(ra) Rosalinde Niedermeier hat am 1. Oktober 1980 ihre Ausbildung an der Klinik Mallersdorf begonnen. Nach fast 46 Jahren durchgehender Vollzeitarbeit verabschiedet sie sich zum Monatsende in den Ruhestand. Ihre Laufbahn führte sie von der Intensiv- und Internistischen Station über den Aufbau der Praxisanleitung und die Leitung der Berufsfachschule für Pflege bis in die Leitung der Interdisziplinären Notaufnahme (INA). Ein paar Fragen an die zukünftige Ruheständlerin:

Frau Niedermeier, was bedeutet Ihnen die Klinik persönlich?
Das Haus hat mich mein gesamtes Berufsleben begleitet. Nach der Ausbildung arbeitete ich zunächst auf der Intensivstation, später auf der Inneren Medizin – auch wegen einer Allergie gegen Desinfektionsmittel. Sogar einen Berufswechsel habe ich deshalb zeitweise in Betracht gezogen, bin aber geblieben, da andere Mittel verfügbar waren. Jedes Arbeitsfeld hatte seine Zeit. Nach der Auflösung der Pflegeschule entschied ich mich bewusst für die Rückkehr in die direkte Patientenarbeit. Die Wege im Haus sind kurz, man kennt und vertraut sich im positivsten Sinne und viele ehemalige Schüler arbeiten heute im Team. Ich habe Umbauten und strukturelle Veränderungen miterlebt, aber es war dennoch ein konstantes Umfeld.

Sie waren lange in der Ausbildung tätig. Was war Ihnen wichtig?
1989 übernahm ich die Praxisanleitung, später wurde ich Unterrichtsschwester und leitete bis 2007 die Berufsfachschule für Pflege. Im Mittelpunkt stand für mich immer der Patient und ein gutes Miteinander. Theorie ist lernbar, doch Wahrnehmung, Nähe und situatives Handeln müssen erfahren werden. Pflege ist mehr als Technik. Entscheidend ist der ernsthafte Wille, mit Menschen zu arbeiten.
Was machte die Interdisziplinäre Notaufnahme besonders?
Die INA war von all meinen Einsatzbereichen für mich persönlich der interessanteste, weil sie einen so vielfältig fordert: unterschiedliche Krankheitsbilder, alle Fachrichtungen, Rettungsdienst und Angehörige. Vom Zeckenbiss bis zum Schockraum ist alles dabei. Diese fachliche und menschliche Bandbreite hat die Arbeit hier für mich besonders spannend gemacht.
Sie haben deren Entwicklung mitgestaltet. Worauf sind Sie stolz?
Die einstige Zentrale Patientenaufnahme wurde in einen 24-Stunden-Betrieb überführt, technisch und strukturell stark weiterentwickelt. Für ein Haus dieser Größe ist die Notaufnahme heute sehr gut ausgestattet. Am meisten stolz bin ich jedoch auf den Teamzusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung, gerade in Bereichen wie Triage und Schockraum.
Welche Ausnahmesituationen sind Ihnen in Erinnerung?
Die Schweinegrippe, bei der der erste deutsche Patient bei uns behandelt wurde, ebenso Ebola-Übungen und die Corona-Pandemie. Maskenpflicht, Isolation und hohe Patientenzahlen haben das Team stark gefordert, waren aber gemeinsam zu bewältigen.

Wie hat sich die Pflege verändert?
Sie ist technischer und administrativer geworden. Die Verweildauern sind kürzer, der Durchsatz höher. Pflegekräfte übernehmen mehr Verantwortung und können sich spezialisieren. Das Spektrum ist anders geworden, auch die fachlichen Möglichkeiten. Mittlerweile kann man beispielsweise den Bachelor oder Masterabschluss in Pflegewissenschaften machen.
Was bleibt sinnbildlich für Ihren Beruf?
Ein guter Tag war, wenn alle Patienten gut versorgt waren und die Zusammenarbeit im Team funktionierte. Neben großen Notfällen bleiben auch kleine Begegnungen in Erinnerung. Wichtig ist, Verantwortung zu tragen, aber Belastendes nicht mit nach Hause zu nehmen.
Ihre Wünsche für die Zukunft?
Ich hoffe, dass die Notaufnahme ihren Weg fortsetzt und die Klinik mit ihrem familiären Charakter erhalten bleibt. Für mich bedeutet der Ruhestand einen klaren Schnitt. Jetzt freue ich mich auf Zeit für Neues, Hobbys und persönliche Projekte.
