(ra) Eine bayerische Tradition hält erstmals Einzug in den Luftkurort: Mit dem ersten Englmarer Kocherlball lädt die Gemeinde Sankt Englmar am Sonntag, 12. Juli von 8 bis 12 Uhr zu einem stimmungsvollen Tanzvormittag in den Kurpark ein. Die Premiere soll zugleich den Auftakt für ein neues Veranstaltungsformat bilden, das künftig fester Bestandteil des Bergkultursommers werden soll.
In Anlehnung an den traditionsreichen Münchner Kocherlball erwartet die Besucher ein geselliger Vormittag mit Volksmusik, Tanz und bayerischer Lebensfreude. Bewusst beginnt die Veranstaltung erst um 8 Uhr, damit auch Langschläfer die Gelegenheit haben, mitzufeiern.

Für die passende musikalische Stimmung sorgt die Bornstoana Tanzlmuse. Die sechs Musiker um Alex Meindl und Mich Ölhorn präsentieren bayerische und alpenländische Volksmusik ebenso wie bekannte Schlager und Evergreens. Mit Blechbläsern, steirischer Harmonika und Gitarre schaffen sie den passenden Klang für einen Tanz unter freiem Himmel.
Auch kulinarisch ist für die Gäste gesorgt. Angeboten werden Kaffee sowie weitere Heiß- und Kaltgetränke, dazu Schmalzgebäck, Brezen und Leberkässemmeln.
Der Englmarer Kocherlball ist Teil des Bergkultursommers und steht zugleich unter dem bayerischen Jahresmotto „Bayern – gehört erlebt“. Eingeladen sind Einheimische und Gäste gleichermaßen. Ob in Tracht oder Alltagskleidung, als Tanzpaar oder Zuschauer – jeder ist willkommen.
Seinen Ursprung hat der Kocherlball im ausgehenden 18. Jahrhundert. Bereits am 6. Juli 1794 veranstaltete Benjamin Thompson, besser bekannt als Graf Rumford, im Münchner Englischen Garten einen Ball für das Personal des Militärarbeitshauses.
Seine Blütezeit erlebte der Kocherlball im 19. Jahrhundert. Damals trafen sich an Sommer-Sonntagen Tausende Hausangestellte, Köchinnen, Köche, Dienstmädchen und Soldaten bereits in den frühen Morgenstunden zum Tanzen am Chinesischen Turm, bevor ihr Arbeitstag begann. 1904 wurde die beliebte Veranstaltung wegen eines angeblichen „Mangels an Sittlichkeit“ verboten.
Der Name „Kocherlball“ geht auf die damalige Bezeichnung „Kocherl“ für Köchinnen und Küchenpersonal zurück. Mit der Premiere in Sankt Englmar wird diese traditionsreiche bayerische Veranstaltung nun erstmals auch im Bayerischen Wald aufgegriffen.
