(rp) Zusammenhalt, Solidarität und Engagement standen am Donnerstag im Mittelpunkt der letzten Diskussionsrunde „100 Ideen für Geiselhöring“ vor der Kommunalwahl. In der Gaststätte „Tennis Stuben“ kamen Vertreter*innen aus Politik und Ehrenamt zusammen, um über die Bedeutung freiwilligen Engagements und über fehlende Rahmenbedingungen in Geiselhöring zu sprechen.

Eingeladen hatte die Geiselhöringer SPD. Bürgermeisterkandidat und Stadtrat Ludwig Kerscher, Landratskandidat Oskar Saller, Stadt- und Kreisrat Josef Eisenhut sowie Marvin Kliem diskutierten gemeinsam mit weiteren Engagierten aus Vereinen und Organisationen über Perspektiven für das Ehrenamt vor Ort.

Foto: Rainer Pasta

Ludwig Kerscher machte deutlich, welchen Stellenwert freiwilliges Engagement für die Stadt hat. Das Ehrenamt sei nicht nur eine verlässliche Stütze, sondern ein Grundpfeiler der Gesellschaft. Politik müsse Vereine, Elterninitiativen, Kultur- und Brauchtumspflege, Religionsgemeinschaften, Sozialverbände, Freiwillige Feuerwehr, Gewerkschaften und auch politische Parteien stärken, um ein lebendiges und demokratisches Gemeinwesen zu erhalten. Kerscher brachte dabei auch eigene Erfahrungen ein. Als Vorsitzender des Hadersbacher Schützenvereins habe er nach der Schließung des Vereinslokals mit großem Einsatz den Fortbestand des Vereins gesichert, unter anderem durch Ausweichtrainingsmöglichkeiten. Die ursprünglich zugesagte Perspektive eines Gemeinschaftshauses habe sich jedoch nicht erfüllt. Nun setze er auf eine gemeinschaftliche Lösung der Vereine selbst.

Landratskandidat Oskar Saller knüpfte daran an und schilderte seinen eigenen Werdegang im Ehrenamt, das er seit dem 16. Lebensjahr ausübt. Engagement in Schützenverein, Freiwilliger Feuerwehr, Theaterverein und vor allem in der Freien Jugend Oberalteich habe ihn geprägt und wichtige Erfahrungen vermittelt. Mit Blick auf die Diskussion betonte Saller, dass Ehrenamt wachsen müsse, insbesondere bei jungen Menschen. Dafür brauche es Vertrauen. Dieses Vertrauen gehe jedoch zunehmend verloren, was zu Frust und Enttäuschung führe. Als Beispiel nannte er die aus seiner Sicht überraschende Schließung des Jugendtagungshauses in Geiselhöring, obwohl dieses wirtschaftlich tragfähig gewesen sei. Seitdem fehle in der Region eine zentrale Bildungs- und Begegnungsstätte für Jugendverbände.

Auch Marvin Kliem, Landesvorsitzender des Bayerischen Jugendrotkreuzes, unterstrich diese Problematik. Für Kurse mit bis zu 40 Jugendlichen müssten inzwischen Ausweichorte in weiter entfernten Landkreisen gesucht werden. Das bedeute längere Wege, zusätzlichen Aufwand für Eltern und sinkende Teilnehmerzahlen. Gleichzeitig warb Kliem für mehr Anerkennung des Ehrenamts, insbesondere im Blaulichtbereich. Die Einsätze der Freiwilligen Feuerwehr würden häufig besser berücksichtigt als die des Roten Kreuzes, was sich auch im Verhalten mancher Arbeitgeber zeige. Positiv hob er die Verbesserungen im Rahmen des „Zukunftspakts Ehrenamt“ hervor, darunter höhere Ehrenamts- und Übungsleiterpauschalen, eine einheitliche Haftungsprivilegierung sowie steuerliche Erleichterungen für gemeinnützige Vereine.

In der anschließenden Diskussion kristallisierte sich ein zentrales Anliegen heraus: Ehrenamtliche brauchen einfache, klare und verlässliche Strukturen. Bürokratische Hürden würden Engagement erschweren und müssten abgebaut werden. Für Geiselhöring wurde erneut der Mangel an geeigneten Frei(räumen) thematisiert. Gerade kleinere Vereine ohne eigene Infrastruktur stießen hier an Grenzen, etwa bei der Durchführung von Erste-Hilfe-Kursen oder bei regelmäßigen Treffen.

Der Abend machte deutlich, dass Ehrenamt in Geiselhöring auf große Bereitschaft trifft, zugleich aber bessere Rahmenbedingungen benötigt. Die bevorstehende Kommunalwahl wurde mehrfach als Chance benannt, in den kommenden sechs Jahren die richtigen Weichen für Zusammenhalt, Solidarität und freiwilliges Engagement zu stellen.