(ra) Wer von Schutzwald hört, assoziiert damit schnell verschüttete Straßen und Gebäude, Muren- und Lawinenabgänge in den Alpen. Aber nicht nur im Hochgebirge erfüllen Bäume und Wälder eine wichtige Schutzfunktion, sondern auch in heimischen Breitengraden. Das zeigte Michael Veicht, Abteilungsleiter Forsten am Standort Deggendorf des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Deggendorf-Straubing beispielhaft am Deggendorfer Geiersberg. Das Waldgebiet gehört der Stadt Deggendorf und wird von Förster Christian Pflanzl betreut.

Wälder festigen mit ihrem Wurzelwerk den Untergrund und halten das Wasser in der Fläche. Am Geiersberg wie an allen erosionsgefährdeten, erkennbar steilen Standorten ab 30 Grad Hangneigung verhindern beziehungsweise mindern sie so Feldstürze, Steinschläge, Erosion, Erdabrutsche, Hochwasser und Überflutungen. Damit schützen sie Menschen, Siedlungen, Straßen und jegliche Infrastruktur. Werden in diesen Gebieten Bäume krank oder wachsen zu schräg, müssen sie entnommen werden, um eine Entwurzelung und damit Schaden zu verhindern.
Ganz nah an der Innenstadt liegt mit dem Geiersberg der letzte Ausläufer des Bayerischen Waldes vor dem Donautal. Steil steigt der Donaurandbruch über dem Fluss und Durchgangsstraßen auf. Beeindruckende, zum Teil 150 Jahre alte Bäume mit mächtigem Stamm stehen dort auf einem Untergrund aus Granit und Gneis.
In den Sprüngen und Rissen dieses Gesteins finden die Baumwurzeln besseren Halt als in ohnehin instabilen, beweglichen Erdschichten mit Sand oder Kies, erläutert Veicht. Grob unterscheide man in die Schutzwälder im Vorderen Bayerischen Wald, wo man insbesondere mit Feldstürzen, Steinschlägen und Wassergefahren zu tun habe, und in die Steilhügellagen an der Isar und im Hügelland, die besonders rutschgefährdet seien.
Erdbewegungen seien nicht nur im Sand und Kies natürlich, sagt der Forstprofi. „Die entstehen auch in Wäldern, wenn große Bäume, die schräg aus dem Hang wachsen, sich selber aushebeln.“ Schräges Wachstum bilde sich, weil unterschiedliche Bäume und Baumarten beim Wachsen um das Licht konkurrierten. Je schräger der Baum aus dem Hang wächst, desto gefährdeter die Schutzfunktion. „Fällt ein großer Baum um, stürzen da viele Tonnen – mit Schwung.“ Der Wurzelteller reißt ein riesiges Loch, was neue Erosionsgefahr bedeutet.
Zeichnet sich solch eine Gefahr ab, müssen Bäume rechtzeitig entnommen werden, bevor durch hohe Schneelast oder Sturm der Druck steigt. Vorbeugung gehört also zur aktiven Schutzwaldpflege. „Eine volle, dauerhafte Wirkung erzielen wir aber nur mit Mischwald.“ Und gerade der ist am Geiersberg vielfältig. Offensichtlich wurden hier vor über hundert Jahren mehrere aus Nordamerika stammende Baumarten wie Douglasie, Strobe und Roteiche gepflanzt, die heute teils 50 Meter Höhe erreichen. „Würden wir nicht regulieren, würde sich im Vorderen Bayerischen Wald die Buche mit ihrer Superkraft durchsetzen und natürliche Monokulturen bilden.“ Unter deren dichtem Blätterdach habe keine andere Baumart auf Dauer eine Chance. „Das ist im Klimawandel keine gute Entwicklung. Im Hinblick auf den Schutzwald ist es nicht sinnvoll, den Wald sich selbst zu überlassen“, schloss Veicht.
