(ra). „Ordnung ist das halbe Leben“, besagt ein altbekanntes Sprichwort. Doch das Ordnungsempfinden ist individuell. Was der eine noch als aufgeräumt einstuft, kann für den nächsten bereits das blanke Chaos bedeuten. Insbesondere die (empfundene) Unordnung wirkt sich dabei auf die Psyche aus. Sie kann die Konzentration stören, die Stimmung trüben und sogar chronischen Stress verursachen. Wer sich in seinen eigenen vier Wänden dauerhaft unwohl fühlt, kann sogar eine depressive Verstimmung entwickeln.

Um solche Folgen zu vermeiden, sind gelegentliche Aufräumaktionen eine gute Idee.
Ordnung schafft Klarheit – vor allem im Kopf
Die folgende Situation kennen wohl einige von uns: Man möchte sich in Ruhe auf eine Aufgabe konzentrieren, der Wäscheberg oder das unsaubere Geschirr im Augenwinkel fesseln jedoch einen Teil der Aufmerksamkeit. Statt in Ruhe dem aktuellen Projekt nachgehen zu können, plagt uns ein Gedanke: „Das muss ich noch aufräumen“.
Tatsächlich belegt eine 2010 veröffentlichte Studie des Princeton University Neuroscience Institutes: Unordnung im Sichtfeld kann die Aufmerksamkeit tatsächlich beeinträchtigen. Sieht man etwa die noch zu faltende Wäsche, während man eigentlich etwas anderes erledigen möchte, muss das Gehirn irrrelevante Reize bewusst ignorieren. Das kostet zusätzliche Energie, schwächt die Konzentration und lässt uns insgesamt schneller ermüden.
Wer das vermeiden möchte, sollte bewusst für mehr Ordnung im Sichtfeld sorgen. So können etwa Aufbewahrungsboxen dazu genutzt werden, die Wäsche so lange zu verstauen, bis man die Zeit findet, sie zu falten und in den Schrank zu legen. Dadurch entstehen Freiflächen und Klarheit – sowohl in der Wohnung als auch im Gehirn. Statt sich auf zusätzliche Reize zu konzentrieren, geht man gezielt einer Aufgabe nach der anderen nach.
Kurze Aufräumaktionen – einfach und schnell erledigt
Unordnung geht mit vielen Vorurteilen einher. Oft wird sie mit mangelnder Struktur, fehlender Disziplin und unzureichender Sauberkeit gleichgesetzt. Obwohl dieser vermeintliche Zusammenhang vielen Menschen bewusst ist, können sie sich nur schwer überwinden, aufzuräumen. Vor allem dann, wenn das Chaos in der Wohnung oder auf dem Schreibtisch am Arbeitsplatz überhandnimmt.
Doch warum ist das so? Tatsächlich kann eine große Unordnung schnell demotivierend wirken. Der Anblick eines chaotischen Zimmers etwa kann durch die Reizüberflutung das Gehirn überfordern und dadurch Stress auslösen. Auch das Gefühl, die Kontrolle über eine Situation zu verlieren, führt zu einer psychischen Belastung.
Die Organisation im Büro oder zu Hause ist jedoch zu wichtig, um gar nicht erst mit dem Aufräumen zu beginnen. Statt sich einen einzigen Tag für das Großreinemachen auszusuchen, kann es allerdings sinnvoll sein, kurze Aufräumaktionen in den Alltag zu integrieren. Mehr als fünf oder zehn Minuten am Stück müssen diese nicht dauern.
10-Minuten-Aufräumen kann die Psyche entlasten
ine kurze Aufräumaktion ist meist nur dann sinnvoll, wenn sie sich auf einen bestimmten Bereich im Büro oder zu Hause beschränkt. Denn wer erst hier und dann dort etwas wegräumt, sieht am Schluss kein Ergebnis. Dadurch können erneut Frust und Demotivation drohen. Im Büro etwa ergibt es Sinn, sich bei der Aufräumaktion zunächst auf eine Schreibtischschublade zu konzentrieren. Zehn Minuten bieten genug Zeit, um diese auszuräumen und mit einem Scheuerschwamm gründlich zu reinigen.
Anschließend lohnt sich ein Blick auf den Inhalt der Schublade. Was davon wird noch gebraucht? Was gehört in den Abfall? Schnelle Entscheidungen sparen nicht nur wertvolle Zeit. Sie beanspruchen das Gehirn auch deutlich weniger als langwieriges Hadern.
Sämtliche Dinge, die noch einen Zweck erfüllen, kommen also wieder zurück in die Schublade. Alles andere wird aussortiert. Entweder an einen anderen Platz oder in den Mülleimer. Nach den zehn Minuten ist zumindest eine Schreibtischschublade aufgeräumt und sauber. Dieses Erfolgserlebnis regt dazu an, sich am nächsten Tag der nächsten Schublade zu widmen.
Ordnungssysteme schützen vor späterem Chaos
Aufzuräumen kostet häufig Überwindung und Zeit. Umso ärgerlicher ist es, wenn der Schreibtisch oder gar ein ganzes Zimmer nur wenige Tage später wieder aussehen wie zuvor. Damit sich die Unordnung nicht wieder in den Alltag einschleichen kann, sind einfache Ordnungssysteme eine sinnvolle Lösung. Dafür reicht es, jedem Gegenstand einen festen Platz zuzuweisen. Wird er nicht mehr gebraucht, stellt oder legt man ihn direkt wieder dorthin zurück.
Was zunächst unkompliziert klingen mag, erfordert oft ein wenig Übung. Schließlich ist die Versuchung groß, Dinge mit dem Gedanken „Das räume ich später auf“ an Ort und Stelle liegen zu lassen. Allerdings droht durch dieses Aufschieben ein erneutes Chaos, das wiederum langwierige Aufräumaktionen nach sich ziehen kann.
Wer sich also zum sofortigen Aufräumen motivieren möchte, muss sich nur eines vor Augen halten: Ordnung halten spart Zeit und Nerven.
