(ra) Auf der Suche nach Hilfe wegen eines Hornissennestes ist eine Familie aus Bruckberg (Landkreis Landshut) auf eine mutmaßlich unseriöse Fachfirma aus dem Internet hereingefallen. Knapp 1.000 Euro bezahlte sie für den Einsatz. Später stellte sich heraus, dass der Internetauftritt nach Angaben des Landratsamtes ein Unternehmen vortäuschte, das gar nicht existiert.

Die Hornissen hatten ihr Nest über die Verkleidung einer Dachgaube oberhalb der Badezimmerdecke gebaut. Als zahlreiche Tiere ins Bad gelangten, suchte die Familie im Internet nach schneller Hilfe.
Dort stieß sie auf einen Anbieter, der unter anderem einen Meisterbetrieb, kostenlose Anfahrt und schnelle Hilfe versprach. Kurze Zeit nach dem Anruf erschienen zwei Männer. Sie schickten die Familie wegen angeblich giftiger Dämpfe ins Erdgeschoss und behandelten anschließend den Bereich des Hornissennestes.
Nach dem Einsatz erklärten die Männer, das Problem sei gelöst. Das Badezimmer dürfe wegen des eingesetzten Mittels vorerst nicht betreten werden. Für ihre Arbeit verlangten sie knapp 1.000 Euro, die sofort per EC-Karte bezahlt wurden.
Rund 150 tote Hornissen im Badezimmer
Am nächsten Tag zog die Familie eine Hornissenberaterin des Landratsamtes hinzu. Beim Öffnen des Badezimmers fand sie nach Angaben der Behörde rund 150 tote Hornissen. In der Decke befand sich zudem ein Loch, durch das Insektengift in den Hohlraum eingebracht worden war.
Nach weiteren Nachforschungen stellte sich laut Landratsamt heraus, dass der Internetauftritt ein nicht existierendes Unternehmen vorgaukelte. Selbst das Foto des angeblichen Firmeninhabers stammte demnach aus einer kommerziellen Bilderdatenbank. Die über eine Mobilfunknummer vermittelten Einsatzkräfte verfügten laut Behörde häufig nicht über die erforderliche Sachkunde.
Da Hornissen besonders geschützt sind und nicht ohne entsprechende Genehmigung gefangen oder getötet werden dürfen, erstattete das Landratsamt Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Landshut. Auch die betroffene Familie wandte sich an die Polizei.
Bei Sofortzahlung misstrauisch werden
Die Naturschutzbehörde weist darauf hin, dass es im Landkreis Hornissenberater gibt, die kostenlos beraten und Nester bei Bedarf fachgerecht umsiedeln können. Im Herbst sterben Hornissen- und Wespennester zudem auf natürliche Weise ab.
Bei der Suche nach gewerblichen Anbietern empfiehlt die Verbraucherzentrale, Internetseiten genau zu prüfen. Fehlendes Impressum oder lediglich eine Mobilfunknummer können Warnzeichen sein. Misstrauisch sollten Kunden außerdem werden, wenn unmittelbar nach einem Einsatz eine hohe Rechnung bezahlt werden soll oder Druck zur sofortigen Zahlung ausgeübt wird.
