(ra) Wie lebt es sich, wenn der Holzofen den Herd ersetzt und Lebensmittel selbst zubereitet werden müssen? Zwölf Jugendliche der Jugendhilfeeinrichtung Freedom aus Lackenhäuser haben fünf Tage im Freilichtmuseum Finsterau verbracht. Gemeinsam mit zwei Betreuern tauschten sie ihren Alltag gegen Selbstversorgung, Handarbeit und Einblicke in das frühere Leben im Bayerischen Wald.

Untergebracht war die Gruppe im Denkhaus nahe dem Museum. Frühstück, Mittag- und Abendessen mussten selbst organisiert und zubereitet werden. Gekocht wurde unter anderem auf einem Holzofen – für die Jugendlichen zunächst ungewohnt. Auf dem Speiseplan stand sogar Schweinebraten mit selbst gemachten Knödeln.

Von der Apfelernte bis zum Borkenkäfer

Nach einem ersten Erkundungstag begann die praktische Arbeit. Die Jugendlichen pflückten Äpfel, brachten sie zur Presse und konnten anschließend den frisch gewonnenen Saft probieren.

In der Museumsschmiede bearbeiteten sie Eisen, beim Programm „Vom Schaf zur Wolle“ lernten sie einen weiteren Bereich früherer Arbeit kennen. Auch Pflanzen und Blumen in den Museumsgärten mussten versorgt werden.

Besonders gefragt war nach Angaben des Museums der Einsatz im Wald. Gemeinsam mit dem Hausmeister suchten die Jugendlichen nach vom Borkenkäfer befallenen Bäumen und markierten diese. Zudem wurden Tische und Stühle im Salettl abgeschliffen und neu versiegelt.

Brot aus dem Holzbackofen

Am Donnerstag ging es ans Brotbacken. Gemeinsam mit Betreuerin und Museumsbäckerin Bettina Fisch stellten die Jugendlichen den Teig her und schoben die Laibe in den Holzbackofen. Während das Brot buk, entstanden frische Sengzelten für das Mittagessen.

Zum Programm gehörten außerdem eine Wanderung zum Reschbach mit Informationen über die frühere Holztrift und die Entwicklung der Kulturlandschaft sowie eine Kutschfahrt durch das Reschbachtal.

Betreuer Benjamin Münich zog eine positive Bilanz. Zunächst sei ungewiss gewesen, ob das Experiment funktionieren würde. „Zurück zu den Wurzeln, sich auf das Wesentliche beschränken, wenig Technik, im wahrsten Sinne des Wortes ‚Leben im Museum‘ – es hat sich zu 100 Prozent gelohnt“, sagte Münich.