(ra). Mit dem Oktober beginnt in Niederbayern die Heizsaison, und in vielen Häusern zwischen Landshut, Straubing und Deggendorf stellt sich eine Frage, die jedes Jahr wiederkehrt. Soll der Wintergarten einen Heizlüfter bekommen, damit Zitronenbaum und Leseecke gut durch die kalten Monate kommen? Die Antwort überrascht viele Hausbesitzer. Ein Glasanbau spart vor allem dann Energie, wenn er kalt bleiben darf.

Der Wintergarten als Wärmepuffer

Wie der Glasanbau das Haus schützt

Ein unbeheizter Wintergarten wirkt wie eine zusätzliche Hülle vor der Hauswand. Das kurzwellige Sonnenlicht dringt fast ungehindert durch das Glas und erwärmt Boden, Möbel und Mauerwerk. Die Wärmestrahlung, die dabei entsteht, lässt das Glas kaum wieder hinaus. Das Bayerische Wirtschaftsministerium beschreibt in seinem Merkblatt zu unbeheizten Wintergärten, dass die Außenwände hinter dem Glas deshalb innen wärmer bleiben als die übrigen Außenwände des Hauses. An dieser Seite verliert das Gebäude weniger Wärme.

Die Temperatur im Glasraum selbst schwankt dabei kräftig. Laut dem Merkblatt kann der Unterschied zwischen Tag und Nacht im Winter bis zu 30 Grad betragen. An einem klaren Januartag wird es mittags angenehm warm, während sich nachts Tauwasser an den Scheiben bildet. An grauen Hochnebeltagen, wie sie im Spätherbst über der Donauebene häufig vorkommen, fallen die Sonnengewinne dagegen deutlich kleiner aus.

Wann die Heizung den Effekt umkehrt

Viele Wintergärten werden wegen der Pflanzen während der Heizperiode auf mehr als zehn Grad gehalten. Das Ministerium hält dazu nüchtern fest, dass die energiesparende Wirkung damit aufgehoben oder sogar ins Gegenteil verkehrt wird. Aus dem Puffer wird ein beheiztes Zimmer mit sehr hohen Wärmeverlusten, denn selbst gutes Glas hält Wärme schlechter zurück als eine gedämmte Wand.

Wie groß die Unterschiede zwischen einzelnen Ausführungen sind, lässt sich an den Dämmwerten ablesen. Der schwedische Hersteller Willabgarden teilt seine Wintergärten nach der geplanten Nutzungszeit in sechs Stufen ein, von „Sommer“ bis „Winter Plus“. Das Unternehmen baut seit 1986 Wintergärten und fertigt die meisten Glaselemente im eigenen Werk in Båstad. Die einfachsten Glaselemente mit vier Millimeter Sicherheitsglas haben einen U-Wert von 5,7 W/(m²K), die Elemente für die ganzjährige Nutzung liegen bei 1,0. Je niedriger dieser Wert ist, desto weniger Wärme geht verloren. Die Einteilung hilft bei einer Entscheidung, die schon vor dem Kauf fallen sollte. Wer den Anbau im Winter nur als Puffer und Pflanzenquartier nutzen möchte, braucht eine andere Ausführung als jemand, der dort im Januar am Schreibtisch sitzen will.

Mindestens genauso wichtig ist die Tür zum Wohnraum. Ein unbeheizter Wintergarten ist nach der Beschreibung des Merkblatts räumlich und thermisch vom Haus getrennt. Bleibt die Verbindungstür im Winter offen, heizt das Wohnzimmer den Glasraum einfach mit.

Pflanzen, Lüftung und Schatten übers Jahr

Kübelpflanzen wie Oleander oder Olivenbaum kommen mit kühlen Temperaturen gut zurecht, solange es hell bleibt und kein strenger Frost eindringt. Für kalte Nächte reicht meist ein Frostwächter, der erst kurz vor dem Gefrierpunkt anspringt. Er verbraucht weit weniger Energie als eine Heizung, die den Raum den ganzen Winter über auf Zimmertemperatur hält.

Das Tauwasser an den Scheiben gehört zum Alltag eines kalten Wintergartens. Wird am Vormittag kurz gelüftet, sobald die Sonne den Raum erwärmt hat, zieht die Feuchtigkeit ab,
bevor sich an Rahmen und Fugen Schimmel bilden kann.

Im Sommer kehrt sich die Aufgabe um. Das Merkblatt empfiehlt, dass mindestens zehn Prozent der Verglasung vollständig geöffnet werden können, und rät von nach Westen ausgerichteten Anbauten ab, weil sie sich stark aufheizen. Auch die Dachverglasung sollte eher klein ausfallen, damit die Mittagssonne den Raum nicht überhitzt. Einen einfachen Schutz bieten Laubbäume, deren Krone höher ist als das Glasdach. Im Sommer spenden sie Schatten, und im Winter lassen die kahlen Äste die tief stehende Sonne wieder durch. So arbeitet der Wintergarten das ganze Jahr mit dem Haus zusammen, und die Heizung im Wohnzimmer hat in der kalten Jahreszeit etwas weniger zu tun.