(ra) Winzige Plastikpartikel sind längst Teil unserer Umwelt – und nach Aussagen aus der Umweltmedizin auch Teil des menschlichen Körpers. In der ÖDP-Reihe „Im Gespräch“ stand dieses Thema am Donnerstagabend im Mittelpunkt. Die ÖDP hatte in den Hotelsaal des Gäubodenhofes auf dem Straubinger Theresienplatz eingeladen. Mit dabei Dr. Bettina Schmeller, Anästesistin und Ärztin für Praktische Umweltmedizin, als Referentin. Der Saal war vollbesetzt, die Diskussion im Anschluss entsprechend lebhaft.

Referentin Dr. Betinna Schmeller (2. von rechts) zusammen mit Martha Altweck-Glöbl, Raphael Wild, Katrin Dengler und Hans Jürgen Hahn (von links)

Mikroplastik, beschrieben als Plastikteilchen kleiner als fünf Millimeter bis einen Mikrometer, entsteht laut Vortrag aus verschiedenen Quellen: Kosmetikartikeln, Kleidungsstücken, Autoreifenabrieb, Zigarettenfiltern sowie aus dem Zerfall achtlos weggeworfener Plastikprodukte. In der Umwelt finde es sich praktisch überall – im Meer, in Böden und in der Luft, ebenso in Tier- und Pflanzenwelt und damit auch in Nahrungsmitteln.

Dr. Bettina Schmeller betonte, dass Menschen Mikroplastik täglich einatmen und über Trinkwasser sowie Lebensmittel aufnehmen. In diesem Zusammenhang wurde auch Leitungswasser thematisiert: Im Vergleich zu Wasser aus Getränkeflaschen sei es mit Blick auf die Mikroplastikbelastung die beste Variante.

Nach Darstellung des Vortrags wird Mikroplastik über Lunge und Darm aufgenommen und sei in Organen wie Blut, Gehirn und Mutterkuchen nachweisbar. Es gebe erste Hinweise darauf, wie sich Mikroplastik in menschlichen Zellen verhalten könne, etwa durch die Aktivierung von Immunzellen. Gleichzeitig wurde der Forschungsbedarf hervorgehoben: Um die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit besser einordnen zu können, sei weitere Forschung dringend notwendig.

Als Fazit stand ein Spannungsfeld im Raum: Plastik sei aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken und von hoher Wichtigkeit. Trotzdem gelte es, Plastik zu vermeiden und zu reduzieren, damit die Auswirkungen auf den Menschen nicht weiter zunehmen. Im Publikum drehte sich die Debatte um konkrete Konsequenzen: Was kann jede und jeder Einzelne tun, welche Maßnahmen sollten politisch gefordert werden?

Im Kontext der Diskussion wurde auch die Suche nach pragmatischen Lösungen vor Ort genannt – etwa Investitionen in die Abfallentsorgung, die Begrenzung der Plastikneuproduktion und die Verwendung von recyceltem Plastik. Ob Politik und Verbraucher*innen gleichermaßen handeln, blieb als offene Frage stehen. Mikroplastik, so der Tenor des Abends, wartet jedenfalls nicht.