(ra). Das Handy vibriert, und auf dem Display steht: „Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden.“ Darunter folgt ein Link, der zu keinem bekannten Paketdienst passt. Viele Menschen in Niederbayern kennen solche Nachrichten inzwischen gut genug, um sie ohne langes Nachdenken zu löschen. Dieser Reflex schützt vor Betrug. Er hat allerdings eine Nebenwirkung, über die bisher wenig gesprochen wird, denn auch echte Nachrichten von der Werkstatt, der Arztpraxis oder den Stadtwerken landen immer öfter ungelesen im Papierkorb.

Wenn jede Kurznachricht verdächtig wirkt

Die Maschen ähneln sich seit Jahren. Mal soll das Bankkonto gesperrt sein, mal wartet angeblich eine Steuererstattung, mal kündigt ein vermeintlicher Gerichtsvollzieher eine Pfändung an. Die Verbraucherzentrale beschreibt in ihrer Übersicht zu gefälschten SMS die gängigsten Varianten und gibt einen eindeutigen Rat: Links in solchen Nachrichten nicht antippen und die angegebenen Telefonnummern nicht anrufen. Wer unsicher ist, erreicht Bank oder Behörde besser über die bekannten offiziellen Kontaktwege.

Gleichzeitig hat die SMS im Alltag stark an Bedeutung verloren. Laut Bundesnetzagentur wurden 2025 in Deutschland nur noch 2,9 Milliarden Kurznachrichten verschickt, ein Jahr zuvor waren es noch 5,2 Milliarden. Rechnerisch sind das rund zwei SMS pro aktiver SIM-Karte und Monat. Private Unterhaltungen laufen längst über Messenger, und im SMS-Postfach bleiben vor allem Bestätigungscodes, Paketmeldungen und Terminerinnerungen übrig. Genau diese nüchternen Formate lassen sich von Betrügern am leichtesten nachahmen.

Was ein geprüfter Absender verändert

An dieser Stelle kommt RCS ins Spiel, der Nachfolger der klassischen SMS. Der Standard läuft in der gewohnten Nachrichten-App und wird inzwischen von allen vier deutschen Mobilfunknetzen unterstützt, seit iOS 18 auch auf dem iPhone. Kundinnen und Kunden von 1&1 brauchen auf Apple-Geräten allerdings iOS 26.2. Neben Bildern, Buttons und Lesebestätigungen bringt RCS eine Funktion mit, die für das Vertrauen besonders wichtig ist: Unternehmen werden als Absender geprüft, bevor sie Nachrichten verschicken dürfen. Je nach Gerät erscheinen im Chat dann Firmenname, Logo und ein Hinweis auf die Verifizierung, wo bisher nur eine unbekannte Nummer stand. Bei der klassischen SMS lässt sich der angezeigte Absendername dagegen vergleichsweise leicht fälschen, ein Trick, den Fachleute als Spoofing bezeichnen.

Regionale Betriebe bekommen damit ganz neue Möglichkeiten. Die Autowerkstatt in Dingolfing kann im Oktober an den Reifenwechsel erinnern und gleich einen Button zur Terminbestätigung mitschicken. Das Modegeschäft in der Straubinger Innenstadt zeigt die Herbstkollektion mit Foto, und das Fitnessstudio in Landshut meldet geänderte Öffnungszeiten rund um Allerheiligen. Für Betriebe, die ihre Stammkundschaft per RCS marketing erreichen wollen, liegt der größte Gewinn im schnellen Wiedererkennen. Eine Nachricht wird eher geöffnet, wenn auf den ersten Blick klar ist, wer sie geschickt hat.

Worauf Empfänger trotzdem achten sollten

Ein geprüfter Absender ist eine wertvolle Hilfe, auch wenn er die eigene Aufmerksamkeit nicht ersetzt. Betrüger verschicken weiterhin klassische SMS, schreiben über Messenger oder bauen täuschend echte Webseiten nach. Das Verifizierungszeichen gibt es nur bei geschäftlichen RCS-Nachrichten. Eine SMS von einer fremden Nummer bleibt also genauso verdächtig wie bisher, selbst wenn darin der Name eines bekannten Unternehmens auftaucht. Verdächtige Nachrichten lassen sich in den meisten Nachrichten-Apps direkt als Spam melden und der Absender kann mit wenigen Fingertipps blockiert werden.

Auch für Firmen lassen sich ein paar einfache Regeln ableiten. Sie sollten ihrer Kundschaft offen sagen, über welche Kanäle sie Kontakt aufnehmen, und niemals per Nachricht nach Passwörtern, PINs oder TANs fragen. Wer sparsam und mit echtem Nutzen schreibt, etwa mit einer Terminerinnerung oder dem Hinweis, dass eine Bestellung zur Abholung bereitliegt, baut mit der Zeit Vertrauen auf. Eine Flut von Werbenachrichten bewirkt dagegen das Gegenteil und macht auch einen verifizierten Absender schnell lästig.

Die Kurznachricht hat in den vergangenen Jahren viel von ihrem guten Ruf verloren, vor allem wegen der vielen gefälschten Paket- und Bankmeldungen. Ob ihr Nachfolger dieses Vertrauen zurückgewinnt, hängt von beiden Seiten ab. Gefragt sind Firmen, die klar erkennbar und mit Bedacht schreiben, und Empfänger, die wissen, wie ein geprüfter Absender aussieht.