(ra) Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand oder schweren Herzrhythmusstörungen können wenige Minuten entscheidend sein. Damit Ärzte auch in hochkomplexen Notfallsituationen schnell, strukturiert und als eingespieltes Team handeln, setzt die Klinik Mallersdorf auf ein international anerkanntes Trainingsprogramm. Ärzte der Intensivstation absolvierten am Mittwoch und Donnerstag einen zweitägigen ACLS-Provider-Kurs.

ACLS steht für „Advanced Cardiovascular Life Support“. Das Trainingsprogramm der American Heart Association richtet sich an medizinisches Fachpersonal und vermittelt erweiterte Maßnahmen zur Versorgung erwachsener Patienten bei Herz-Kreislauf-Stillständen und anderen schweren kardiovaskulären Notfällen.
Die Ausbildung umfasst 20 Stunden Präsenzunterricht sowie ein vorgeschaltetes Online-E-Learning. Durchgeführt wurde die Schulung von Doctor-medic Lucian Jebelean, Chefarzt der Interdisziplinären Notaufnahme der Klinik Mallersdorf und ausgebildeter ACLS-Instruktor der American Heart Association.
Notfälle an der Reanimationspuppe trainiert
Ein Schwerpunkt lag auf dem praktischen Training unter möglichst realitätsnahen Bedingungen. Mithilfe einer Reanimationspuppe und eines Tablet-PCs spielte der Instruktor unterschiedliche Notfallszenarien ein.
Trainiert wurden unter anderem Reanimation, fortgeschrittenes Atemwegsmanagement und Intubation sowie die Behandlung komplexer Herzrhythmusstörungen. Zum Programm gehörten außerdem Notfall-Pharmakologie und die leitliniengerechte Versorgung bei Bradykardien, Tachykardien, akuten Koronarsyndromen, Schlaganfällen und Herzstillständen.
Eine besondere Rolle spielte dabei die Zusammenarbeit im Team. „Gerade bei schwerwiegenden und komplexen Herzrhythmusstörungen kommt es darauf an, dass jeder Handgriff sitzt und die Beteiligten als Team funktionieren“, betont Jebelean.
„Megacode“ als praktische Abschlussprüfung
Zum Abschluss mussten die Ärzte ihr Wissen und ihre praktischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Neben einer schriftlichen Prüfung stand ein sogenannter Megacode-Test auf dem Programm.
Dabei mussten die Teilnehmer komplexe Notfallszenarien bis hin zum Herz-Kreislauf-Stillstand strukturiert bewältigen. Nach erfolgreichem Abschluss erhielten sie das offizielle AHA-ACLS-Zertifikat, das zwei Jahre gültig ist.
Für Jebelean geht es vor allem darum, mehr Handlungssicherheit für den klinischen Alltag zu schaffen: „Wir wollen die Kompetenzen bei schwerwiegenden und komplexen Herzrhythmusstörungen erweitern, die Hemmschwelle zur Reanimation senken und Sicherheit und Routine im Umgang mit lebensbedrohlichen Situationen stärken.“
Schulungen sollen ausgeweitet werden
Zunächst nahmen Ärzte der Intensivstation aus den Bereichen Innere Medizin und Chirurgie an der Inhouse-Schulung teil. Künftig soll das Angebot auch auf Pflegekräfte und weitere Berufsgruppen ausgeweitet werden.
Die stellvertretende Vorständin der Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf, Nannette Baumann, sieht darin einen wichtigen Baustein für die Weiterentwicklung der Klinik: „Mit der ACLS-Schulung wollen wir unsere Teams noch besser auf komplexe Notfallsituationen vorbereiten und damit einen noch höheren Versorgungsgrad für unsere Intensivpatienten erreichen.“
Damit will die Klinik nicht nur die individuelle Notfallkompetenz stärken, sondern insbesondere auch das Zusammenspiel der verschiedenen Fachkräfte in lebensbedrohlichen Situationen verbessern.
