(ra). Abends die Bankgeschäfte erledigen, nebenbei etwas bestellen und schnell noch eine E-Mail verschicken. All das gehört zum Alltag und fühlt sich längst selbstverständlich an. Jede dieser Handlungen hinterlässt allerdings Spuren im Netz, die Kriminelle für sich nutzen. Mit ein paar gezielten Maßnahmen lässt sich die eigene Privatsphäre im digitalen Alltag deutlich besser absichern.

Warum persönliche Daten im Netz verwundbar sind
Online-Dienste sammeln Nutzerdaten, sei es für Werbung oder zur Verbesserung ihrer Produkte. Gleichzeitig geraten Datenbanken von Onlineshops oder Cloud-Anbietern immer wieder in falsche Hände. Wie schnell das gehen kann, zeigt ein Fall aus Hunderdorf im Landkreis Straubing-Bogen. Eine Frau fiel dort einem Fake-Shop für Holzpellets zum Opfer und überwies Geld für eine Lieferung, die nie ankam. Solche Betrugsmaschen funktionieren besonders dann, wenn persönliche Daten wie Namen, Adressen oder Zahlungsinformationen frei im Netz kursieren.
Das E-Mail-Postfach verdient besondere Aufmerksamkeit
Über die E-Mail-Adresse lassen sich Passwörter für Online-Banking, soziale Netzwerke oder Shopping-Portale zurücksetzen. Gelangt ein Fremder an das Postfach, öffnet sich damit häufig der Zugang zu gleich mehreren Konten. Ein genauer Blick auf den eigenen E-Mail-Anbieter lohnt sich deshalb.
Worauf es bei einem kostenlosen E-Mail-Dienst ankommt
Bei einem kostenlosen Postfach, häufig als Freemail bezeichnet, helfen drei Kriterien bei der Auswahl. Anbieter mit standardmäßiger Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützen den Inhalt jeder Nachricht sogar vor dem eigenen Zugriff. Sitzt der Dienst zudem in einem Land mit strengen Datenschutzgesetzen wie der Schweiz, greifen zusätzliche rechtliche Hürden bei Behördenanfragen. Ob persönliche Daten für Werbung ausgewertet werden, verrät wiederum ein Blick auf das Geschäftsmodell des Anbieters.
Starke Passwörter und die Zwei-Faktor-Authentifizierung
Ein einzelnes Passwort für mehrere Dienste erleichtert Angreifern die Arbeit erheblich, sobald ein Datenleck bekannt wird. Für jeden Account empfiehlt sich deshalb eine eigene Kombination. Ein Passwort-Manager nimmt einem dabei die Arbeit ab und erstellt für jeden Dienst ein individuelles Passwort, das man sich nicht im Kopf behalten muss. Zusätzliche Sicherheit bietet die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung. Neben dem Passwort wird ein zweiter Code abgefragt, etwa per App oder SMS. Ein gestohlenes Passwort allein reicht dann nicht mehr aus.
- Mindestens zwölf Zeichen, besser länger
- Keine persönlichen Begriffe wie Namen oder Geburtsdaten
- Für jeden Dienst eine eigene Kombination
Ein starkes Passwort erfüllt in der Regel diese Kriterien:
Tipp: Ein selbst ausgedachter Satz lässt sich leicht in ein sicheres Passwort umwandeln. Die Anfangsbuchstaben der einzelnen Wörter ergeben zusammen mit Zahlen oder Sonderzeichen eine starke Kombination.
So lässt sich Phishing erkennen
Phishing-Mails zählen zu den verbreitetsten Tricks, um an Zugangsdaten oder Geld zu gelangen. Die Nachrichten geben sich als Bank, Paketdienst oder Behörde aus und fordern zur Eingabe von Daten auf einer gefälschten Seite auf. Typische Warnsignale sind eine unpersönliche Anrede, Rechtschreibfehler, eine ungewöhnliche Absenderadresse oder künstlich erzeugter Zeitdruck. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik beschreibt ausführlich, woran sich Phishing-Mails erkennen lassen. Im Zweifel hilft ein Anruf beim vermeintlichen Absender über eine bekannte Telefonnummer, bevor Links angeklickt oder Daten eingegeben werden.
Datensparsamkeit im Alltag
Neben technischen Maßnahmen zahlt sich ein bewusster Umgang mit den eigenen Daten aus. Schon kleine Gewohnheiten verringern die Angriffsfläche:
- Cookie-Einstellungen bei jedem Besuch prüfen statt pauschal alles akzeptieren
- App-Berechtigungen regelmäßig kontrollieren und nicht benötigte Zugriffe entziehen
- Nur die Daten angeben, die für eine Bestellung oder Anmeldung tatsächlich nötig sind
Standortfreigaben für Apps lassen sich in den Systemeinstellungen von Smartphone oder Tablet jederzeit nachträglich einschränken. Das ist in wenigen Klicks erledigt und bringt schon viel.
Datenschutz beginnt beim eigenen Verhalten
Die hier genannten Maßnahmen erfordern weder technisches Fachwissen noch viel Zeitaufwand. Vom sicheren Passwort über die Wahl des richtigen E-Mail-Anbieters bis hin zur bewussten Datenweitergabe lässt sich die digitale Privatsphäre mit überschaubarem Aufwand verbessern. Es lohnt sich, damit heute noch anzufangen.
