(ra) Tausende Besucher, gelebtes Brauchtum und ein eindrucksvoller Festgottesdienst: Das Englmarisuchen hat auch 2026 zahlreiche Gläubige und Gäste nach Sankt Englmar gelockt. Für viele Menschen im Bergdorf gilt die traditionsreiche Veranstaltung als kirchlicher Höhepunkt des Jahres – und zugleich als lebendige Fortführung eines jahrhundertealten Kulturerbes.

Fotos: Franz-Xaver Six

Bei bestem Wetter versammelten sich am Pfingstmontag Gläubige, Vereine und Ehrengäste rund um die Geschichte des seligen Engelmar. Die Wurzeln des Brauchs reichen weit zurück: Engelmar lebte der Überlieferung nach als Einsiedler in den Wäldern rund um Sankt Englmar und wurde wegen seiner Beliebtheit aus Neid erschlagen. Erst Monate später wurde sein Leichnam gefunden. Aus dieser Geschichte entwickelte sich das bis heute gepflegte „Englmarisuchen“.

Das seit 1850 veranstaltete Englmarisuchen wird seit 2023 im Bundesverzeichnis als immaterielles Kulturerbe geführt. Kern der Tradition ist das Verstecken einer lebensgroßen Holzfigur des seligen Engelmar im Wald. Diese wird anschließend feierlich gesucht, geborgen und in einem Ochsenwagen ins Dorf gebracht.

Bereits am Freitagabend hatte das Englmarisingen am „Steinernen Engelmar“ mit Liedern und Fürbitten auf das Fest eingestimmt. Am Pfingstmontag begann das eigentliche Englmarisuchen mit einem Standkonzert der Blaskapelle „Felsnstoana“ und den Englmarer Pfingstltuschern. Anschließend setzte sich der große Festzug mit Reitern, Darstellern, Ochsengespann und zahlreichen Vereinen in Bewegung.

Fotos: Franz-Xaver Six

Als Ehrengast zelebrierte Abt em. Raimund Schreier OPraem aus dem Stift Wilten in Innsbruck den Festgottesdienst. Eingeladen worden war er von Ortspfarrer Pater Simeon, mit dem ihn seit Studienzeiten eine enge Freundschaft verbindet. Ebenfalls unter den Ehrengästen waren Bundesminister Alois Rainer sowie Landrat Tobias Beck.

In seiner Predigt warnte der Abt eindringlich vor Neid und Missgunst. Anhand mehrerer Beispiele – unter anderem der Geschichte von Kain und Abel sowie des seligen Engelmar – machte er deutlich, wie zerstörerisch Neid wirken könne. Stattdessen solle man sich über das Glück anderer freuen.

Zum Abschluss segnete der Abt Tiere und Tierhalter. Danach zog die Prozession mit der Holzfigur des seligen Engelmar zurück zum Kirchplatz, wo das feierliche „Te Deum“ das Englmarisuchen 2026 beendete.