(ra) Heiße Sommertage, ausbleibender Regen und sinkende Grundwasserstände stellen Bayerns Landwirtschaft vor immer größere Herausforderungen. Während erste Kommunen bereits den Wasserverbrauch einschränken, arbeiten Landwirte und Wissenschaftler an Strategien, um auch künftig sichere Ernten zu ermöglichen. Dabei spielen moderne Anbaumethoden ebenso eine Rolle wie trockenheitsresistente Pflanzen.
Nach zwei Hitzewellen in diesem Sommer reagieren inzwischen auch Städte und Gemeinden auf die angespannte Lage. In Landau an der Isar gilt derzeit ein Bewässerungsverbot für Rasen- und Grünflächen, Sport- und Reitplätze. Auch das Befüllen privater Pools und das Autowaschen sind vorübergehend untersagt. Ähnliche Maßnahmen wurden bereits in München eingeführt.

Bewässerung nur mit Genehmigung
Für landwirtschaftliche Betriebe ist Wasser in Trockenzeiten oft unverzichtbar. Wer über einen eigenen Brunnen verfügt, darf jedoch nicht beliebig Wasser entnehmen.
„Allerdings nicht ohne Sinn und Verstand“, betont Josef Haslbeck vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Deggendorf-Straubing (AELF) am Mittwoch gegenüber regio-aktuell24. Eine Beregnung sei teuer und zudem streng geregelt.
Vor einer Bewässerung müssen Landwirte eine wasserrechtliche Genehmigung beantragen. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie das Wasserwirtschaftsamt prüfen anschließend den tatsächlichen Bedarf. Erst danach legt das Landratsamt die zulässigen Entnahmemengen fest.
Im Dienstgebiet des AELF darf in der Regel nur zwischen 17 Uhr und 10 Uhr des folgenden Tages bewässert werden. Für frisch gepflanztes Gemüse gelten in der ersten Woche Ausnahmen.
Wasser im Boden halten
Neben einer gezielten Bewässerung setzen Landwirte zunehmend auf Maßnahmen, die den Boden widerstandsfähiger gegen Trockenheit machen. „Landwirte sind sehr gut ausgebildet. Sie wissen, in welchem Stadium des Wachstums die jeweiligen Kulturen wie viel Nährstoff, Pflanzenschutz und eben auch Wasser brauchen“, erklären die Pflanzenbauexperten Anika Anglsperger und Anton Maier.
Bereits bei der Auswahl der Kulturen werde darauf geachtet, welche Sorten Trockenheit besser verkraften. Fruchtfolgen und Zwischenfrüchte sorgen dafür, dass der Boden möglichst ganzjährig bedeckt bleibt und Feuchtigkeit besser speichern kann.
Auch bodenschonende Verfahren wie Mulch- oder Direktsaat gewinnen an Bedeutung. Sie erhalten die Bodenstruktur, verringern Erosion und helfen, Wasser länger im Boden zu halten. Allerdings bedeuten diese Verfahren für die Betriebe zusätzlichen Arbeits- und Kostenaufwand.
Forschung sucht robuste Sorten
Parallel arbeitet die Forschung an neuen Lösungen. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft und mehrere Versuchszentren testen gemeinsam mit Pflanzenzüchtern Sorten, die besser mit Hitze und Trockenheit zurechtkommen.
Neue Züchtungen werden nach ihrer Zulassung mindestens drei Jahre lang unter Praxisbedingungen geprüft. Auf Grundlage dieser Ergebnisse erhalten Landwirte unabhängige Empfehlungen für den Anbau. „Die Nutzung neu gezüchteter Sorten ist die beste Anpassung an die klimatischen Veränderungen“, sagt Maximilian Dendl vom AELF.
Feldtag zeigt neue Anbaumethoden
Wie Direktsaat und Zwischenfrüchte in der Praxis funktionieren, zeigt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Deggendorf-Straubing gemeinsam mit dem Maschinenring Straubing bei einem Feldtag am 4. August um 18 Uhr in Sallach. Dort werden verschiedene Verfahren vorgestellt, mit denen sich Böden auch in trockenen Jahren widerstandsfähiger bewirtschaften lassen.
