(jh) Was bleibt nach fünf Tagen voller Begegnungen, Ausflüge und gemeinsamer Erlebnisse? Für die Teilnehmer*innen der diesjährigen Tour de Jumelage lautet die Antwort eindeutig: unvergessliche Eindrücke, neue Freundschaften und die Gewissheit, dass Europa vor allem vom persönlichen Miteinander lebt. Nach der Anreise am Mittwoch und vier hochsommerlichen Tagen mit Temperaturen deutlich über 30 Grad verabschiedeten sich die 55 Gäste aus sieben europäischen Partner- und Freundschaftskommunen am Sonntag wieder aus Bogen.
Zum offiziellen Abschluss kamen die Delegationen am Samstagabend im Landgasthof Wurm in Bärndorf zusammen. Hinter ihnen lag ein abwechslungsreiches Programm mit Ausflügen in den Bayerischen Wald, in die Donauauen sowie in die Oberpfalz. Besucht wurden unter anderem das Kloster Weltenburg, die Befreiungshalle in Kelheim, die Walhalla bei Donaustauf und der Nepal-Himalaya-Park in Wiesent. Selbst die große Hitze konnte die Teilnehmer nicht davon abhalten, das vollständige Programm zu absolvieren.

„Es ist vollbracht“, zog Elke Häusler, Vorsitzende des Städtepartnerschaftsvereins Bogen und Organisatorin der Tour de Jumelage, mit einem zufriedenen Lächeln Bilanz. Gleichzeitig machte sie deutlich, dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung nur durch das Engagement zahlreicher Ehrenamtlicher möglich sei. „Ein großes Fest wie dieses gelingt nur, wenn viele Hände zusammenhelfen“, sagte sie.

Die Tour de Jumelage habe sich über Jahrzehnte zu einer wunderbaren Tradition entwickelt. Im rollierenden Rhythmus treffen sich die Partnerstädte regelmäßig in einer der beteiligten Kommunen. Für Häusler sind diese Begegnungen weit mehr als ein offizieller Austausch. „Wir haben mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus unseren sieben Partner- und Freundschaftskommunen wunderschöne Tage in den Donauauen, im Bayerischen Wald und in der Oberpfalz verbracht. Es waren für mich Tage voller unvergesslicher Eindrücke.“
Besonders am Herzen liegt ihr die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen. Seit Jahrzehnten engagierten sie sich für ein grenzenloses Europa, für Frieden und für Freiheit. „Ich hoffe und wünsche mir von ganzem Herzen, dass wir diese wertvolle Arbeit auch in Zukunft so erfolgreich fortführen können.“
Für Bogens Bürgermeister Walter Franz war die Tour de Jumelage eine Premiere. Erst seit wenigen Wochen im Amt, begrüßte er erstmals die zahlreichen Gäste aus den europäischen Partner- und Freundschaftskommunen. Tief beeindruckt zeigte er sich vom Engagement aller Beteiligten.
Bürgermeister Walter Franz begrüßt Gäste aus sieben Partnerschaftsorten
„Manche Dinge kann man sich erst dann richtig vorstellen, wenn man sie mit eigenen Augen gesehen hat“, sagte Franz. Er sei überwältigt gewesen von dem, was während der vergangenen Tage auf die Beine gestellt worden sei. „Wer kann als Bürgermeister schon von sich behaupten, fast 60 Personen aus sieben Städtepartnerschaften in seiner Stadt willkommen heißen zu können?“ Hier werde Europa nicht nur diskutiert, sondern tatsächlich gelebt.
Der Bürgermeister versprach, sich künftig noch intensiver an den Begegnungen zu beteiligen. „Ich möchte dies tun, um Sie alle noch besser kennenzulernen, aber vor allem auch, um den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern meinen persönlichen Dank und Respekt zu zollen.“
Auch Landrat Tobias Beck hob die Bedeutung der grenzüberschreitenden Partnerschaften hervor. Ob Schulpartnerschaften oder kommunale Freundschaften – sie alle seien wichtige Bausteine für das Zusammenwachsen Europas. „Sie sind eine ausgezeichnete Plattform, um das Zusammenwachsen Europas anzukurbeln“, betonte Beck. Der persönliche Kontakt und das direkte Gespräch förderten gegenseitiges Verständnis und hätten nach dem Zweiten Weltkrieg wesentlich zur Aussöhnung beigetragen. Im Mittelpunkt stehe dabei immer der Mensch und nicht die Politik.
Besonders wichtig sei es, diesen europäischen Gedanken an die jüngeren Generationen weiterzugeben. „Partnerschafts- und Freundschaftsverträge sind nur ein lebloses Stück Papier, wenn sie nicht durch das Engagement der Bürger, Vereine und Kommunen gelebt werden“, sagte der Landrat. Bogen habe bereits 1982 zu den ersten Gemeinden im Landkreis gehört, die eine internationale Städtepartnerschaft eingegangen seien. „Die Menschen, die Region, die Kultur und die Gepflogenheiten anderer Länder kennenzulernen, ist sicherlich die beste Möglichkeit, einander zu schätzen, zu achten und zu verstehen.“
„Es lebe Europa“, „Vive l’Europe“, „Lunga vita all’Europa“ und „Ať žije Evropa“.

Damit alle Gäste den Redebeiträgen folgen konnten, übernahm Maria Neiss die Übersetzungen in die verschiedenen Sprachen. Auch die Vertreter der einzelnen Partnerschaftsvereine nutzten die Gelegenheit, ihre Eindrücke zu schildern.Dieter Eickhof vom Partnerschaftsverein Schotten brachte die vergangenen Tage mit einem Augenzwinkern auf den Punkt. Seine Delegation habe nicht nur viel über Niederbayern kennengelernt, sondern wegen der hochsommerlichen Temperaturen auch kräftig geschwitzt. Sein Fazit fiel dennoch eindeutig aus: „Es war eine tolle Tour.“ Anschließend ließ er den europäischen Gedanken in mehreren Sprachen hochleben: „Es lebe Europa“, „Vive l’Europe“, „Lunga vita all’Europa“ und „Ať žije Evropa“.
Florent Coudrey aus Rýmařov sprach davon, dass sich während der Tour „Fenster zur Geschichte geöffnet“ hätten. Guy Gimenez aus Crosne zeigte sich beeindruckt von einer Region, die seine Delegation bislang kaum gekannt habe. „Wir haben bis heute eine völlig unbekannte Region kennengelernt“, sagte er.
Zu den erfahrensten Teilnehmern zählt Lino Rossa aus Arco. Seit Jahrzehnten begleitet er die Partnerschaft und hat mehrere Bogener Bürgermeister kennengelernt – von Josef Deschl über Elmar Eck und Franz Schedlbauer bis zum heutigen Rathauschef Walter Franz. Er freue sich, dass die langjährige Tradition kontinuierlich fortgesetzt werde.
Auch Pietro Commisso, Präsident des Partnerschaftsvereins aus Roccella Ionica in Süditalien, bedankte sich herzlich bei den Gastgebern. Als Zeichen der Verbundenheit überreichte er Elke Häusler eine CD mit Musik von Andrea Bocelli und verband dies mit dem Wunsch, dass die Partnerschaft noch viele Jahre Bestand haben möge.
Als sich die Delegationen am Sonntag auf den Heimweg machten, nahmen sie weit mehr mit als Erinnerungsfotos und Gastgeschenke. Sie nahmen neue Eindrücke, vertiefte Freundschaften und die Gewissheit mit, dass Europa dort am stärksten ist, wo Menschen einander begegnen.
