(jh) Vergilbte Seiten, verblasste Tinte, schwer lesbare Handschriften. Im Lesesaal eines Archivs beugt sich Fritz Fuchs über alte Briefprotokolle. „Ich habe viel Zeit in Archiven für meine Recherchen verbracht“, zählt der Gossersdorfer. Der Anfang sei nicht leicht gewesen. „Ich musste mich zuerst an die alte Schrift gewöhnen. Hinzu kam die Handschrift der einzelnen Schreiber.“ Fuchs lebt in Gossersdorf (Gemeide Konzell, Landkreis Straubing-Bogen). Viele Menschen in der Region, im Landkreis und darüber hinaus kennen ihn als Bräuhauswirt, Blasmusiker, SPD-Politiker, Hobbyarchäologe und Heimatforscher. Er wird beschrieben, als „ein Mann der vielen Talente“. Doch ein Bereich zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben: die Geschichte seiner Heimat.

Seine Arbeiten führen ihn regelmäßig in das Staatsarchiv Landshut und das Hauptstaatsarchiv München. Dort wertet er Salbücher, Gerichtsrechnungen, Hofmarkakten und Kirchenbücher aus. Es geht um Besitzfolgen, Vormundschaften, Übergabeverträge, um die Lebensumstände von Menschen, deren Namen heute kaum noch jemand kennt.
Aus dieser Arbeit entstand unter anderem die „Fuchs-Chronik: Die unspektakuläre Geschichte der ältesten Familie in Gossersdorf“ aus dem Jahr 2007. Auf 115 Seiten zeichnet Fuchs die Entwicklung seiner Familie nach – beginnend mit der Röhrmühle als Stammsitz. Die Chronik reicht über mehrere Generationen hinweg, beschreibt wirtschaftliche Grundlagen, Unfrieden, Kriegszeiten, Besitzwechsel und persönliche Schicksale.
Der Schwedenkrieg von 1633/39 spielt ebenso eine Rolle wie die Einäscherung von Tavernen, zerstörte Mühlendämme und lange leerstehende Anwesen. Fuchs zitiert aus Originalquellen, erklärt alte Begriffe in einem Glossar und schildert die Geschichte fast wie ein Krimi. „Forschungen machen süchtig“, sagt er selbst. Und ergänzt: „Es war für mich ein großer Zeitaufwand, aber es lohnt sich.“
Geschichtsforschung gibt dir Halt, Wissen und Zufriedenheit
Für ihn ist Heimatforschung keine Nostalgie, sondern Erkenntnisarbeit. „Beobachte ich den gesellschaftlichen Wandel, dann stelle ich fest, es geht uns heute gut“, sagt Fuchs. Wer die Mühen früherer Generationen kenne, erkenne den Wert der Gegenwart. „Es verändert dein Leben, es gibt dir Halt, Wissen und Zufriedenheit.“
Neben der Familienchronik veröffentlichte er „Bauernhöfe und ihre Geschichte“, ein rund 100 Seiten starkes Werk über drei unterschiedliche Höfe in der Konzeller Gegend. Am Beispiel von Kirchabauer, Viertlbauer und Heigl-Hof zeigt Fuchs, wie historische Strukturen bis heute nachwirken. Sein Ziel formuliert er klar: „Das Heute verstehen durch das Gestern.“
Fritz Fuchs dokumentiert die Herkunft von Namen
Ein weiteres Buch widmet sich den Haus- und Hofnamen in der Konzeller Gegend. Auf rund 64 Seiten dokumentiert Fuchs die Herkunft von Namen, erklärt Lagenbezeichnungen, Berufsbezüge oder Übernamen. Für ihn sind diese Bezeichnungen mehr als Folklore. Sie erzählen von Topographie, sozialer Stellung, Erbfolgen und Wandel. Namensregister, Sachverzeichnisse und Quellenangaben unterstreichen den wissenschaftlichen Anspruch.
Auch seine umfangreiche PDF-Chronik „Familie Fuchs in Gossersdorf / Röhrmühle“, die über die Gemeinde-Webseite zugänglich ist, zeigt den systematischen Ansatz. Fuchs arbeitet mit Originalzitaten aus Briefprotokollen und Kirchenbüchern. Er dokumentiert Kriegsjahre, Fluchtversuche, Übergabeverträge und politische Entwicklungen bis ins 20. Jahrhundert.
Fuchs‘ Chronik – Grundlage für zukünftige Forschung
„Ich habe alles niedergeschrieben, damit eine andere Person, die die Chronik fortführen will, nicht von vorne beginnen muss“, erklärt er gegenüber regio-aktuell24. Es geht ihm um Weitergabe von Wissen. Um Kontinuität.
Sein Engagement beschränkt sich nicht auf Bücher. In seinem Bräuhaus in Gossersdorf finden regelmäßig Buchvorstellungen und Vorträge statt. Dort verbindet sich Geschichte mit gelebter Dorfgemeinschaft. Oft steht dabei nicht nur die Forschung im Mittelpunkt, sondern auch das Gespräch – und nicht selten Blasmusik.
Bräuhauswirt, Blasmusiker, SPD-Politiker, Hobbyarchäologe und Autor
Immer wieder wird er gewürdigt als ein vielseitig engagierten Bürger: Als Bräuhauswirt, Blasmusiker, politisch aktiver SPD-Ortsvorsitzender, Hobbyarchäologe und Autor. Doch im Kern bleibt er Chronist seiner Heimat. Was ihn antreibt, ist die Überzeugung, dass Identität Wissen braucht. Wer weiß, woher er kommt, versteht besser, wohin er geht. Für Konzell und Gossersdorf bedeutet das: Geschichte ist nicht nur Vergangenheit. Sie ist Fundament.
