(ra) Anhaltende Trockenheit und fehlende Niederschläge lassen die Pegel der Bundeswasserstraße Donau auf außergewöhnlich niedrige Stände fallen. Dies hat Folgen für die Güter- und Passagierschifffahrt und auf die Flusslebensräume und Auen.

„Die Donau führt seit Mitte Juni auf weiten Abschnitten Niedrigwasser. Ein trockenes Frühjahr, die weitgehend ausgebliebene Schneeschmelze in den Einzugsgebieten sowie die hohen Sommertemperaturen haben die Wasserstände deutlich unter die für die Jahreszeit üblichen Werte gedrückt,“ so Jan Stubbe, Leiter des Fachbereichs Schifffahrt beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Donau MDK.
Am Pegel Pfelling (Landkreis Straubing-Bogen) lag der Mittelwasserstand Mitte Juli 2026 bei rund 222 Zentimetern und damit deutlich unter dem Vorjahresniveau. Am Pegel Passau/Donau wurde die Marke von 400 Zentimetern zeitweise unterschritten.
Auswirkungen auf die Schifffahrt
Das Niedrigwasser verringert die verfügbare Fahrwassertiefe und damit die mögliche Abladetiefe der Schiffe. Güterschiffe können nicht mehr voll beladen werden, sodass für die gleiche Transportmenge mehr Fahrten nötig sind. Für die Logistik entlang der Donau bedeutet das, höhere Transportkosten, längere Vorlaufzeiten und in Einzelfällen die Verlagerung von Ladung auf Schiene und Straße.
Auch die Personen- und Ausflugsschifffahrt spürt die Folgen: Reedereien passen Fahrpläne an, kürzen Routen oder setzen den Betrieb auf einzelnen Abschnitten zeitweise aus. Die Verantwortung für die sichere Durchfahrt liegt dabei bei den Schiffsführerinnen und Schiffsführern, die ihre Beladung und Route an die aktuellen Pegel- und Prognosewerte anpassen müssen.
Jeder Zentimeter entscheidet über Wirtschaftlichkeit
Zur besseren Planungssicherheit stellt die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) für zentrale Pegel wie Hofkirchen und Pfelling seit diesem Juli erweiterte Sechs-Wochen-Vorhersagen bereit. Sie sollen Logistik, Schifffahrt und Wasserstraßenmanagement eine verlässlichere Datengrundlage geben.
„Die Donau bleibt auch bei Niedrigwasser eine tragende Verkehrsader – aber jeder Zentimeter Pegel entscheidet über die Wirtschaftlichkeit einer Fahrt. Wir arbeiten daran??, die Fahrrinne verfügbar und die Prognosen für die Betriebe verlässlich zu halten“, so Jan Stubbe.
Auswirkungen auf Natur und Gewässerökologie
Sinkende Wasserstände setzen das Ökosystem Fluss erheblich unter Druck. Mit dem geringeren Abfluss steigen die Wassertemperaturen, während der Sauerstoffgehalt sinkt – eine Belastung insbesondere für Fische und wirbellose Kleinstlebewesen. Flach überströmte Uferzonen, Kies- und Sandbänke sowie Laich- und Aufwuchsgebiete fallen trocken und gehen als Lebensraum vorübergehend verloren.
„Ein Fluss bei Niedrigwasser ist kein ruhiger Fluss – er ist Teil eines gestressten Systems. Steigende Temperaturen und weniger Wasser treffen empfindliche Arten gleichermaßen. Umso wichtiger sind intakte Auen und naturnahe Uferbereiche, die solche Extreme abpuffern und die momentan im naturnahen Donauausbau geschaffen oder verbessert werden,“ betont Jürgen Schillinger, Leiter Fachgebiet Donauausbau beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Donau MDK.
Ausblick
Ob sich die Lage kurzfristig entspannt, hängt maßgeblich von ergiebigen Niederschlägen in den Einzugsgebieten ab. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt beobachtet die Pegel- und Prognosewerte fortlaufend, steht mit den zuständigen Wasser- und Umweltbehörden im Austausch und informiert über weitere Entwicklungen. Aktuelle Pegelstände und Vorhersagen stellen die zuständigen Stellen unter anderem im Elektronischen Wasserstraßeninformationssystem ELWIS, den Seiten der Bundesanstalt für Gewässerkunde und dem Hochwassernachrichtendienst Bayern tagesaktuell bereit.
