(ra) 653 PS, Raupenlaufwerk und ein Tank für 1.400 Liter Diesel: Seit Mittwoch steht im Technikum des Technologie- und Förderzentrums (TFZ) in Straubing ein außergewöhnliches Forschungsobjekt. Der Landmaschinenhersteller CLAAS hat einen Großtraktor vom Typ XERION 12.650 TERRA TRAC für Prüfstandtests zur Verfügung gestellt. Die Wissenschaftler wollen untersuchen, wie sich die Maschine mit reinem Biodiesel betreiben lässt.

Mit Biodiesel angetriebener CLAAS XERION 12.650 TERRA TRAC zur Forschung am TFZ mit Wissenschaftlern und Technikern von TFZ und Claas (von links) Dr. Klaus Thuneke, Dr. Edgar Remmele, Michael Sagstetter, Martin Speiseder und Dr. Johannes Ettl vom TFZ, Patrick Venherm und Dr.-Ing. Fabian Wohlfahrt von Claas – Foto: TFZ

Der Großtraktor ist normalerweise für den Einsatz auf sehr großen landwirtschaftlichen Flächen konzipiert und deshalb in Bayern nur selten zu sehen. In Straubing steht allerdings nicht seine Größe, sondern sein Antrieb im Mittelpunkt.

Biodiesel als Alternative für leistungsstarke Maschinen

Bei besonders leistungsintensiven Landmaschinen stößt die Elektrifizierung nach Einschätzung der Forscher an Grenzen. Nach Berechnungen des TFZ müsste eine elektrische Variante des XERION für eine vergleichbare Arbeitsleistung rund 28 Tonnen Batterien mit einem Volumen von etwa 14 Kubikmetern mitführen.

Für solche Anwendungen untersucht das TFZ deshalb erneuerbare flüssige Kraftstoffe. „Biodiesel sehen wir dafür als geeignete und weithin verfügbare Option. Mit unseren Prüfstandtests schaffen wir belastbare Daten, um den Einsatz von Biodiesel in schweren Landmaschinen zu bewerten“, erklärt TFZ-Abteilungsleiter Dr. Edgar Remmele.

In den kommenden Wochen messen die Wissenschaftler beim XERION unter anderem Motorleistung, Wirkungsgrad und Abgasemissionen. Dabei wird der Betrieb mit hundert Prozent Biodiesel, sogenanntem B100, mit fossilem Dieselkraftstoff verglichen.

Rechtssicherer Einsatz in Bestandsmaschinen

Obwohl bereits umfangreiche Erkenntnisse über Biodiesel und andere erneuerbare Kraftstoffe vorliegen, werden neue landwirtschaftliche Serienfahrzeuge laut TFZ bislang nur selten für den Betrieb mit Biodiesel freigegeben.

Gemeinsam mit CLAAS soll deshalb ein Verfahren entwickelt werden, mit dem sich die gesetzlich begrenzten Schadstoffemissionen bestehender Traktoren beim Einsatz erneuerbarer Kraftstoffe reproduzierbar messen lassen.

„Wir erhoffen uns Erkenntnisse, wie künftig Bestandsmaschinen mit erneuerbaren Kraftstoffen nachweislich unter Einhaltung gesetzlicher Emissionsgrenzwerte rechtssicher betrieben werden können“, sagt Dr.-Ing. Fabian Wohlfahrt, Strategischer Programmmanager bei CLAAS.

Die Forschungsarbeiten werden von CLAAS finanziert. Das TFZ will die gewonnenen Erkenntnisse für eine Methodenbeschreibung nutzen und diese anschließend mit technischen Diensten und Behörden diskutieren. Ziel ist es, nachhaltige Biokraftstoffe stärker als Baustein für eine klimaschonende und zugleich krisensichere Landwirtschaft nutzbar zu machen.