In einigen Kommunen des Landkreises Straubing-Bogen durften die Bürger*innen am Sonntag erneut an die Wahlurne treten. Bei der Kommunalwahl am 8. März hatte sich kein Bewerber bzw. keine Bewerberin um das Bürgermeisteramt durchsetzen können. Auch der Sessel des Landkreis-Chefs war im ersten Wahldurchgang nicht besetzt worden. Zwei Wochen hatten die Menschen im Landkreis Straubing-Bogen Zeit, ihr Votum vom 8. März zu bekräftigen oder zu korrigieren. Ja, sie taten es – zum Teil sehr deutlich! Eine Frau aus dem Landkreis meinte am Sonntagabend: „Es sieht für die Schwarzen schwarz aus.“

Zwei Bürgermeister und eine Bürgermeisterin wurden abgewählt. Die Wähler*innen honorierten deren Arbeit nicht positiv. Ich beginne mit Andrea Probst, der noch amtierenden Bürgermeisterin in der Stadt Bogen. Nur allzu oft eckte sie bei den Bürgern an. Sie hatten mehr von der Frau, die vor sechs Jahren Franz Schedlbauer beerbte, erwartet. Ihre Art, in der Stadt, die als Wiege des bayerischen Rautenwappens bekannt ist, kam nicht so gut an. Entscheidungen zu treffen, waren alles andere als konstruktiv, geschweige denn bürgerfreundlich. Ja, es waren häufig die Stimmen der FDP und Freien Wähler, die ihre Pläne im Stadtrat nicht mitgetragen haben und opponierten.

Stadtoberhaupt zu sein, heißt auf die Belange der Bürger*innen einzugehen und ihnen keine falschen Antworten zu geben. In den vergangenen Wochen hatten sich tatsächlich sogar die Grünen und die Sozialdemokraten hinter die Christsoziale gestellt – eine Wahlempfehlung für sie abgegeben. Bogens Bevölkerung ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Sie votierte für Walter Franz, der bereits seine Erfahrungen als Stadtratsmitglied hatte sammeln können. Es bleibt abzuwarten, ob er seine Wählerinnen und Wähler überzeugen kann, das Kreuzchen an der richtigen Stelle gesetzt zu haben.

Abgewählt wurde auch das Gemeindeoberhaupt von Straßkirchen. Hier ebenfalls ein CSU-Mitglied. Dr. Christian Hirtreiter wurde 2014 in der Stichwahl gegen den einstigen Amtsinhaber Eduard Grotz (SPD) gewählt und 2020 gegen einen Kandidaten der FW wiedergewählt. Nach zwei Amtsperioden brachte ihm die Stichwahl am Sonntag das Aus – gegen einen Kandidaten der SPD/UWG. Während überall in Deutschland die Wahlergebnisse für die SPD nach unten sinken, muss sich in Straßkirchen ein CSUler von einem Sozi aus dem Amt drängen lassen.

Die Gründe, so hört man in seiner Gemeinde, dürften unterschiedlich sein. Die Ansiedlung von BMW könnte ein Grund – wahrscheinlich aber nicht der ausschlaggebende – sein. Mangelnde Flexibilität, die Bürokratie und der grundsätzliche Umgang mit den Bürger*innen scheinen ähnlich wie in Bogen die Wahlentscheidung beeinflusst zu haben. Jetzt muss Andreas Dengler zeigen, ob er die Menschen in seiner Kommune bei den Entscheidungen mitnehmen kann.

Thomas Schuster – von rot zu schwarz – das hat ihm offensichtlich nicht bekommen. Im Jahr 2014 wurde Thomas Schuster, damals SPD, zum Bürgermeister von Perasdorf gewählt. Bei der Bürgermeisterwahl 2020 erhielt er die Mehrheit der Stimmen, als er auf dem Wahlzettel für die CFW kandidierte. Im Mai 2025 wechselte Schuster zur CSU. Am Sonntag erhielt er dafür die Quittung. War es seine Leistung, mit der die Bürger*innen in der Gemeinde Perasdorf nicht mehr zufrieden waren? Die CFW scheint in der kleinen Gemeinde des Landkreises Straubing-Bogen eine Rolle zu spielen – wenn man überhaupt in einer Gemeinde mit knapp über 400 Wahlberechtigten von Parteipolitik sprechen kann. Auf alle Fälle haben Thomas Schuster die Wähler*innen nach zwei Amtszeiten nicht mehr als ihren Bürgermeister haben wollen. Es ist erneut ein CFWler, der die Geschicke der Kommune Perasdorf leiten soll, der Maurer Josef Feldmer. In sechs Jahren wird seine Arbeit gemessen.

In Leiblfing standen die Zeichen auf völlig „Neu“. Nach Wolfgang Frank, der für die CSU die Kommune von 2002 bis 2020 führte, leitete Josef Moll nur eine Amtsperiode die Geschicke Leibfings. Er trat am 8. März nicht mehr an. Es waren die Freien Wähler, die in der aktuellen Legislaturperiode, die Ende April endet, die Mehrheit haben. Und jetzt wollten sie auch den Bürgermeister-Sessel besetzen. Im ersten Durchgang schaffte es Georg Emer noch nicht. Sein größter Konkurrent war Paul Lermen von der CSU. Wollen die Leiblfinger jetzt mit Emer einen kompletten Neuanfang? Bestimmt wird sich bereits im Laufe des Jahres herausstellen, ob der Freie-Wähler-Bürgermeister seine Versprechen einlösen wird.

Ich komme zur Stichwahl für den zukünftigen Landrat. Der Landkreis Straubing-Bogen ist seit jeher fest in CSU-Hand. Das wird sich jetzt ändern. Mit Tobias Beck hat sich ein Mann der Freien Wähler durchgesetzt. Bei der Wahl am 8. März lag er noch relativ weit hinter seinem Mitbewerber Ewald Seifert von der CSU. Zwei Wochen hatte er Zeit, die Landkreis-Wählerinnen und -Wähler zu überzeugen, dass er der richtige Mann am Schreibtisch des Landrats sein wird. Ein 38-jähriger Landtagsabgeordneter konkurriert gegen einen 57-jährigen Bürgermeister. Ein Freier Wähler gegen einen CSUler.

Die Werbekampagnen wurden für beide Kandidaten in den vergangenen zwei Wochen hochgefahren. Bei der CSU holte man sogar einen katholischen Geistlichen (unfreiwillig) ins Boot der Befürworter. In einer Podiumsdiskussion und bei der Beantwortung eines Fragenkatalogs der ÖDP wurden beide Bewerber herausgefordert. Selbstsicher, nervös oder komplett in der Schwebe – Seifert und Beck konnten nicht richtig eingeordnet werden. Die Spannung lag bis zum Schluss in der Luft. Die Wähler*innen haben sich letztendlich doch eindeutig für Tobias Beck entschieden. Der IT-Experte muss jetzt zeigen, ob er seine Versprechen, die er während des Wahlkampfes gegeben hat, tatsächlich umsetzen kann. Inwieweit sich der Verlierer Ewald Seifert professionell geben wird, das bleibt abzuwarten.

Johann Haas