(ra) Mehr Schutz für junge Menschen oder falscher Weg? Die Diskussion über Social Media für Kinder und Jugendliche gewinnt an Schärfe – auch in Niederbayern. Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich spricht sich klar für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche aus. Hintergrund sind steigende Belastungen bei jungen Menschen. Studien zeigen: Einsamkeit und psychische Probleme nehmen zu, Social Media verstärke Ängste und Isolation.
Heinrich verweist auf die wachsende Zahl behandlungsbedürftiger Kinder und Jugendlicher in Niederbayern. Die Situation habe sich besonders seit der Corona-Zeit verschärft. Aus seiner Sicht sei eine Altersgrenze notwendig, um junge Menschen besser zu schützen.
Auch international wird das Thema intensiv diskutiert. In Australien gilt bereits ein Verbot für unter 16-Jährige, andere Länder prüfen ähnliche Regelungen. In Deutschland wird ebenfalls über Altersgrenzen nachgedacht.
Differenzierter blickt Dr. Tanja Hochegger, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirkskrankenhaus Landshut, auf die Entwicklung. Sie sieht zwar ebenfalls Risiken durch soziale Medien, warnt aber vor reinen Verboten. Entscheidend sei die Stärkung der Medienkompetenz.
Kinder und Jugendliche müssten lernen, Inhalte kritisch zu hinterfragen, Algorithmen zu verstehen und sich von unrealistischen Darstellungen abzugrenzen. Gerade bearbeitete Bilder könnten ein verzerrtes Körperbild fördern und zu Unzufriedenheit führen.
Zugleich weist Hochegger darauf hin, dass strenge Verbote oft dazu führen, dass die Nutzung in schwer kontrollierbare Bereiche ausweicht. Deshalb sei es wichtig, junge Menschen im Umgang mit digitalen Medien zu begleiten und nicht auszuschließen.
Auch Fachverbände empfehlen abgestufte Regelungen: ein Verbot bis etwa 14 Jahre, danach eine eingeschränkte Nutzung und erst ab 16 Jahren freien Zugang. Hochegger plädiert für einen etwas früheren Einstieg unter klaren Bedingungen – kombiniert mit gezielter Aufklärung und Prävention.
Einigkeit besteht darin, dass neben möglichen gesetzlichen Regelungen auch Eltern und Schulen eine zentrale Rolle spielen. Medienkompetenz sei eine Schlüsselaufgabe – und entscheidend für einen verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Netzwerken.
