(jh) Die Temperaturen kletterten am Freitag und Samstag deutlich über die 30-Grad-Marke. Dennoch ließen sich die Teilnehmer der diesjährigen „Tour de Jumelage“ die gute Laune nicht verderben. Gäste aus Frankreich, Italien, Belgien, Tschechien und Deutschland nutzten ihren Aufenthalt in Bogen (Landkreis Straubing-Bogen), um die landschaftlichen und kulturellen Höhepunkte Niederbayerns und der Oberpfalz kennenzulernen. Ein verkürztes Programm kam für die meisten nicht infrage. „Wenn wir schon die Reise hier nach Bogen angetreten haben, dann möchten wir natürlich auch etwas sehen“, brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt.

Zur Tour de Jumelage waren Delegationen aus den Partner- und Freundschaftskommunen Arthez-de-Béarn und Crosne (Frankreich), Arco und Roccella Ionica (Italien), Beloeil (Belgien), Schotten (Hessen) sowie Rýmařov und Slavonice (Tschechien) in die Rautenstadt gekommen. Organisiert wurde das abwechslungsreiche Besuchsprogramm vom Partnerschaftsverein Bogen unter der Leitung seiner Vorsitzenden Elke Häusler.

Schifffahrt musste kurzfristig umgeplant werden

Donaudurchbruch – Blick vom Michelsberg – Foto: Haas

Der Freitag führte die internationale Reisegruppe zunächst nach Kelheim und Weltenburg. Eigentlich sollte eine Schifffahrt durch den weltberühmten Donaudurchbruch nach Weltenburg stattfinden. Wegen des außergewöhnlich niedrigen Wasserstands der Donau musste das Programm jedoch kurzfristig geändert werden.

Anstelle der Fahrt durch den Donaudurchbruch startete das Schiff in Kelheim zu einer Rundfahrt durch das landschaftlich reizvolle Altmühltal. Zwar fiel damit einer der touristischen Höhepunkte aus, dennoch zeigte sich die Gruppe beeindruckt von der Flusslandschaft und den markanten Jurafelsen entlang der Altmühl.

Anschließend brachte der Bus die Teilnehmer direkt zum Benediktinerkloster Weltenburg. Dort besichtigten die Gäste die barocke Klosterkirche St. Georg, die als eines der bedeutendsten Werke der Brüder Asam gilt. Unter den schattenspendenden Bäumen der Klosterschenke fanden viele Besucher anschließend eine willkommene Abkühlung, bevor die Reise weiterging.

Befreiungshalle beeindruckt internationale Gäste

Ganz auf den Donaudurchbruch verzichten mussten die Teilnehmer dennoch nicht. Am Nachmittag führte der Weg hinauf auf den Michelsberg bei Kelheim. Von dort bot sich ein eindrucksvoller Blick auf den spektakulären Donaudurchbruch, an dem sich die Donau ihren Weg durch die Felsen bahnt.

Die Befreiungshalle – Foto: Haas

Auf dem Michelsberg besichtigten die Besucher außerdem die weithin sichtbare Befreiungshalle. Das monumentale Bauwerk ließ König Ludwig I. von Bayern zwischen 1842 und 1863 errichten. Es erinnert an die siegreichen Kämpfe gegen Napoleon und ist den „teutschen Befreiungskämpfern“ gewidmet. Besonders die monumentale Architektur sowie der Rundblick über das Donautal hinterließen bei vielen Gästen bleibende Eindrücke.

Walhalla und Nepal-Himalaya-Park als weitere Höhepunkte

Auch am Samstag trotzten die Teilnehmer der außergewöhnlichen Sommerhitze. Das Thermometer zeigte erneut Temperaturen weit jenseits der 30 Grad, dennoch machte sich die Gruppe auf den Weg in den Nachbarlandkreis Regensburg.

Erstes Ziel war die Walhalla oberhalb der Donau bei Donaustauf. Die berühmte Gedenkstätte entstand bereits zwischen 1830 und 1842 – also noch vor der Befreiungshalle – ebenfalls auf Initiative König Ludwigs I. In dem imposanten klassizistischen Bauwerk werden bedeutende Persönlichkeiten der deutschen Geschichte mit Marmorbüsten und Gedenktafeln geehrt. Viele Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, die beeindruckende Aussicht über das Donautal zu genießen.

Die „Metallrollen“ und „Glocken“ im Eingangsbereich des Nepal-Himalaya-Park interessierte viele der Gäste. Diese klassischen Ritualgegenstände des tibetischen und ostasiatischen Buddhismus dienen der Meditation, dem Erzeugen von gutem Karma und der spirituellen Reinigung. – Foto: Haas

Am Nachmittag stand ein völlig anderer Programmpunkt auf dem Reiseplan. Im Nepal-Himalaya-Park bei Wiesent tauchten die Gäste in eine fernöstliche Gartenwelt ein. Auf dem rund neun Hektar großen Gelände wachsen nahezu 7.000 Pflanzenarten aus den unterschiedlichsten Klimazonen. Mittelpunkt der Anlage ist der Nepal-Himalaya-Pavillon, der ursprünglich als nepalesischer Pavillon auf der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover errichtet worden war. Die Verbindung aus buddhistischem Stupa und hinduistischer Pagode faszinierte ebenso wie die kunstvoll angelegten Gartenlandschaften.

Die Gruppe aus Arco vor dem Nepal-Himalay-Pavillon. Übrigens: „Bogen“ heißt im italienischen „Arco“. – Foto: Haas

Europa lebt vom persönlichen Austausch

Neben den touristischen Höhepunkten stand während der gesamten Tour vor allem das Miteinander im Mittelpunkt. Viele Teilnehmer kennen sich bereits seit Jahren oder sogar Jahrzehnten. Neue Freundschaften entstehen ebenso selbstverständlich wie die Pflege bestehender Kontakte. Gerade diese persönlichen Begegnungen machen die Tour de Jumelage seit vielen Jahren zu einem besonderen Symbol der europäischen Verständigung.

Auch wenn die hochsommerlichen Temperaturen den Teilnehmern einiges abverlangten, überwog am Ende die Begeisterung über das abwechslungsreiche Programm. Die Tour zeigte einmal mehr, dass Städtepartnerschaften weit mehr sind als offizielle Urkunden. Sie leben vom persönlichen Austausch, gemeinsamen Erlebnissen und der Neugier auf die Kultur und Geschichte der jeweiligen Gastgeberregion.