Landkreis Dingolfing-Landau

Schneebruch, Windwurf und andere Kalamitäten

(ra) Die heftigen Schneefälle im Dezember haben etliche gebrochene Bäume hinterlassen. Mit Hochdruck wird vielerorts an der Aufarbeitung gearbeitet. Um die Gefahr einer Borkenkäferkalamität so gering wie möglich zu halten, sollte diese bei Fichten, vor allem bei Einzelbrüchen, schnell erfolgen.

Der abgebrochene Starkast eines Apfelbaums bietet eine Großhöhle und damit eine ideale Brutmöglichkeit, zum Beispiel für den Steinkauz. Foto: AELF/Parzefall

Aber bei der Aufarbeitung von Kalamitätsholz kann auch dem Waldnaturschutz geholfen und so ein positiver Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Waldes geleistet werden. Richard Parzefall von der Fachstelle Waldnaturschutz Niederbayern hat die wichtigsten Aspekte zusammengestellt.

Brutraum für Vögel

Aufgesplittertes, gebrochenes, stärkeres Laubholz mit bis zu vier Metern Höhe ist ideal, um Brutraum für Vögel zu schaffen. Diese Stümpfe sind schwierig zu fällen, weil Keile aufgrund der geringen Hebelwirkung nicht gut ziehen.

Totholz – voller Leben aber lebensgefährlich

Langes, dünnes Totholz, wie es häufig in ungepflegten Beständen zu finden ist, ist dagegen bei der Waldarbeit lebensgefährlich. Hier behilft man sich am besten mit einer Seilwinde und zieht solche Totschlag-Fallen vorher um. Bei der Waldarbeit und besonders bei der Fällung von Kalamitätsholz gilt: Lassen Sie im Zweifel lieber den Profi ran.

Die Natur braucht Biotopbäume

Ein besonderes Augenmerk sollte bei der Aufarbeitung auch solchen Bäumen gelten, die bereits Biotopbaumqualitäten mitbringen. Specht- oder Faulhöhlen, mit viel Moos oder mit Efeu bewachsene Bäume und ausgefaulte Stammteile sind hier ebenso zu nennen wie Buchenstümpfe mit Pilzkonsolen.

Wurzelteller mit Platz für viele Arten

Ein weiteres Thema sind Windwurfteller, also Wurzelteller, die durch den umstürzenden Baum aus der Erde gerissen wurden. Sie haben ebenfalls ihre Bedeutung für den Naturschutz im Wald. Häufig bilden sich unter ihnen kleine Weiher, die als Kleinstgewässer für viele Arten einen hohen Stellenwert haben. Hier ist vor allem die Gelbbauchunke, ein kleiner Frosch mit gelber Unterseite, zu nennen, der auf solche Strukturen angewiesen ist.

Stümpfe stehen lassen

Auch Obstbäume mit ausgefaulten Asthöhlen wurden in Mitleidenschaft gezogen. Auch hier kann man häufig die Stümpfe stehen lassen und muss nicht jeden abgebrochenen Ast zu Brennholz verarbeiten. Star, Steinkauz und der sehr seltene Wiedehopf sind dankbare Mieter für die entstandenen Höhlen.

„Bitte denken Sie daran: Weniger ist oft mehr. Wir sind es, die mit unserem Handeln die Natur ärmer oder reicher machen“, appelliert der Experte von der Fachstelle Waldnaturschutz Niederbayern.