(jh) Wenn am Heiligabend die ersten Töne über den Dorfplatz in Gossersdorf ziehen, dann ist das für viele kein bloßes Ständchen. Es ist ein Ritual. Seit 1983 organisiert und spielt Fritz Fuchs gemeinsam mit Blasmusikfreunden das „Christkindl“-Anblasen. Für manche gehört es so selbstverständlich zum Jahreslauf wie die Christmette.

Fritz Fuchs

Fuchs, der in Gossersdorf lebt, ist musikalischer Leiter der Konzeller Blasmusikanten. Seine eigene Laufbahn begann früh. Mit elf Jahren lernte er Trompete, später kam die Bassgitarre hinzu. Er spielte in Blaskapellen, Tanzbands wie den „Arrows“, bei Fahnenweihen, Volksfesten und Hochzeiten. 1994 kehrte er bewusst zur Blasmusik zurück – zu „Unseren Musikanten“, wie es damals hieß.

Blasmusik ist für ihn mehr als Unterhaltung. Sie ist Teil der regionalen Identität. Bei Festen, kirchlichen Feiern und Partnerschaftsbesuchen – etwa mit spanischen Freunden der Gemeinde – schlägt die Musik eine Brücke zwischen Menschen. Wo Worte fehlen, tragen Melodien.

Diese Verbindung von Kultur und Geschichte zieht sich auch durch sein weiteres Wirken. Fuchs ist Bräuhauswirt im ehemaligen Weißbierbräuhaus in Gossersdorf. Dort finden nicht nur gesellige Abende statt, sondern auch Buchvorstellungen und Vorträge. Wenn er über Bauernhöfe, Haus- und Hofnamen oder die Geschichte der Röhrmühle spricht, dann geschieht das oft an einem Ort, der selbst Teil der Ortsgeschichte ist.

Musik und Forschung greifen ineinander. Der Dorfplatz, auf dem das Heiligabend-Anblasen stattfindet, ist zugleich Ausgangspunkt seiner historischen Streifzüge durch Gossersdorf. Schloss, Brauerei, St.-Stephanskirche oder Thürriegel-Denkmal – Fuchs kennt ihre Geschichten und erzählt sie mit Detailkenntnis. Die Vergangenheit wird nicht im stillen Kämmerlein verhandelt, sondern im Austausch mit den Menschen vor Ort.

Seine Rolle als Blasmusiker ergänzt seine Arbeit als Heimatforscher. Während er in Archiven alte Briefprotokolle entziffert, hält er mit Musik Traditionen lebendig. Beides dient dem gleichen Ziel: Heimat nicht nur zu bewahren, sondern erlebbar zu machen.

In Presseporträts wird er als „Mann der vielen Talente“ beschrieben – Bräuhauswirt, Blasmusiker, politisch engagierter Bürger, Hobbyarchäologe und Autor. Doch hinter diesen Rollen steht ein gemeinsamer Gedanke: Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen sich begegnen – sei es bei einem Vortrag über alte Hofnamen oder bei einer Polka am Dorfplatz.

Für die Gemeinde Konzell und den Ortsteil Gossersdorf bedeutet das Kontinuität. Tradition wird nicht museal verwahrt, sondern gelebt. Wenn die Konzeller Blasmusikanten auftreten, dann klingt darin nicht nur Gegenwart. Es schwingt auch Geschichte mit.

Und so ist das Heiligabend-Anblasen seit über vier Jahrzehnten mehr als eine musikalische Einlage. Es ist ein Zeichen dafür, dass Heimat aus vielen Bausteinen besteht – aus Wissen, Engagement, Begegnung und Klang.