(pw/jh) Der große Sommertrubel ist vorbei, doch gerade jetzt zeigt der Gardasee eine seiner schönsten Seiten. Angenehme Temperaturen, Weinberge und Olivenhaine, farbenprächtige Wälder und deutlich ruhigere Uferpromenaden machen den Herbst zu einer reizvollen Reisezeit. Wer Erholung mit Bewegung, italienischer Lebensart und kulinarischen Entdeckungen verbinden möchte, findet rund um den größten See Italiens zahlreiche Möglichkeiten.

Im September erinnert am Gardasee noch vieles an den Sommer. Die Tage sind häufig warm, Restaurants und Cafés haben ihre Terrassen geöffnet und auf den Promenaden herrscht weiterhin südländisches Leben. Im Oktober wird es ruhiger. Genau darin liegt für viele Urlauber der besondere Reiz: Orte wie Riva del Garda, Arco, Malcesine, Limone, Garda, Bardolino oder Lazise lassen sich nun entspannter entdecken.

Wanderweg entlang von Olivenhainen – Foto: Pixabay

Auch die Landschaft verändert ihr Gesicht. Zwischen See und Bergen mischen sich das Grün der Olivenbäume, die Farben der Weinberge und das herbstliche Laub der Wälder. Vor allem am nördlichen Gardasee entsteht dabei eine ungewöhnliche Verbindung: mediterrane Vegetation trifft unmittelbar auf die Bergwelt des Trentino.

Wandern zwischen See, Olivenhainen und Bergen

Blick auf die Burg in Arco – Foto: Haas

Für Wanderer beginnt im Herbst eine besonders interessante Zeit. Die Hitze des Hochsommers ist vorüber, gleichzeitig sind viele Wege noch gut begehbar. Rund um Riva del Garda, Arco, Torbole und Tenno reicht die Auswahl vom gemütlichen Spaziergang bis zur mehrstündigen Bergtour.

Ein besonderes Erlebnis sind Wege durch die Olivenhaine rund um Arco. Der dortige „Olive Trail“ führt auf rund sieben Kilometern durch eine jahrhundertealte Kulturlandschaft. Vierzehn Stationen informieren über Geschichte, Anbau und Verarbeitung der Oliven. Gerade im Herbst passt der Weg hervorragend zur Jahreszeit: Im Oktober beginnt die Olivenernte, die sich traditionell bis in den November hinein erstreckt.

Anspruchsvoller wird es auf den Bergen oberhalb des Sees. Touren auf den Monte Stivo, Monte Casale oder in Richtung Monte Altissimo eröffnen weite Ausblicke über den Gardasee. Allerdings gilt im Herbst besonders: In höheren Lagen können sich Wetter und Temperaturen schnell ändern. Warme Kleidung gehört deshalb ebenso in den Rucksack wie ein Blick auf die aktuelle Wetter- und Wegesituation.

Mit dem Fahrrad durch die goldene Landschaft

Auch Radfahrer profitieren von den milderen Temperaturen. Genussradler können entlang des Sarca oder rund um Riva und Torbole unterwegs sein, während Mountainbike- und Gravel-Fahrer in den umliegenden Tälern zahlreiche anspruchsvollere Strecken finden. Im Garda Trentino werden beispielsweise Touren im Ledrotal, im Valle dei Laghi und rund um den Monte Brione angeboten.

Wer nicht jeden Höhenmeter aus eigener Kraft bewältigen möchte, kann auf ein E-Bike zurückgreifen. Gerade damit lassen sich kleinere Orte, Aussichtspunkte und das Hinterland abseits der bekannten Uferstraße hervorragend miteinander verbinden.

Malcesine und der Monte Baldo

Zu den Klassikern gehört ein Besuch in Malcesine. Die engen Gassen der Altstadt, der kleine Hafen und die mächtige Scaligerburg sorgen auch außerhalb der Hauptsaison für italienisches Flair. Von Malcesine führt die Seilbahn hinauf auf den Monte Baldo.

Blick vom Monte Baldo auf den Gardasee – Foto: Haas

Für Herbsturlauber ist allerdings die Saisonplanung wichtig: 2026 fährt die Seilbahn regulär bis 1. November. Die Fahrt von Malcesine hinauf dauert rund 20 Minuten. Oben angekommen, eröffnet sich bei klarem Wetter ein eindrucksvoller Blick über große Teile des Gardasees.

Herbst bedeutet Genusszeit

Olivenöl vom Hersteller rund um den Gardasee – Foto: Pixabay

Der Gardasee lässt sich im Herbst nicht nur erwandern, sondern auch erschmecken. Jetzt rücken Produkte in den Mittelpunkt, die unmittelbar mit der Kulturlandschaft verbunden sind. Trauben, Wein, Kastanien, Trüffel und vor allem Oliven prägen die Saison.

Rund um Bardolino und das östliche Seeufer spielt der Wein eine wichtige Rolle. Im Norden gehört dagegen das Olivenöl zu den besonderen regionalen Produkten. Wer Gelegenheit hat, eine Ölmühle zu besuchen, erlebt im Oktober und November, wie aus den frisch geernteten Früchten das neue Olivenöl entsteht. Die Olivenernte ist in Garda Trentino nicht nur landwirtschaftliche Arbeit, sondern Teil einer jahrhundertealten Tradition.

Dazu kommt ein Vorteil der Nebensaison: Für ein Mittagessen in einer kleinen Trattoria oder einen Espresso auf der Piazza bleibt häufig mehr Zeit. Statt möglichst vieler Programmpunkte darf ein Herbsttag am Gardasee durchaus aus einem Spaziergang, einem guten Essen und einigen Stunden am Wasser bestehen.

Riva, Arco und die kleinen Orte entdecken

Auch für Ausflüge ist der Herbst ideal. Riva del Garda bietet eine sehenswerte Altstadt und eine lange Uferpromenade. Nur wenige Kilometer entfernt wartet Arco mit seinen Gassen, Cafés und der weithin sichtbaren Burgruine oberhalb der Stadt.

Das einmalige Blau des Tennosees – Foto: Haas

Reizvoll sind ebenso kleinere Orte wie Canale di Tenno oder Ausflüge zum Tennosee und ins Ledrotal. Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann außerdem bewusst das Hinterland erkunden. Dort wird es meist schon wenige Kilometer vom Gardasee entfernt deutlich ruhiger.

Und natürlich bleiben die bekannten Orte am See interessant: Limone mit seinen engen Gassen, Malcesine mit Burg und Hafen oder Bardolino, Garda und Lazise am Ostufer. Im Herbst bekommt man dabei etwas zurück, das während der Hochsaison knapp werden kann: Zeit und Raum zum Schauen.

Ein Gardasee für Genießer

Der Herbsturlaub am Gardasee ist anders als die klassische Sommerreise. Baden und Wassersport stehen nicht mehr zwangsläufig im Mittelpunkt. Dafür gewinnen Wandern, Radfahren, Kulinarik, Landschaft und kleine Entdeckungen an Bedeutung.

Sonnenuntergang am Gardasee – Foto: Haas

Gerade September und Oktober verbinden häufig noch angenehme Tage mit einer deutlich entspannteren Atmosphäre. Später im Herbst sollte man allerdings berücksichtigen, dass Hotels, Restaurants, Seilbahnen und touristische Einrichtungen teilweise ihre Saison beenden oder die Öffnungszeiten reduzieren.

Wer darauf eingestellt ist, erlebt den Gardasee von einer ruhigeren Seite. Wenn morgens die Berge über dem Wasser auftauchen, sich die ersten Blätter verfärben und in den Olivenhainen die Ernte beginnt, zeigt die Region, dass sie weit mehr zu bieten hat als Sonne, Strand und Hochsommer. Der Herbst macht aus dem Gardasee kein völlig anderes Reiseziel – aber vielleicht ein noch ursprünglicheres.