(ra) Nach einer spektakulären Geiselnahme im Bezirkskrankenhaus Straubing hat das Landgericht Regensburg am Donnerstag vier Angeklagte zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Männer hatten einen Pflegehelfer attackiert und als Geisel genommen, um ihre Flucht zu erzwingen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Die 7. Strafkammer sprach die vier Männer der Geiselnahme in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung schuldig. Einer der Angeklagten wurde zusätzlich wegen Betäubungsmitteldelikten sowie tätlichen Angriffs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt.
Das Gericht verhängte Freiheitsstrafen zwischen fünf Jahren und zehn Monaten sowie neun Jahren und sechs Monaten. Für alle Angeklagten wurde die Fortdauer der Untersuchungshaft angeordnet.
Nach den Feststellungen des Gerichts hatten die Männer im August 2024 während ihrer Unterbringung im Bezirkskrankenhaus Lerchenhaid in Straubing gemeinsam die Flucht geplant. Am 17. August 2024 brachten sie einen 54-jährigen Pflegehelfer in ihre Gewalt, verletzten ihn unter anderem mit einer Spiegelscherbe und schlugen mehrfach auf ihn ein.
Anschließend zwangen sie das Klinikpersonal unter Todesdrohungen, mehrere Sicherheitstüren zu öffnen. Der Pflegehelfer erlitt verschiedene Verletzungen, die körperlich mittlerweile verheilt sind. Laut Gericht leidet er jedoch ebenso wie weitere Mitarbeitende weiterhin unter psychischen Folgen wie Panikattacken und Schlafstörungen.
Zusätzlich stellte das Gericht fest, dass einer der Angeklagten bereits zuvor aus dem Maßregelvollzug geflohen war und mehrere hundert Gramm Kokain aus den Niederlanden eingeführt hatte. Bei seiner späteren Festnahme leistete er Widerstand.
Die Hauptverhandlung hatte im Dezember 2025 begonnen und erstreckte sich über 16 Verhandlungstage. Eine erneute Unterbringung der Angeklagten in einer Entziehungsanstalt oder Sicherungsverwahrung lehnte das Gericht ab.
