(ra) Sucht ist eine Krankheit, die selten im Verborgenen bleibt: Sie greift tief in Familien, Partnerschaften und Freundeskreise ein. Schätzungen zufolge sind in Deutschland mehrere Millionen Menschen von einer Suchterkrankung betroffen – sei es Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit. Damit ist sie längst ein gesamtgesellschaftliches Thema. Und dennoch stehen Angehörige häufig allein da – zwischen Sorge, Hilflosigkeit und der Frage, wie sie helfen können, ohne selbst daran zu zerbrechen.

Das Bezirkskrankenhaus (BKH) Landshut setzt hier ein klares Zeichen und startet am 22. Mai das neue „Angehörigenforum Sucht“. Mit diesem Angebot schafft das BKH einen geschützten Raum, in dem Bezugspersonen von Menschen mit Suchterkrankung Unterstützung, Orientierung und Entlastung finden können.

Unterstützen zukünftig Angehörige suchterkrankter Personen (von links): Milica Cvijic, Karin Dworsky, Birgit Edenhofer. Foto: Bezirkskrankenhaus Landshut

„Angehörige leisten oft Enormes und geraten dabei nicht selten an ihre eigenen Belastungsgrenzen. Aus fachpflegerischer Sicht setzen wir genau hier an: Unser Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, Orientierung zu geben und Angehörige in ihrer Handlungsfähigkeit zu stärken. Gleichzeitig ist es uns ein zentrales Anliegen, ihnen zu zeigen, dass sie mit ihren Sorgen und Belastungen nicht allein sind“, erklärt Milica Cvijic, Stationsleitung und Initiatorin des Angebots. Gemeinsam mit ihren zwei Kolleginnen, Birgit Edenhofer und Karin Dworsky hat sie das Forum entwickelt, um eine wichtige Lücke in der Versorgung zu schließen.

Wissen, Austausch und konkrete Hilfe im Alltag

Im Angehörigenforum erhalten Teilnehmende verständliche Informationen zu Suchterkrankungen und deren Dynamiken. Gleichzeitig geht es um ganz praktische Fragen des Alltags: Wie gelingt der Umgang mit einer suchtkranken Person? Wo liegen eigene Grenzen und wie können diese geschützt werden? Der Austausch mit anderen Betroffenen spielt dabei eine zentrale Rolle und wird durch fachliche Impulse ergänzt. Auch die Förderung von Selbstfürsorge und Resilienz ist ein wichtiger Bestandteil des Angebots. In belastenden Situationen stehen zudem pflegegeleitete Kurzinterventionen zur Verfügung, die unmittelbar entlasten können.

Im geschützten Rahmen des Angehörigenforums Sucht am BKH Landshut finden Betroffene Unterstützung, Verständnis und Austausch. Bild: istock

„Sucht betrifft immer auch das soziale Umfeld das dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren“, betont Erik Wolf, stellvertretender Pflegedirektor der Erwachsenenpsychiatrie am Bezirkskrankenhaus Landshut. „Als Fachklinik ist es unser Anspruch, nicht nur Patientinnen und Patienten bestmöglich zu versorgen, sondern auch deren Angehörige mitzudenken und aktiv zu unterstützen. Mit dem neuen Forum schaffen wir hierfür ein niedrigschwelliges und gleichzeitig fachlich fundiertes Angebot.“

Anmeldung und Termine

Die Gruppe wird von erfahrenen Fachpflegekräften für Psychiatrie geleitet und findet künftig regelmäßig jeden ersten und dritten Freitag im Monat um 19 Uhr im Seminarraum des Bezirkskrankenhauses Landshut statt. Die Teilnahme ist nach vorheriger Anmeldung per E-Mail an s24@bkh-landshut.de oder telefonisch unter 0871 6008-240 möglich.

Mit dem neuen Angehörigenforum schafft das Bezirkskrankenhaus Landshut ein zusätzliches Unterstützungsangebot für Menschen, die im Alltag oft viel tragen und selten im Mittelpunkt stehen. Ziel ist es, ihnen einen Ort zu geben, an dem sie Informationen, Austausch und Entlastung finden können – unkompliziert, fachlich begleitet und auf Augenhöhe.