insbesondere im Frühstadium hin zur Bauchspiegelung, um Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcke zu entfernen. Seit vielen Jahren könne der Eingriff auch robotergestützt mit dem Da-Vinci-Operationssystem durchgeführt werden.
Der niedergelassene Radiologe Jörg Haseneier machte anhand von Fallbeispielen deutlich, dass die regelmäßige Teilnahme des ab 50 Jahren empfohlenen Röntgens der Brust (Mammographie) sehr wichtig für das frühe Entdecken von Brustkrebs ist – trotz bekannter Schwächen des Verfahrens. Insbesondere der Vergleich von Röntgenaufnahmen aus verschiedenen Jahren erlaube frühes Erkennen von Vorstufen. Die Angst mancher Frauen vor der Strahlenbelastung wies er zurück. Bei regelmäßiger Mammographie steige das Risiko für Brustkrebs bis zum 80. Lebensjahr von 12 auf 12,04 Prozent. „Das können wir vernachlässigen.“
Oberarzt Hans Hermann Dohmen brachte Licht ins Dunkel der Halbwahrheiten rund um den Krebs der weiblichen Beckenorgane. Bei der gynäkologischen Früherkennung würden neben der Brust sechs Organe untersucht: Gebärmutter (Körper und Hals), Scheide, Schamlippen (Vulva), Eierstöcke und Eileiter sowie Dickdarm und Blase. Interessant ist, dass 56 Prozent aller weiblichen Krebserkrankungen in der gynäkologischen Früherkennung betrachtet und etwa 42 Prozent dieser Erkrankungen in der Gynäkologie behandelt werden.
Rasterfahndungen mit Einladungssystem analog der Mammographie gebe es für die weiblichen Beckenorgane nicht, sagte Dohmen. Neben der Teilnahme an den von den Krankenkassen finanzierten Vorsorge-Untersuchungen sei es wichtig, bei Beschwerden wie Juckreiz oder Ausfluss den Frauenarzt aufzusuchen. Am Beispiel des Gebärmutterhalskrebses mit sinkenden Erkrankungsraten erläuterte Dohmen die Erfolge der Früherkennung mittels Zellabstrich, der 1971 eingeführt wurde. Dagegen habe sich der Schamlippenkrebs zum neuen Sorgenkind mit steigenden Fallzahlen entwickelt. „Die größte Gefahr besteht nicht in der Untersuchung, sondern im angstvollen Wegschauen“, rief Dohmen zur Früherkennung auf.