(pol) Ein angeblicher Polizist warnt vor einer Einbrecherbande und will Wertsachen in Sicherheit bringen. Doch die Tochter einer 64-jährigen Frau aus Deggendorf durchschaut die Masche und alarmiert die echte Polizei. Wenig später klicken bei zwei mutmaßlichen Betrügern die Handschellen. Die Ermittler bringen die Männer inzwischen mit zwei weiteren Fällen in Verbindung.

Tochter erkennt Betrug und alarmiert Polizei

Der Betrugsversuch ereignete sich am Samstagnachmittag. Ein Unbekannter meldete sich telefonisch bei der 64-Jährigen und gab sich als Polizeibeamter aus. Angeblich sei eine Einbrecherbande festgenommen worden, bei der eine Liste mit möglichen Einbruchszielen gefunden worden sei. Darauf stehe auch das Haus der Frau.

Zwei vermeintliche Polizisten sollten deshalb vorbeikommen und ihre Wertsachen in Sicherheit bringen. Die Tochter erkannte den Betrugsversuch und verständigte die Polizei, während ihre Mutter die Anrufer weiter am Telefon hielt.

Beamte entdeckten in der Nähe des Hauses einen verdächtigen Audi A6 mit österreichischem Kennzeichen und zwei Insassen. Bei der Kontrolle fiel dem Beifahrer eine täuschend echt aussehende Luftpistole aus der Hand. Die Polizisten nahmen beide Männer fest.

Gestohlener Schmuck im Auto entdeckt

Bei der Durchsuchung des Fahrzeugs fanden die Ermittler eine schwarze Schmuckschatulle mit zahlreichen Schmuckstücken. Diese stammte nach bisherigen Erkenntnissen aus der Wohnung einer 82-Jährigen in Plattling.

Dort hatten sich am selben Tag zwei Männer unter einem Vorwand Zutritt verschafft, die Wohnung durchsucht und offenbar die Schmuckschatulle gestohlen.

Auch mit einem Betrugsversuch in Amberg könnten die Festgenommenen in Verbindung stehen. Ein 86-Jähriger hatte dort einen Anruf falscher Polizisten erhalten, die Masche jedoch erkannt und aufgelegt. Nach bisherigen Ermittlungen sollten die beiden Männer möglicherweise auch dort als Abholer auftreten.

Bei den Beschuldigten handelt es sich um einen 37-Jährigen mit Wohnsitz in Österreich und einen 26-Jährigen aus Unterfranken. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Deggendorf erließ das Amtsgericht gegen beide Haftbefehle. Seit Sonntag, 25. Oktober, sitzen sie in Untersuchungshaft. Ob die Männer an weiteren Betrugsfällen beteiligt waren, wird derzeit geprüft.

Schockanruf in Obernzell: Schmuck und Gold erbeutet

Unabhängig davon ermittelt die Kriminalpolizei nach einem weiteren Betrugsfall in Obernzell im Landkreis Passau. Dort erhielt eine 73-Jährige am Freitag, 23. Oktober, einen sogenannten Schockanruf.

Eine angebliche Polizistin behauptete, die Tochter der Frau habe bei einem Verkehrsunfall eine schwangere Radfahrerin getötet und befinde sich deshalb in Untersuchungshaft. Gegen Zahlung einer Kaution könne sie einer Haftstrafe entgehen. Zusätzlich meldete sich auf dem Handy der Seniorin ein vermeintlicher Staatsanwalt.

Gegen 17.30 Uhr übergab die Frau vor ihrem Haus eine Stofftasche mit Schmuck und Gold an einen unbekannten Mann.

Polizei sucht unbekannten Abholer

Der Gesuchte ist etwa 1,65 bis 1,70 Meter groß, schlank und trug dunkle Kleidung sowie eine dunkle Kappe. Er hatte weder Bart noch Brille und führte eine etwa 60 Zentimeter lange schwarze Sporttasche mit seitlichen Streifen mit sich.

Nach bisherigen Erkenntnissen besteht kein Zusammenhang zwischen diesem Fall und den Festnahmen in Deggendorf. Zeugenhinweise zum unbekannten Abholer in Obernzell nimmt die Kriminalpolizei unter 08586/9605-0 entgegen.