(tn) Was für ein historischer Abschluss einer denkwürdigen Hinrunde an der Uferstraße! Der SV Türk Gücü Straubing hat zum Vorrunden-Finale der Landesliga Mitte ein absolutes Offensiv-Feuerwerk abgebrannt und den 1. FC Passau nach einem scheinbar aussichtslosen Zwei-Tore-Rückstand noch mit 5:2 (0:1) in die Knie gezwungen.
Vor 180 Zuschauern reichten dem furiosen Aufsteiger knapp 17 Minuten in der zweiten Halbzeit, um die Partie mit fünf Toren komplett auf den Kopf zu stellen. Damit krönt die Mannschaft eine überragende erste Halbserie und etabliert sich als Neuling eindrucksvoll im oberen Tabellendrittel.
In den ersten 45 Minuten sahen die Zuschauer an der Uferstraße eine umkämpfte Begegnung, in der die Gäste aus Passau im ersten Durchgang die deutlich besseren Tormöglichkeiten verzeichneten. Während Passau bereits in der ersten Minute den ersten Warnschuss abgab, den TG-Keeper Gheorghe Calin jedoch parierte, verbuchte Türk Gücü in der 9. Minute die erste gefährliche Aktion: Nach einer geschickten Hakenablage von Almir Mesanovic rauschte der Abschluss von Samet Dugolli abgefälscht knapp am Pfosten vorbei. Die kalte Dusche für Türk Gücü folgte in der 19. Spielminute. Nach einer scharfen Hereingabe der Gäste sprang der Ball unglücklich an den Fuß von Lewin Gebhard, der das Leder unfreiwillig ins verwaiste eigene Tor zum 0:1-Pausenstand abfälschte.
Aussicht: Chancenlos für Türk Gücü
Auch nach dem Seitenwechsel wirkte der Auftritt von Türk Gücü zunächst nicht „TG-like“. Leichte Fehler im Spielaufbau häuften sich und Spielertrainer Asllan Shalaj machte seinem Unmut auf dem Platz sichtlich Luft. Als die Passauer in der 62. Minute durch ein Umschaltspiel über Noah Aklassou, der eiskalt gegen die Laufrichtung von Calin zum 0:2 vollstreckte, nachlegten, schien die Partie vorzeitig zugunsten der Gäste gelaufen.
Doch was folgte, geht zweifellos in die Vereinsgeschichte ein. Nur 120 Sekunden zuvor hatte Shalaj mit einer direkt an die Latte geklatschten Ecke ein erstes Signal gesendet – in der 66. Minute läutete der Spielertrainer höchstpersönlich die furiose Wende ein. Nach einem feinen Zuspiel von Nico van Beest zauberte Shalaj den Ball vom Sechzehnereck traumhaft in den Winkel zum 1:2-Anschluss. Kurz darauf stand das Spiel jedoch wieder auf des Messers Schneide: In der 70. Minute bekamen die Passauer einen gefährlichen Freistoß zugesprochen. Hätte der Gast diese tolle Gelegenheit zur 3:1-Führung genutzt, wäre die Partie wohl endgültig entschieden gewesen.
Weckruf für Türk Gücü Straubing
Stattdessen entwickelte sich der vergebene Freistoß als finaler Weckruf für die Hausherren. In der 72. Minute segelte eine präzise Flanke über die rechte Seite in den Strafraum, wo Almir Mesanovic angerauscht kam und den Ball per Kopf zum 2:2-Ausgleich in die Maschen wuchtete. Passau brach nun völlig in sich zusammen. Nur drei Minuten später drückte Lewin Gebhard eine Ecke von Shalaj per Kopfballabstauber über die Linie und machte seinen Fehler aus der ersten Halbzeit mit dem 3:2-Führungstreffer (75.) mehr als wett.
Wiederum nur zwei Minuten später schickte Fynn Spielvogel mit einem Traumpass Mesanovic auf die Reise, der den Ball in Torjägermanier zum 4:2 (77.) am herauseilenden Keeper vorbeischob. Den absoluten Schlusspunkt hinter diese furiose Phase setzte schließlich erneut Mesanovic, der in der 83. Minute einen an ihm selbst verschuldeten Foulelfmeter souverän zum 5:2-Endstand unten rechts verwandelte – exakt 17 Minuten nach dem ersten Straubinger Treffer. Unter großem Applaus verabschiedete sich der dreifache Torschütze kurz darauf in den wohlverdienten Feierabend.
„Was das Team nach dem 0:2 abgerissen hat, ist Wahnsinn“
Co-Spielertrainer Tobias Richter zeigte sich nach dem Schlusspfiff sichtlich überwältigt vom Charakter seiner Mannschaft:
„Ein ausgeglichenes Spiel in der ersten Halbzeit. Das Eigentor fällt unglücklich, da unser Spieler in der Situation nicht den Druck hatte, unbedingt an den Ball kommen zu müssen, aber das passiert im Fußball. Bis zur 60. Minute hatten wir oftmals etwas zu einfache Fehler im Aufbau. Was das Team aber nach dem 0:2 abgerissen hat, ist Wahnsinn. Der Anschlusstreffer hat uns brutal angetrieben und fünf Tore in weniger als 20 Minuten sprechen für sich.“
Mit diesem fulminanten Heimerfolg beendet der SV Türk Gücü eine herausragende erste Halbserie mit 31 Punkten auf einem fantastischen vierten Tabellenplatz der Landesliga Mitte. Der Vorsprung auf die Abstiegsränge ist beachtlich, und das Team hat eindrucksvoll bewiesen, dass es sich als Aufsteiger bereits jetzt im oberen Drittel etabliert hat. Dass man sich auch vor den ganz großen Namen der Liga keineswegs fürchten muss, sollten die ersten 17 Spieltage mittlerweile mehr als deutlich gezeigt haben.
Nach dem erfolgreichen Abschluss der Vorrunde wartet in der kommenden Woche direkt der Rückrundenauftakt und das nächste absolute Highlight: Am nächsten Samstag um 14:00 Uhr empfängt der Tabellenvierte den Tabellendritten und Bayernligaabsteiger FC Sturm Hauzenberg zum Topspiel an der Straubinger Uferstraße. Dass mit den Gästen ein echter Brocken anreist, steht außer Frage – doch bereits im Hinspiel am allerersten Spieltag der Saison bewies Türk Gücü beim hart umkämpften 2:2-Unentschieden in Hauzenberg, dass man mit dem Favoriten absolut auf Augenhöhe agieren kann.
