(ra). Für Blitzforscher war 2025 ein ungewöhnlich ruhiges Jahr. Rund 100.000 Erdblitze wurden in ganz Deutschland registriert, so wenige wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Die Versicherer zahlten trotzdem für jeden einzelnen Blitz- und Überspannungsschaden so viel wie nie zuvor. Hinter diesem scheinbaren Widerspruch steckt eine Entwicklung, die viele Hausbesitzer in Niederbayern direkt betrifft: In immer mehr Gärten steht heute teure Haustechnik, die bei Gewitter empfindlich reagiert.

Bayern bleibt das Gewitterland Nummer eins

Eine Wärmepumpe zum Beispiiel im Außenbereich installiert. – Foto Pixabay

Auch in einem ruhigen Jahr zeigt der aktuelle Blitzatlas ein klares Bild. Bayern kam 2025 auf etwa 0,43 Erdblitze pro Quadratkilometer und lag damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 0,28. Rund 30.000 Einschläge und damit fast ein Drittel aller Blitze in Deutschland entfielen auf den Freistaat. Die Spitzenwerte wurden im Allgäu und in Oberbayern gemessen, wo Kaufbeuren mit 1,23 Blitzen pro Quadratkilometer die Liste anführt. Für Straubing, Landshut oder Deggendorf gilt trotzdem, dass Gewitter in den Sommermonaten fest zum Wettergeschehen gehören. Allein im Juni 2025 entlud sich knapp ein Drittel aller Blitze des gesamten Jahres.

Wie teuer diese Unwetter werden können, zeigt die Blitzbilanz des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Im Jahr 2025 meldeten Versicherte rund 180.000 Blitz- und Überspannungsschäden mit einem Gesamtaufwand von etwa 310 Millionen Euro. Ein durchschnittlicher Schaden kostete 1.760 Euro und damit rund elf Prozent mehr als im Vorjahr. Als Grund nennen die Versicherer die zunehmend hochwertige und technisch aufwendige Ausstattung der Häuser.

Warum die Technik im Garten so empfindlich reagiert

Zu dieser Ausstattung zählt inzwischen auch die Wärmepumpe. Nach Angaben des Bundesverbands Wärmepumpe wurden 2025 bundesweit rund 299.000 Heizungswärmepumpen verkauft, 55 Prozent mehr als im Jahr davor. Anders als ein Heizkessel im Keller läuft die Wärmepumpe häufig auch im Sommer, weil sie das Warmwasser bereitet, und ist damit ausgerechnet in der Gewittersaison in Betrieb. Etwa 95 Prozent der verkauften Geräte nutzen die Außenluft als Wärmequelle. Ihr Außengerät steht also im Freien und ist über Strom- und Steuerleitungen mit dem Haus verbunden.

Gerade diese Leitungen werden bei Gewitter zum Problem. Ein Blitz muss das Gebäude nicht direkt treffen, um Schaden anzurichten. Schon Einschläge im Umkreis von bis zu zwei Kilometern können über die Versorgungsleitungen eine Überspannung auslösen, die empfindliche Bauteile zerstört. In einer modernen Wärmepumpe sitzen Steuerplatinen, Sensoren und ein elektronisch geregelter Inverter, der den Kompressor antreibt. Fällt eines dieser Teile aus, bleibt die Heizung kalt, und die Reparatur erreicht schnell einen vierstelligen Betrag.

Vorsorge an der Anlage und in den Unterlagen

Seit Dezember 2018 schreibt die Norm DIN VDE 0100-443 für neue oder wesentlich geänderte Elektroinstallationen einen Überspannungsschutz vor. Wer eine ältere Anlage besitzt, sollte von einem Elektriker prüfen lassen, ob im Zählerschrank passende Ableiter verbaut sind und ob die Wärmepumpe mit eingebunden ist. Einen vollständigen Schutz vor jedem Blitz gibt es allerdings nicht. Eine fest angeschlossene Heizung lässt sich bei aufziehendem Unwetter auch nicht einfach ausstecken wie ein Fernseher.

Deshalb lohnt sich ein Blick in die eigenen Verträge. Ob die Wohngebäudeversicherung Überspannungsschäden an der Wärmepumpe übernimmt, hängt von den Bedingungen ab, und bei älteren Policen ist die Leistung oft begrenzt. Technische Defekte wie ein verschlissener Kompressor sind dort in der Regel gar nicht versichert. Eine eigene Wärmepumpenversicherung kann je nach Anbieter beides abdecken und an die Herstellergarantie anschließen. Manche Tarife schützen bereits während der Garantiezeit vor Gewitterschäden, sofern die Anlage rechtzeitig registriert wird.

Unabhängig von der Absicherung zahlt sich regelmäßige Wartung aus. Ein Fachbetrieb erkennt beschädigte Kabel, lose Kontakte oder verschmutzte Lamellen, bevor daraus ein größerer Schaden entsteht. Einige Versicherer verlangen den Wartungsnachweis ohnehin, etwa um im Schadensfall auf die Selbstbeteiligung zu verzichten. Wer das Protokoll nach jedem Termin zu den Heizungsunterlagen legt, hat es griffbereit, wenn das nächste Gewitter über den Gäuboden zieht.