(ra) Kiebitz, Brachvogel und andere selten gewordene Wiesenbrüter haben im Donautal einen neuen Fürsprecher. Seit Mai ist Simon Köppl als Gebietsbetreuer unterwegs, um ihre Lebensräume zu schützen und gemeinsam mit Landwirtschaft, Jagd, Naturschutz und Bevölkerung Lösungen für den Erhalt der Arten zu finden. „Gerade während der Brutzeit spielt dabei auch das Verhalten von Spaziergängern und Hundehaltern eine wichtige Rolle“, sagte er am Freitag gegenüber regio-aktuell24.

Bastian Thom (rechts) übergibt die Wiesenbrüter an seinen Nachfolger Simon Köppl. Er ist nun der neue Ansprechpartner für Landwirte, Anwohner und Jäger im Gebiet. Die Gebietsbetreuung ist finanziert durch den bayerischen Naturschutzfonds und lokale Träger (hier der LBV). – Foto: Janine Eurisch

Eine eigene Gebietsbetreuung mit dem Schwerpunkt Wiesenbrüter gibt es im Donautal seit 2018. Im Oktober 2024 übernahm Bastian Thom diese Aufgabe, seit Mai 2026 ist nun der 23-jährige Simon Köppl zuständig.

„Meine Begeisterung für die Vogelwelt entwickelte ich während meines Studiums der Umweltsicherung an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, das ich mit dem Bachelor of Engineering abschloss“, berichtet Köppl. Sein Praxissemester und seinen Bundesfreiwilligendienst absolvierte er in der Vogelauffang- und Umweltstation des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz (LBV) in Regenstauf.

Lebensraum für selten gewordene Arten

Im Donautal sind unter anderem Kiebitz, Braunkehlchen, Wachtelkönig, Uferschnepfe und Brachvogel heimisch. Der Brachvogel gilt dabei als Leitart und steht stellvertretend für den Lebensraum der Wiesenbrüter.

Und Köppl weiß: „Die Bestände dieser Arten sind in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgegangen. Sie stehen auf der Roten Liste und sind auf geeignete Schutzmaßnahmen angewiesen.“

Zu ihren typischen Lebensräumen gehören Feuchtwiesen und Moore. Deren Erhalt nutzt nicht nur den Vögeln. Intakte Feuchtgebiete können Wasser in der Landschaft zurückhalten und damit zum Hochwasserschutz beitragen. Moore speichern zudem große Mengen Kohlenstoff im Boden und sind damit auch für den Klimaschutz von Bedeutung.

Schutzzäune sollen Küken helfen

Gemeinsam mit den LBV-Kreisgruppen wurden auch in diesem Jahr wieder mehrere große Schutzzäune errichtet und betreut. Sie sollen insbesondere Küken vor Fressfeinden wie Füchsen und Wildschweinen schützen.

Doch technische Schutzmaßnahmen allein reichen nicht aus. Zwischen März und Juli ziehen die Wiesenbrüter ihren Nachwuchs groß. Gleichzeitig sind viele ihrer Lebensräume beliebte Ziele für Spaziergänger und andere Erholungssuchende.

Wer auf den Wegen bleibt und ausreichend Abstand zu den Vögeln hält, kann deshalb unmittelbar zum Artenschutz beitragen. Auch bei der Bewirtschaftung der Wiesen ist eine enge Abstimmung wichtig, damit Nester und Jungvögel bei Mäharbeiten geschützt werden können.

Freilaufende Hunde können zum Problem werden

Als Bodenbrüter reagieren die Tiere besonders empfindlich auf Störungen. Menschen abseits der Wege oder freilaufende Hunde können dazu führen, dass die Vögel ihre Nester oder Küken verlassen und erst nach längerer Zeit zurückkehren.

„Bei wiederholten Störungen besteht sogar die Gefahr, dass ein Brutplatz aufgegeben wird“, mahnt Köppl. Während die Elterntiere fehlen, seien Eier und Jungvögel zudem stärker Fressfeinden sowie Hitze oder Kälte ausgesetzt.

Gerade an stark frequentierten Wochenenden könnten Besucher deshalb mit vergleichsweise einfachen Verhaltensregeln einen wichtigen Beitrag leisten.

Vermitteln zwischen Naturschutz und Nutzung

Für Köppl besteht die Gebietsbetreuung aber nicht nur aus der unmittelbaren Arbeit mit den Vögeln. Ein wesentlicher Teil seiner Aufgabe ist die Kommunikation mit den Menschen vor Ort.

Er stimmt sich mit Landwirtschaft, Jagd und Anwohnern ab, erläutert Schutzmaßnahmen und sucht gemeinsam mit den Beteiligten nach praktikablen Lösungen. Während der Brutsaison ist er überwiegend draußen in den Wiesenbrütergebieten unterwegs. Sein Büro befindet sich in der LBV-Bezirksgeschäftsstelle Niederbayern in Straubing.

Dabei setzt Köppl auch auf Information und Naturvermittlung: Wer die besonderen Lebensräume und ihre Tierwelt vor der eigenen Haustür kennt und schätzt, soll eher bereit sein, zu ihrem Schutz beizutragen.