(ra). Homeoffice gehört für viele zum Alltag, mit all seinen Vorteilen und Herausforderungen. Während einige die Flexibilität schätzen, stellt die Arbeit von zu Hause andere vor gesundheitliche Probleme. Sowohl Beschäftigte als auch Arbeitgeber stehen in der Verantwortung, die neuen Arbeitsformen dauerhaft gesünder zu gestalten.
Arbeiten von zu Hause – zwischen Komfort und Gesundheitsrisiken
Rund ein Viertel arbeitet mittlerweile regelmäßig von zu Hause, viele am Küchentisch oder am Sofa. Das sorgt oft für eine bessere Work-Life-Balance und mehr Konzentration. Laut Umfragen empfinden über 70 Prozent ihre Lebensqualität im Homeoffice sogar als höher als im Büro.

Doch nicht jeder Arbeitsplatz ist ergonomisch eingerichtet. Rückenschmerzen, Verspannungen oder Kopfschmerzen sind eine häufige Folge. Fast jeder Fünfte berichtet davon. Hinzu kommt, dass wer viel sitzt, sich weniger bewegt. Knapp 46 Prozent verbringen lange Phasen bewegungslos am Schreibtisch. Das ist ein klarer Risikofaktor für Muskel- und Kreislaufprobleme.
Auch psychische Belastungen nehmen zu. Viele arbeiten selbst dann weiter, wenn sie eigentlich krank sind. Fast 70 Prozent haben das schon einmal gemacht. Die Grenze zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmt. Lärm und fehlende Rückzugsmöglichkeiten, etwa durch Kinder oder Mitbewohner, sind für über 20 Prozent zusätzlicher Stress im Alltag.
Gesund daheim arbeiten – mit Bewegung, Ergonomie und Struktur
Hilfreich sind Bewegungspausen an der frischen Luft oder das Arbeiten im Stehen. Was im Büro oft automatisch passiert, wird beim Arbeiten zu Hause häufig vernachlässigt. Kleine Tools, die an kurze Unterbrechungen erinnern, können hier unterstützen. Wer sich wohlfühlt, arbeitet konzentrierter. Deshalb sollte auch hybrides Arbeiten nicht nur technisch, sondern auch gesundheitlich ganzheitlich gedacht werden und speziell an den Homeoffice-Tagen auf diese Aspekte geachtet werden.
Wie gut und gesund wir uns im Homeoffice fühlen, hängt entscheidend von unserem Setup ab. Ergonomisch sinnvoll ist ein Arbeitsplatz, wenn Stuhl und Tisch in der Höhe verstellbar sind, der Monitor auf Augenhöhe steht und das Licht ausreichend ist. Doch ebenso wichtig ist Bewegung im Tagesverlauf. Regelmäßiges Aufstehen, Strecken oder ein kurzes Umhergehen, optimal etwa jede Stunde, bringt den Kreislauf in Schwung und entlastet Muskeln und Gelenke. Warum nicht eine kurze Jogging-Einheit durch das Wohnzimmer einlegen?
Eine klar geregelte Tagesstruktur hilft beim Arbeiten zu Hause, Stress zu reduzieren und besser abzuschalten. Wer Berufliches und Privates deutlich voneinander trennt, schützt seine mentale Gesundheit.
Langfristig gesund bleiben – was Unternehmen und Politik tun sollten
Damit die Arbeit im Homeoffice keine Einbahnstraße wird, braucht es Unterstützung von außen. Hybrides Arbeiten bietet zwar viele Vorteile, fördert den sozialen Austausch im Büro und schafft zu Hause mehr Ruhe für konzentriertes Arbeiten. Doch ohne klare Spielregeln kann es schnell belastend werden. Geregelte Arbeitszeiten, feste Pausen und Grenzen bei der Erreichbarkeit sollten deshalb durch Tarifverträge oder betriebliche Vereinbarungen abgesichert sein. Das sorgt für mehr Sicherheit und schützt die psychische Gesundheit langfristig.
Ein wichtiger Schritt für Unternehmen sind strukturierte Gefährdungsbeurteilungen. Sie helfen, Risiken im Homeoffice, von körperlichen Beschwerden bis hin zu emotionaler Erschöpfung, frühzeitig zu erkennen. Daraus lassen sich gezielte Maßnahmen ableiten, etwa Schulungen zur ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung oder zur besseren Selbstorganisation im Arbeitsalltag. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung rät deshalb, solche Unterweisungen auch zu Hause verpflichtend durchzuführen.
Wird die Rückkehr ins Büro ohne Rücksicht auf persönliche Bedürfnisse angeordnet, leidet laut Studien nicht nur die Motivation, auch die Produktivität sinkt. Außerdem berichten viele Beschäftigte von zu langen Tagen im Homeoffice, manche arbeiten selbst krank weiter. Klare gesetzliche Vorgaben können helfen, diese Entwicklung zu stoppen und digitale Arbeitsformen gesund zu gestalten, jetzt und in Zukunft.
