(rp) Die SPD Geiselhöring arbeitet die Kommunalwahl auf – und richtet den Blick zugleich nach vorne. Bei der Mitgliederversammlung am Donnerstag im Gasthof Erl standen Wahlanalyse, politische Strategie und personelle Weichenstellungen im Mittelpunkt. Klar wurde dabei: Die Partei sieht schwierige Jahre auf die Stadt zukommen, will aber weiterhin aktiv mitgestalten und Verantwortung übernehmen.

Die beiden Ortsvorsitzenden Barbara Kasberger und Marco Lang begrüßten zahlreiche Mitglieder, darunter auch die neu gewählten Stadträte Ludwig Kerscher und Martin Schmauser. Sie dankte allen Kandidatinnen, Kandidaten und Unterstützern für ihren Einsatz im Wahlkampf. Gleichzeitig sprach sie offen über die Enttäuschung über das Ergebnis. Dieses sei „nicht prickelnd“ ausgefallen, erklärte sie mit Blick auf den Stimmenverlust der SPD und den erstmaligen Einzug der AfD in den Stadtrat. Wie CSU und Freie Wähler habe auch die SPD ein Mandat verloren und liege nun bei rund zwölf Prozent.
Besonders deutlich positionierte sich Kasberger beim Umgang mit der AfD: Eine Zusammenarbeit komme für die SPD nicht infrage. Zugleich betonte sie die Notwendigkeit, das Ergebnis kritisch aufzuarbeiten und daraus Konsequenzen zu ziehen.
Kerscher sieht Chancen trotz schwieriger Lage
Stadtrat und Bürgermeisterkandidat Ludwig Kerscher zog trotz des Ergebnisses auch positive Bilanz. „Wir haben einen emotionalen und intensiven Wahlkampf geführt und wichtige Themen besetzt“, erklärte er. In der neuen Amtsperiode wolle er eng mit den demokratischen Kräften im Stadtrat zusammenarbeiten.
Schwerpunkte seiner Arbeit sollen Jugendförderung, Freizeitangebote und sozialer Wohnungsbau sein. Die SPD nehme mit ihren zwei Mandaten eine wichtige Rolle ein: „Wir sind das bekannte Zünglein an der Waage“, so Kerscher mit Blick darauf, dass keine Fraktion im neuen Stadtrat über eine eigene Mehrheit verfügt.
Keine Zusammenarbeit mit der AfD
Auch Neustadtrat Martin Schmauser blickte positiv auf seine ersten Erfahrungen im Wahlkampf zurück und berichtete von seiner aktuellen Einarbeitung in die kommunalpolitischen Abläufe. Inhaltlich zog auch er eine klare Grenze: Eine Kooperation mit der AfD sei ausgeschlossen.
In der anschließenden Aussprache wurde der Wahlkampf ausführlich analysiert. Mehrere Mitglieder verwiesen darauf, dass auch die bundespolitische Stimmung das lokale Ergebnis beeinflusst habe. Zudem wurde kritisch diskutiert, dass künftig vier Ortsteile keinen eigenen Vertreter im Stadtrat haben.
SPD setzt auf Präsenz und neue Formate
Für die kommenden Monate plant der Ortsverein eine stärkere Sichtbarkeit im Stadtleben. Vorgesehen sind unter anderem eine Teilnahme am Bürgerfest 2026 sowie eine Neuauflage der „Tafel der Nationen“, die erstmals 2025 organisiert worden war. Außerdem soll die politische Beteiligung von Frauen gestärkt werden, da diese sowohl im Ortsverein als auch im Stadtrat unterrepräsentiert seien.
Mit Spannung blickt die SPD nun auf die erste Sitzung des neuen Stadtrats. Vor allem die Wahl des zweiten und dritten Bürgermeisters gilt als politisch brisant. Da die CSU keine eigene Mehrheit besitzt und bisherige Gespräche unter den demokratischen Parteien offenbar ohne Ergebnis blieben, sieht die SPD weiteren Gesprächsbedarf.
Ortsvorsitzender Marco Lang kündigte an, die Partei werde „ihren Hut in den Ring werfen“ und Ludwig Kerscher für das Amt des zweiten oder dritten Bürgermeisters nominieren.
Zum Abschluss der Versammlung stellte die SPD Geiselhöring den gemeinsamen Anspruch heraus, auch künftig Verantwortung in der Kommunalpolitik übernehmen zu wollen – trotz schwieriger Rahmenbedingungen und knapper finanzieller Spielräume in den kommenden Jahren.
