(ra). Fotos, Videos, Messenger Dateien und ein paar Spiele, schon meldet das Smartphone wieder zu wenig Speicher. Oft geraten dann zuerst alte Bilder ins Visier. Dabei lohnt sich ein Blick auf den App Bildschirm. Manche Dienste brauchen heute gar keine eigene Anwendung mehr, weil ihre wichtigsten Funktionen direkt im Browser laufen.

Welche Apps man sich tatsächlich sparen kann

Früher galt die App als bequemster Zugang zu fast jedem Dienst. Heute sieht das weniger eindeutig aus. Banken bieten Online Banking im Browser an, Spotify besitzt einen Web Player, Spiele laufen direkt auf Webseiten und viele weitere Dienste passen ihre Oberfläche automatisch an kleine Displays an.

Auch bei Glücksspielangeboten ist eine Installation keineswegs selbstverständlich. Wer etwa verschiedene Anbieter vergleicht und nach dem beste online Casino sucht, landet häufig bei Diensten, deren mobile Webseiten direkt im Browser funktionieren. Für gelegentliche Nutzung kann das sinnvoller sein, als für jeden Anbieter eine eigene Anwendung auf dem Telefon zu behalten.

Welche Kandidaten sollte man zuerst prüfen? Vor allem Dienste, die nur gelegentlich geöffnet werden und kaum auf Funktionen des Smartphones angewiesen sind.

  1. Bankgeschäfte lassen sich bei vielen Instituten über das Online Banking im Browser erledigen. Eine zusätzliche App kann trotzdem für TAN Freigaben oder mobiles Bezahlen nötig bleiben.
  2. Musikdienste wie Spotify bieten einen Web Player. Wer Musik jedoch häufig offline hört, fährt mit der App meist besser.
  3. Viele Spiele und Glücksspielseiten starten direkt im Browser. Eine Installation entfällt damit vollständig.
  4. Buchungsportale, Shops und Kundenkonten funktionieren oft genauso über ihre mobile Webseite. Für zwei Hotelbuchungen im Jahr braucht kaum jemand dauerhaft eine App.

Das spart nicht automatisch mehrere Gigabyte auf einen Schlag. Aber fünf oder zehn selten genutzte Anwendungen können zusammen erstaunlich viel Platz belegen, besonders wenn sie zusätzlich Daten und Cache sammeln.

Browser statt App hat einen praktischen Vorteil

Eine Webseite braucht zunächst keine klassische Installation. Der Nutzer öffnet sie, meldet sich an und schließt den Tab später wieder. Moderne Web Anwendungen können sogar auf dem Startbildschirm liegen und sich dort fast wie normale Apps öffnen. Chrome unterstützt solche installierbaren Web Anwendungen und einfache Webseiten Verknüpfungen ausdrücklich.

Der Unterschied fällt im Alltag manchmal kaum auf. Ein Symbol auf dem Startbildschirm führt direkt zum Dienst, während der Browser im Hintergrund die Arbeit übernimmt. Updates kommen ebenfalls über die Webseite. Niemand muss erst im App Store feststellen, dass eine Anwendung seit drei Monaten auf eine Aktualisierung wartet.

Ganz ohne lokale Daten arbeitet der Browser allerdings nicht. Webseiten speichern Cache, Cookies und andere Daten auf dem Gerät. Wer hundert Tabs offen hält und seit Jahren keinen Browser Speicher bereinigt hat, besitzt also keine geheimnisvolle Methode zur digitalen Schwerelosigkeit.

Vor dem Löschen lohnt sich deshalb eine kleine Bestandsaufnahme:

  1. Zuerst in den Speichereinstellungen prüfen, welche Apps besonders viel Platz belegen.
  2. Danach fragen, wie häufig die jeweilige Anwendung tatsächlich genutzt wird.
  3. Im Browser testen, ob Anmeldung und wichtigste Funktionen dort bequem funktionieren.
  4. Erst dann die App löschen oder auslagern und den Webzugang als Lesezeichen speichern.

Auf dem iPhone gibt es dafür noch einen Mittelweg. iOS kann ungenutzte Apps auslagern und dabei deren Dokumente und Daten behalten. Wer die Anwendung später erneut installiert, muss deshalb nicht zwingend bei null anfangen.

Wo die App weiterhin klar gewinnt

Browserlösungen passen gut zu Diensten, die hauptsächlich Inhalte anzeigen oder Formulare verarbeiten. Sobald ein Angebot eng mit dem Smartphone zusammenarbeitet, sieht die Sache anders aus. Push Mitteilungen, Downloads für unterwegs, Bluetooth Funktionen oder eine besonders reibungslose Anmeldung funktionieren in einer nativen App häufig komfortabler.

Spotify zeigt den Unterschied recht gut. Musik lässt sich über unterstützte mobile Browser abspielen. Für Menschen, die täglich hören, Inhalte herunterladen und ihr Smartphone unterwegs intensiv nutzen, bietet die App trotzdem mehr Komfort. Der Web Player löst also ein Speicherproblem, ersetzt aber nicht automatisch jede Funktion.

Ähnlich sieht es beim Banking aus. Ein Kontostand oder eine Überweisung kann über den Browser erreichbar sein, während die Bank für die Freigabe eine separate Sicherheitsanwendung verlangt. Wer beide Anwendungen einfach löscht und erst beim Bezahlen einer Rechnung darüber nachdenkt, hat Speicher gewonnen, aber vermutlich auch schlechte Laune.

Deshalb sollte die Entscheidung nach Nutzung fallen:

  1. Selten geöffnet und vollständig im Browser nutzbar, die App kann meistens weg.
  2. Täglich gebraucht oder für Offline Inhalte wichtig, die Anwendung darf bleiben.
  3. Sicherheitsfunktionen oder Gerätefunktionen nötig, vorher genau prüfen, welche App tatsächlich gebraucht wird.

Weniger Apps heißt nicht automatisch weniger Komfort

Ein voller Speicher verlangt nicht sofort nach einem neuen Smartphone mit mehr Kapazität. Oft hat sich über Jahre schlicht ein kleiner Friedhof aus Anwendungen angesammelt, die irgendwann für eine Bestellung, Reise oder Registrierung installiert wurden und seitdem auf ihren zweiten großen Auftritt warten.

Der Browser kann einen Teil davon ersetzen. Nicht überall und nicht perfekt, aber oft ohne spürbaren Verlust im Alltag. Wer einmal im Monat zehn Minuten durch die installierten Apps geht, findet meist schneller freien Speicher als beim mühsamen Sortieren von hunderten Urlaubsfotos.

Und die dürfen dann bleiben.