(tn) In einer völlig verrückten und temporeichen Landesliga-Partie haben sich der SV Türk Gücü Straubing und der TSV Bad Abbach mit einem spektakulären 4:4 (4:3)-Unentschieden getrennt. Vor 193 Zuschauern sahen die Zuschauer an der Uferstraße ein reines Offensivspektakel mit sieben Toren allein im ersten Durchgang.

Während Türk Gücü spielerisch starke Akzente setzte und mehrmals in Führung ging, konterten die Gäste jeden Rückschlag postwendend. Ein am Ende aberkanntes Tor sowie strittige Schiedsrichterentscheidungen sorgten für reichlich Gesprächsstoff.

Fotos: Haas

Von Beginn an agierten beide Mannschaften mit offenem Visier und suchten ohne langes Abtasten den direkten Weg nach vorne. Das Spiel war gerade einmal fünf Minuten alt, als ein folgenschwerer Fehlpass im Spielaufbau der Gäste die Führung für Türk Gücü einleitete. Die Kugel versprang leicht und landete genau im Lauf von Top-Torjäger Almir Mesanovic, der den gegnerischen Keeper gekonnt umspielte und eiskalt zum 1:0 vollstreckte. Die Freude währte jedoch nur kurz: Praktisch im Gegenzug markierte Justin Bolfrey nach einer unzureichend geklärten Situation den schnellen 1:1-Ausgleich (7.) aus dem Rückraum des Strafraumes.

Türk Gücü ließ sich vom Ausgleich jedoch nicht beirren. In der 17. Minute zappelte der Ball erneut im Netz: Nach einem weiten Einwurf von Lewin Gebhard stand Kapitän Mesanovic völlig blank vor dem Gehäuse und nickte per Kopf zur 2:1-Führung ein. Nur wenige Minuten später belohnte sich die Heimelf für ihren Offensivdrang mit dem dritten Treffer. Mesanovic zog aus der Distanz ab, den abgewehrten Ball verwertete Kirill Hankin gedankenschnell im Nachschuss zum 3:1 (25.).

Fotos: Haas

Nur 60 Sekunden nach dem Zwei-Tore-Vorsprung nutzte Bad Abbachs Jannik Graf eine Unachtsamkeit in der Straubinger Abwehr und verkürzte im Strafraum auf 3:2 (26.). Die Gäste bekamen nun Oberwasser und schlugen in der 32. Minute erneut zu. Nach einem Foulspiel im Sechzehner entschied der Unparteiische auf Strafstoß, den Jannik Graf sicher zum 3:3-Ausgleich verwandelt. Doch das wilde Torfestival der ersten Hälfte hatte noch einen Höhepunkt parat: Quasi mit dem Pausenpfiff schnürte der überragende Almir Mesanovic seinen Hattrick perfekt und traf per Kopf nach einer Shalaj-Ecke zum psychologisch wichtigen 4:3 (45.+1) – untermalt von der standesgemäßen Torsong-Hymne „Mister Bombastic“.

Der zweite Durchgang begann für die Gastgeber mit einem herben Dämpfer. Kaum waren die Teams wieder auf dem Feld, schlug Jannik Graf zum dritten Mal an diesem Nachmittag nach einem Fehler im Straubinger Strafraum völlig blank zu und stellte den erneuten 4:4-Ausgleich her (49.). Im Anschluss entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, bei dem das Tempo enorm hoch blieb. Auf Straubinger Seite vergab Tobias Richter in der 59. Minute eine Riesenchance, als er aus zwei Metern am Pfosten vorbeizielte.

Zehn Minuten vor dem Ende der Partie kam es zu einer hitzig diskutierten Szene: Almir Mesanovic erzielte den vermeintlichen Führungstreffer zum 5:4, der vom Schiedsrichtergespann aufgrund einer äußerst strittigen Abseitsentscheidung jedoch nicht anerkannt wurde. Das anschließende Reklamieren brachte dem Torjäger die Gelbe Karte ein. In den Schlussminuten schwand bei beiden Teams die Kraft, doch die Spannung war noch nicht vorbei: In der dritten Minute der Nachspielzeit (90.+3) tauchte Bad Abbach noch einmal gefährlich vor dem Straubinger Gehäuse auf, doch TG-Keeper Gheorghe Calin klärte in höchster Not. Quasi mit dem Schlusspfiff (90.+5) setzte Almir Mujcinovic den Ball noch einmal knapp neben den Kasten, ehe Schiedsrichter David Feistauer das turbulente Match beendete.

Co-Spielertrainer Tobias Richter zog nach diesem turbulenten Nachmittag ein gemischtes, aber versöhnliches Fazit: „Wildes Spiel heute. Wir gehen nach einem Fehler von Bad Abbach 1:0 in Führung, bekommen aber gleich das 1:1, welches wir nicht gut verteidigen. Wiederum nach dem 3:1 bekommen wir praktisch im Gegenzug den Anschlusstreffer, was uns nicht passieren darf. Da müssen wir einfach nach eigenen Toren die anschließenden Minuten stabiler sein. Leider bekommen wir einen strittigen Elfmeter gegen uns, bekommen einen klaren Elfmeter nicht und einen Abseitspfiff beim Tor kurz vor Schluss, welches niemals eines war. Aber das gehört zum Fußball dazu und gleicht sich irgendwann wieder aus. Alles in allem haben beide Seiten guten Offensivfußball gezeigt und in der Defensive immer wieder wilde Lücken gehabt. Daher ein leistungsgerechtes Unentschieden. Ein tolles Spiel für die Zuschauer!“

Mit diesem Punktgewinn verbucht Türk Gücü als Aufsteiger einen weiteren wichtigen Zähler auf dem Konto und verbleibt mit nun 24 Punkten auf einem hervorragenden vierten Tabellenplatz in der Landesliga Mitte.