(ra) Fackelschein, knisternde Feuer und geheimnisvolle Geschichten: Im Freilichtmuseum Finsterau wurde es am Samstag mystisch und stellenweise richtig unheimlich. Unter dem Motto „Lange Museumsnacht zu Bräuchen und Aberglaube“ tauchten zahlreiche Besucher in die Welt alter Überlieferungen, traditioneller Rituale und schauriger Gestalten ein. Kreisheimatpfleger, Geschichtenerzähler und die Koishüttler Lousnachtsgeister machten die letzte große Veranstaltung des Museumsjahres zu einem besonderen Erlebnis.

Foto: Freilichtmuseum Finsterau

Schon beim Betreten des Museumsgeländes empfing die Gäste eine außergewöhnliche Atmosphäre. Fackeln und Laternen tauchten die historischen Häuser und Höfe in warmes Licht. Vor dem Salettl loderten zwei Feuerschalen, während in der Grillhütte reger Betrieb herrschte. Die Freiwillige Feuerwehr versorgte die Besucher mit Würstel- und Steaksemmeln. Glühwein vertrieb die erste Kälte, dazu gab es weitere Getränke und eigens für diesen Abend zubereitete Raunudeln.

Geschichten aus der Welt der Rauhnächte

Foto: Freilichtmuseum Finsterau

In der warmen Stube des Paul-Friedl-Hauses entführte Kreisheimatpfleger Gerhard Ruhland seine Zuhörer in die geheimnisvolle Welt der Rauhnächte und überlieferter Bräuche. Der Andrang war groß: Gleich dreimal wiederholte er sein Programm, damit möglichst viele Besucher seinen Erzählungen lauschen konnten.

Auch im Kapplhof standen alte Überlieferungen im Mittelpunkt. Dort begeisterte Kreisheimatpfleger Karl-Heinz Reimeier mit seinen weithin bekannten „Weihraz-Geschichten“.

Eine besondere Zeitreise ermöglichte Marianne Moosbauer. Als „Lina im Sachl“, die letzte Bewohnerin des historischen Gebäudes, erzählte sie aus deren Lebenswelt und ließ ein Stück Vergangenheit lebendig werden.

Weihrauch, Räucherwerk und alte Rituale

Im Tanzerhof lag der charakteristische Duft von Weihrauch in der Luft. Marita Sammer und Carina Hödl widmeten sich dort mit schauspielerischen Darstellungen den Bräuchen rund um Weihnachten und die Rauhnächte. Ihre Vorführungen zogen zahlreiche Interessierte an.

Wer selbst traditionelle Räucherrituale ausprobieren wollte, fand im Petzihof die passenden Zutaten. Jutta Schäfer bot dort eine vielfältige Auswahl an Räucherwerk an.

Gänsehaut mit den Koishüttler Lousnachtsgeistern

Einer der Höhepunkte des Abends war der Auftritt der Koishüttler Lousnachtsgeister. Schon lange vor ihrem Erscheinen sicherten sich zahlreiche Besucher Plätze in den vorderen Reihen.

Mit Wolfaustreibern, Rauhnudelsängern und einer Vielzahl furchteinflößender Masken sorgten die Darsteller für eindrucksvolle Bilder und so manchen Gänsehautmoment. Nicht nur die jüngsten Besucher begegneten den finsteren Gestalten mit gehörigem Respekt.

Besonders unheimlich wurde es, als der Mühlhiasl mit seinen düsteren Prophezeiungen auftrat. Seine Worte passten zur geheimnisvollen Atmosphäre und dürften manchen Besucher noch auf dem Heimweg beschäftigt haben.

Gelungener Abschluss des Museumsjahres

Die Verantwortlichen zeigten sich mit der Resonanz und dem Verlauf der Langen Museumsnacht sehr zufrieden. Zahlreiche Besucher, engagierte Mitwirkende und die stimmungsvolle Kulisse sorgten für einen gelungenen Abschluss der großen Veranstaltungen dieses Jahres.

Der Blick richtet sich bereits auf 2027. Neben neuen Veranstaltungen und Kursen sollen auch die traditionellen Märkte und Handwerkersonntage wieder fester Bestandteil des Programms sein.

Damit bleibt das Freilichtmuseum Finsterau ein Ort, an dem Geschichte, Handwerk und überlieferte Bräuche nicht nur bewahrt, sondern auch unmittelbar erlebbar werden.