(jh) Was hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit Straubing zu tun? Mehr, als man zunächst vermuten könnte. Noch am Wahlsonntag traf der Straubinger CSU-Funktionär und frühere Landtagsabgeordnete Hans Ritt auf AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund – dessen Landesverband in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuft ist. Das dabei entstandene Video sorgt inzwischen auch in Straubing für Diskussionen. Brisant sind dabei vor allem Ritts Äußerungen über das Verhältnis seiner Partei zur Linken und über Bundeskanzler Friedrich Merz.

Der Straubinger Hans Ritt (Mitte) im Gespräch mit dem Spitzenkandidat der in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestuften AfD, Ulrich Siegmund – Quelle: Facebook

Die AfD hatte die Landtagswahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt 43,8 Prozent der Zweitstimmen erhalten und wurde damit stärkste Kraft, die CDU kam auf 17,2 Prozent. Noch am Wahlsonntag kam es zu der Begegnung, die nun auch in Straubing für Gesprächsstoff sorgt. Mit dabei war ein bayerischer Journalist, der zunächst Siegmund auf die Landespolitik und das Verhältnis der CSU zur Linken ansprach.

Der CSU-nahe Journalist, der offensichtlich nicht mit Söder kann, fragte tatsächlich den AfD-Spitzenkandidaten was er zur Zusammenarbeit von Söder mit der Linkspartei sagen würde? Klar, dass dies eine Frage war, die Siegmund passte. Statt eine konkrete Antwort zu geben, gab er rhetorisch die Frage an den Journalisten zurück: „Das kommt doch besonders in Bayern besonders gut an?“ Und aus dem Kaffeesatzlesen heraus folgerte der Journalist: „Zehntausende von Austritte aus der CSU“. Natürlich nutzte Siegmund schnell die Gelegenheit, auf die nicht besonders nachvollziehbare Spende von 10.000 Euro eines CDU-Politikers an die AfD hinzuweisen – als Zeichen der Wertschätzung seiner Partei bei der Union.

Link zum Beitrag auf Facebook: https://www.facebook.com/reel/1036733202567307

Plötzlich wird aus Ritt der Interviewpartner

Und dann kam es: Der schon etwas ältere Journalist im Trachtenjanker wies darauf hin, dass einen ehemaligen CSU-Landtagsabgeordneten und „engsten Vertrauten von Söder“ mit dabei habe – Hans Ritt heißt er.

Siegmund nutzte die Gelegenheit und wechselte die Rollen: Nun stellte der AfD-Politiker die Fragen und Ritt antwortete. Ein rhetorisch dem Straubinger überlegener Siegmund gestand natürlich dem ehemaligen Landtagsabgeordneten ein, dass dieser einen Fehler gemacht habe. Zunächst äußerte Ritt die Hoffnung, seine Partei werde wieder zu aus seiner Sicht „vernünftigen Themen“ zurückkehren. Welche Themen er damit konkret meinte, führte er in dem Gespräch nicht näher aus.

Politisch interessanter wurde es, als Siegmund ihn auf das Verhältnis der CSU zur Linken ansprach. Auf die Frage, was er von einer Öffnung seiner Partei gegenüber der Linken halte, antwortete Ritt: „Ich bin entsetzt darüber.“

Anschließend wollte Siegmund wissen, wie Ritt Bundeskanzler Friedrich Merz bewerte. Der Straubinger CSU-Politiker hielt sich zurück: „Da sag ich jetzt lieber nichts.“ Damit vermied er zwar eine direkte Kritik am CDU-Vorsitzenden und Kanzler – ein ausdrückliches Lob klingt allerdings ebenfalls anders. Sein Begleiter, der bayerische Journalist sprang ihm zur Seite: „Da kann er nichts dazu sagen, er ist Nachrücker im Bayerischen Landtag.“

„Herzlich willkommen in Bayern“

Der begleitende Journalist verwies im weiteren Verlauf darauf, dass in der Vergangenheit Politiker aus der CSU zu den Freien Wählern oder zur AfD gewechselt seien. Zum Abschluss der Begegnung verabschiedete er Siegmund mit den Worten: „Wir sehen uns wieder. Herzlich willkommen in Bayern.“

Gerade dieser Auftritt und Ritts Antworten werden inzwischen auch in Straubing diskutiert. Dabei gehen die Einschätzungen auseinander: Während die einen darin legitime Kritik eines CSU-Politikers am Kurs der Union sehen, stellt sich für andere die Frage, welches Signal ein solcher Auftritt gemeinsam mit einem prominenten AfD-Politiker aussendet.

In einem Interview gegenüber einer großen deutschen Boulevard-Zeitung hatte Ministerpräsident Markus Söder nach der Wahl in Sachsen-Anhalt gesagt: „Es wird keine Mehrheit mit der AfD geben.“ Eine Zusammenarbeit mache überhaupt keinen Sinn, „weil die Lösungen, die die AfD bietet, keine Lösungen für Deutschland sind. Diese würden die Lage dramatisch verschlechtern.“

regio-aktuell24 hat bei Hans Ritt um ein Statement und CSU-Mandatsträger aus der Region um eine Einschätzung gebeten. Mehrere Antworten stehen derzeit noch aus. Dieser Beitrag wird aktualisiert.