(ra) Frostige Temperaturen sorgen derzeit bundesweit für vereiste Autoscheiben. Für viele Autofahrer bedeutet das morgens zusätzlichen Zeitaufwand sowie kalte Finger und nasse Hände. Dennoch sollte die Zeit für das Eiskratzen eingeplant werden, denn unzureichend von Schnee und Eis befreite Scheiben können ein Bußgeld nach sich ziehen.

Der ACV Automobil-Club Verkehr gibt Tipps, worauf beim Eiskratzen zu achten ist, welche Alternativen es gibt – und was Autofahrer aus Sicherheits- und Umweltgründen vermeiden sollten.
Eisfreie Scheibe mit dem Eiskratzer
Die gängigste Methode zum Entfernen von Eis ist der Eiskratzer. Entscheidend ist die Wahl eines geeigneten Hilfsmittels. Modelle mit Metallschabern sollten vermieden werden, da sie Scheiben und Lack beschädigen können. Bewährt haben sich Kunststoffeiskratzer mit glatter Kante für feines Eis und Sägezahnkante für stärkere Vereisung. Praktisch ist zudem eine Kombination mit Besen, da neben Eis auch Schnee vom Fahrzeug entfernt werden muss – einschließlich Dach, Motorhaube, Beleuchtung und Kennzeichen.
Auch wenn morgens die Zeit drängt, darf die Frontscheibe nicht nur teilweise vom Eis befreit werden. Ein kleines freigekratztes Sichtfeld genügt nicht und kann mit einem Bußgeld von 10 bis 35 Euro geahndet werden. Seitenscheiben und Außenspiegel müssen so weit von Schnee und Eis befreit sein, dass die Sicht nach vorne und zur Seite nicht eingeschränkt ist. Die Heckscheibe muss hingegen nicht zwingend freigeräumt werden, wenn beide Außenspiegel frei und uneingeschränkt nutzbar sind (vgl. Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe, Az.: 3 Ss 12/86). Es empfiehlt sich dennoch, vor Fahrtantritt alle Scheiben vollständig von Schnee und Eis zu befreien.
Reicht zum Eiskratzen auch die Bankkarte?
Im Notfall kann eine Bankkarte helfen. Ob sie danach noch uneingeschränkt nutzbar ist, bleibt jedoch fraglich. Gänzlich ungeeignet sind dagegen scharfkantige Kunststoffgegenstände wie Parkscheiben oder andere harte Plastikteile. Sie können die Scheibe schnell verkratzen und sollten daher nicht verwendet werden.
Heißes Wasser und Hausmittel sind keine Lösung
Heißes oder warmes Wasser darf unter keinen Umständen auf eine vereiste Autoscheibe gegossen werden. Der starke Temperaturunterschied kann Spannungsrisse verursachen oder das Glas sogar brechen. Auch selbst gemischte Hausmittel aus Wasser, Spülmittel oder Spiritus sind keine Alternative: Sie hinterlassen häufig Schlieren, verschlechtern die Sicht und können Gummi- sowie Kunststoffteile am Fahrzeug beschädigen.
Enteiserspray nur bei dünnem Eis sinnvoll
Bei leichter Vereisung kann ein Enteiserspray helfen. Die alkoholhaltige Flüssigkeit taut das Eis an und verhindert ein sofortiges Wiedergefrieren. Allerdings gibt es deutliche Qualitätsunterschiede: Manche Produkte hinterlassen Schlieren auf der Scheibe. Bei stärkerem Eis oder Schnee stoßen Sprays an ihre Grenzen, dann bleibt der klassische Eiskratzer unverzichtbar.
Motor warmlaufen lassen ist verboten
Den Motor im Stand laufen zu lassen, um Scheiben und Innenraum zu erwärmen, ist nach Straßenverkehrsordnung (§ 30 Abs. 1 StVO) verboten, es verursacht Lärm und schadet der Umwelt. Es droht ein Bußgeld von bis zu 80 Euro zzgl. Verwaltungskosten.
Warme Luft statt Kratzen
Eine Alternative zum Eiskratzen kann warme Luft sein. Spezielle, für den Fahrzeugeinsatz zugelassene Heizlüfter können Eis von innen auftauen und gleichzeitig den Innenraum erwärmen. Heizlüfter aus dem Haushalt sind hierfür ungeeignet und stellen ein Brandrisiko dar.
Komfortabler, aber kostenintensiver ist eine Standheizung. Sie taut die Scheiben vor Fahrtantritt ab und wärmt den Motor vor, was den Kraftstoffverbrauch beim Start senken kann. Eine Nachrüstung ist jedoch mit Kosten von deutlich über 1.000 Euro verbunden.
Vereisung vorbeugen spart Zeit
Am effektivsten ist es, Eis gar nicht erst entstehen zu lassen. Abdeckfolien für die Windschutzscheibe verhindern über Nacht die Vereisung. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass Folien korrekt befestigt werden und keine Tür- oder Fenstergummis beschädigen.
Vorsicht beim Eiskratzen
Wer zum Eiskratzer greift, sollte behutsam vorgehen. Befinden sich Schmutzpartikel unter dem Eis, können feine Kratzer im Glas entstehen. Diese beeinträchtigen insbesondere bei tief stehender Sonne oder entgegenkommendem Verkehr die Sicht und damit die Sicherheit.
Auch die Gummilippen der Scheibenwischer vereisen im Winter schnell und sollten beim Enteisen des Fahrzeugs nicht vergessen werden. Vereiste oder verschmutzte Wischer können Kratzer auf der Scheibe verursachen, insbesondere wenn sich darin Straßenschmutz festgesetzt hat. Im Handel sind Eiskratzer erhältlich, mit denen sich auch die Wischerblätter von Eis befreien lassen.
