(ra). Das Verhältnis zwischen Mensch und Pferd hat sich im Laufe der Zeit verändert. Noch vor nicht allzu vielen Jahrzehnten, in den 1950er Jahren, zogen Pferde Pflüge über die Felder – heute tragen sie Menschen durch Wald, Wiesen und Feld, helfen in der Therapie und sind treue Freizeitpartner. Ein Wandel, der sich in der hiesigen Region rund um Straubing, Landshut, Deggendorf und Dingolfing-Landau besonders eindrucksvoll zeigt. Denn mit vielen Tausend Pferden und einer lebendigen Reitkultur weiß man hier, wie sich Tradition und Moderne die Hände reichen können – und zwar sowohl zum Wohl der Menschen als auch der Tiere.

Von wegen überflüssig: Tschüss Arbeitstier, willkommen Freizeitpferd
In der Tat sank der Pferdebestand in Deutschland zu Zeiten des Wirtschaftswunders auf ein historisches Tief, da der Vierhufer als Arbeitskraft ausgedient zu haben schien. Doch schon ab den späteren 1960er Jahren lief es für ihn wieder besser, da das Reiten zu einem beliebten Freizeitsport wurde. Freilich auch inklusive neuer Reitweisen und der Verbreitung neuer Pferderassen. Das hatte zur Folge, dass heute inzwischen rund 1,25 Millionen Pferde in Deutschland leben.
Parallel dazu zeigt sich, dass die Pferdewirtschaft mit einem wirtschaftlichen Beitrag von 6,7 Milliarden nicht nur ein Hobby, sondern ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist. Und auch in Bayern präsentiert man sich pferdebegeistert, organisieren sich doch mehr als 86.500 Reiterinnen und Reiter in über 800 Vereinen. Und viele von ihnen vereint der Wunsch, sich umfassend um das Wohlergehen der Tiere zu kümmern.
Doch was bedeutet es eigentlich, ein Pferd artgerecht zu halten?
Ohne Zweifel benötigen Pferde Platz und Bewegung. Und nicht zuletzt sind sie darauf angewiesen, dass man sie gleichermaßen sicher wie artgerecht unterbringt. Stichworte
- stabiler Koppelzaun,
- moderne Stallanlage und
- ausreichend großzügige Pferdeboxen.
Doch in Kombination mit gesundem Futter und einer engmaschigen gesundheitlichen Überwachung und für die Pferde angenehmen Sozialkontakten erweist sich diese Basis als eine gelungene Investition in die Zufriedenheit und eine bessere Gesundheit der Tiere.
Es wird also ein Schuh draus, wenn der Mensch dem Pferd dabei hilft, sich wohlzufühlen – denn so kann der Vierbeiner sich auch wieder für den Zweibeiner als tolle Unterstützung erweisen. Und wie gut ein solches Miteinander funktionieren kann, beweist nicht zuletzt das Theo-Therapiepferde-Projekt eindrucksvoll, bei dem sich sogar schon die menschlichen Jüngsten einbringen, indem sie beispielsweise im Rahmen einer Spendensammelaktion Theater spielen. Wenn das nicht vorbildlich ist?
Aber auch darum fühlen sich in Niederbayern Ross und Reiter so sauwohl
Ja, gerade die hiesigen Gebiete bieten ideale Voraussetzungen für eine naturnahe Pferdehaltung. Das liegt nicht zuletzt daran, dass mehr als ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche aus Grünland besteht, was für das Pferdeglück geradezu prädestiniert ist. Dennoch darf man nicht vergessen, dass eine schlaue Flächennutzung unverzichtbar ist. Eine Option? – die Laufweide als Konzept der Rotationsweide. Denn sie ermöglicht einerseits eine schonende Flächennutzung und fördert andererseits das Tierwohl – eine regelmäßige Pflege, eine dichte Grasnarbe und eine angepasste Düngung selbstverständlich vorausgesetzt.
Und dann kann die Post (mit der Kutsche) abgehen – beispielsweise
- in den Dressur- und Springkursen der vielen professionellen Reitschulen
- beim naturverbundenen Freizeitreiten oder in den Reitferien
- oder beim bereits angesprochenen therapeutischen Reiten, das von entsprechenden Facheinrichtungen angeboten wird.
Kurz gesagt: In Niederbayern findet sich alles, was Menschen und Pferde für ihr Wohlgefühl benötigen. Und das hat sich inzwischen auch längst überregional herumgesprochen, da viele hier entweder das erste Mal auf Tuchfühlung gehen oder sogar ihr eigenes Pferd mit in den Reiterurlaub bringen.
Merke: Moderne Anforderungen und gelebte Tradition schließen einander keinesfalls aus
Ob traditionelle Werte, Tierwohl, Nachhaltigkeit oder Freizeitqualität – warum nur an einer Stellschraube drehen, wenn man erkennt, wie alle Aspekte miteinander im Zusammenhang stehen und sich positiv aufeinander auswirken können? In Niederbayern, bei uns in der Region, hat man die Zeichen der (neuen) Zeit jedenfalls erkannt – und das ist die beste Basis, um die Freundschaft zwischen Mensch und Pferd in eine (er)lebenswerte Zukunft zu tragen.
