(jh) Ein autonom fahrender Kleinbus startete am Montag im Landkreis Straubing-Bogen in den Probebetrieb. Sechs Wochen lang fährt der elektrisch angetriebene „AutBus“ auf einem rund sieben Kilometer langen Rundkurs zwischen Rettenbach und Kasparzell. Interessierte können kostenlos mitfahren – und damit selbst erleben, wie weit autonomes Fahren inzwischen auch auf dem Land möglich ist.

Vor dem Start der Jungfernfahrt: Landrat Tobias Beck (2. von rechts) mit seinen Mitarbeiterin im Landratsamt die für den ÖPNV zuständig sind, Laura Tremmel (links) und Natalie Hien (3. von links), Rettenbachs Bürgermeister Michael Haimerl (5. von links, dem ALF-Geschäftsführer Dr. Georg Schwab (Mitte) und Konzells Bürgermeister Hans Kienberger (3. von rechts). – Foto: Haas

Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen elektrifizierten VW T6 des Unternehmens AVL. Anders als viele autonome Shuttlebusse, die bei bisherigen Modellprojekten nur mit geringer Geschwindigkeit unterwegs waren, kann der AutBus bis zu 70 km/h fahren.

Völlig allein ist das Fahrzeug während des Probebetriebs allerdings noch nicht unterwegs. Eine Begleitperson sitzt im Bus und kann bei Bedarf eingreifen. Sie steht außerdem den Fahrgästen zudem für Fragen zur Technik und zum autonomen Fahren zur Verfügung.

Drei Tage pro Woche auf der Strecke

Sechs Wochen lang soll der AutBus jeweils an drei Tagen pro Woche (Montag, Mittwoch und Freitag) unterwegs sein. Pro Einsatztag sind vier Fahrten vorgesehen – zwei am Vormittag und zwei am Nachmittag.

Der Landkreis will dabei nicht nur die Technik erproben. Eine Befragung soll Erkenntnisse darüber liefern, wer öffentliche Verkehrsmittel bereits nutzt und unter welchen Voraussetzungen Menschen bereit wären, künftig häufiger auf den ÖPNV umzusteigen. Fahrgäste können über einen QR-Code oder mit einem Papierfragebogen teilnehmen.

Für das Projekt rechnet der Landkreis mit Kosten von rund 40.000 Euro. Im Kreishaushalt stehen dafür insgesamt 50.000 Euro zur Verfügung.

Fahrermangel macht neue Lösungen notwendig

Hinter dem Versuch steht eine Frage, die für den öffentlichen Nahverkehr zunehmend wichtiger wird: Wer fährt künftig die Busse? „Die Busfahrer werden älter und werden in den Ruhestand gehen. Es fehlt an Busfahrern“, sagt AVL-Geschäftsführer Dr. Georg Schwab. Autonome Fahrzeuge könnten deshalb langfristig eine Möglichkeit sein, bestehende Angebote zu ergänzen.

Landrat Tobias Beck ist zuversichtlich. Bei der esten Fahrt ist er selbstverständlich dabei – Foto. Haas

Auch Rattenbergs Bürgermeister Michael Haimerl sieht darin Chancen für den ländlichen Raum. Während des Kommunalwahlkampfs sei sein Vorschlag für einen autonom fahrenden Bus im ÖPNV noch belächelt worden. „Mich freut es, dass es jetzt realisiert werden kann.“ Nun könne praktisch getestet werden, was technisch bereits möglich sei.

Haimerl verweist zudem auf steigende Personalkosten. Autonome Kleinbusse könnten seiner Ansicht nach perspektivisch gerade dort interessant werden, wo klassische Busangebote an ihre Grenzen stoßen – beispielsweise am Abend oder an Wochenenden.

Warum autonomes Fahren auf dem Land schwieriger ist

Gerade der Test abseits einer Großstadt ist für AVL von besonderem Interesse. Dr. Georg Schwab sieht Deutschland bei der Entwicklung der Technologie weit vorne, bei deren praktischer Erprobung jedoch noch im Rückstand.

Der ländliche Raum stellt autonome Fahrzeuge zudem vor andere Aufgaben als eine Stadt. Schwab nennt ein anschauliches Beispiel: Ein Maisfeld kann heute eine deutlich erkennbare Begrenzung einer Straße darstellen – nach der Ernte ist diese Orientierung plötzlich verschwunden.

Damit solche Systeme künftig zuverlässig funktionieren, müssten Politik, Industrie und Hochschulen eng zusammenarbeiten, betont Dr. Schwab.

Langfristiges Ziel sei eine ausgereifte Technik, die tatsächlich im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden könne, erklärt AVL-Mitarbeiterin Nina Schwab. Derzeit muss nach den rechtlichen Vorgaben noch eine Person im Fahrzeug sein, die bei Bedarf eingreifen kann. Perspektivisch könnten nach den Vorstellungen der Entwickler mehrere autonome Fahrzeuge von einer Zentrale aus überwacht werden.

„Vor dieser Technik müssen wir keine Angst haben“

Kein wirkliches autonomes Fahren: Es ist immer ein Fahrer (rechts) mit dabei, der im Bedarfsfall eingreifen könnte – Foto: Haas

Landrat Tobias Beck sieht den Versuch nicht nur unter dem Gesichtspunkt des öffentlichen Nahverkehrs. Auch für den Tourismus könne die neue Technik interessant werden. „Es ist eine neue Technik, vor der wir keine Angst haben müssen“, sagt Beck. Der Probebetrieb solle dazu beitragen, Berührungsängste in der Bevölkerung abzubauen.

Rattenberg ist dabei bewusst als Testgebiet ausgewählt worden. Die Strecke ist auch touristisch interessant und der sechswöchige Zeitraum reicht von den Ferien bis in die reguläre Schul- und Arbeitszeit. Damit soll der AutBus unter unterschiedlichen Bedingungen erprobt werden.

Dass das ungewöhnliche Fahrzeug schon vor dem offiziellen Start Aufmerksamkeit erregt, hat Konzells Bürgermeister Hans Kienberger festgestellt. Bürger hätten den mit umfangreicher Technik ausgestatteten VW-Bus während der Vorbereitungen teilweise für ein Google-Fahrzeug gehalten und sich beobachtet gefühlt.

Seit Montag können sie nun selbst einsteigen. Dann muss der AutBus zeigen, wie gut autonomes Fahren auf niederbayerischen Landstraßen tatsächlich funktioniert.