(ra) Rund 23 Prozent der Erwachsenen in Deutschland rauchen regelmäßig, wie die aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts zeigen. Viele möchten damit aufhören — nur gelingt es den meisten nicht beim ersten oder zweiten Versuch. Das liegt nicht am mangelnden Willen:

Nikotin erzeugt eine starke physische und psychische Abhängigkeit, die ohne Unterstützung nur schwer zu überwinden ist. Wer den Rauchstopp ernsthaft angeht, hat heute verschiedene evidenzbasierte Methoden zur Wahl, die sich in Wirkungsweise und Erfolgsquoten deutlich unterscheiden.
Nikotinersatztherapie: Der Klassiker
Die geläufigsten Hilfsmittel für den Rauchstopp sind Nikotinpflaster, -kaugummis, -lutschtabletten und -nasensprays. Ihnen allen liegt dasselbe Prinzip zugrunde: dem Körper wird Nikotin zugeführt, die schädlichen Verbrennungsprodukte des Tabakrauchs bleiben jedoch aus. Auf diese Weise können Entzugssymptome wie Reizbarkeit, Schlafprobleme oder Konzentrationsstörungen vermindert werden. Eine Metaanalyse der Cochrane Collaboration zeigt, daß mit Hilfe der Nikotinersatztherapie die Chancen, dauerhaft rauchfrei zu bleiben, gegenüber einer Behandlung ohne Unterstützung um 50 bis 70 Prozent gesteigert werden können.
Pflaster geben gleichmäßig über den Tag verteilt Nikotin ab, während Kaugummis oder Sprays besser geeignet sind, um akute Cravings zu dämpfen. Häufig wird empfohlen, beide Formen in Kombination zu verwenden, da die Pflaster die Grundversorgung sicherstellen, während schnell verfügbarer Nikotinersatz für Spitzenbelastungen eingesetzt werden kann. Die Dosierung richtet sich nach dem bisherigen Konsum.
Wer mehr als zehn Zigaretten pro Tag geraucht hat, beginnt mit dem stärkeren Pflaster (21 mg Nikotin pro 24 Stunden) und reduziert die Stärke über mehrere Wochen. Nikotinersatzprodukte sind in Deutschland rezeptfrei zu haben, in Ausnahmefällen werden sie sogar von der Krankenkasse erstattet. Wichtig: die Produkte ersetzen nicht den eigenen Kampf gegen die im Rauchritual fest verankerten Ursachen, sie mildern lediglich die körperliche Komponente des Entzuges.
E-Zigarette als Umstiegsoption: Was sagen Studien?
Die E-Zigarette als Alternative zur Zigarette wird in der Forschung gegenwärtig differenzierter bewertet als noch vor einigen Jahren. In den analysierten Studien schafften es pro 100 Personen, die mit E-Zigaretten aufhören wollten, zwischen 8 und 11 dauerhaft, bei Nikotinpflastern 6 von 100. E-Zigaretten sind allerdings kein freies Risiko. Sie sind weniger schädlich als Tabakrauch, aber deshalb noch lange nicht harmlos. In Deutschland unterliegen sie dem Tabakerzeugnisgesetz. Nikotinhaltige Liquids dürfen maximal 20 Milligramm Nikotin pro Milliliter enthalten. Die Geräte müssen bei der Bundeszollverwaltung registriert sein.
Medikamente und Verhaltenstherapie: die besten Kombinationen
Stark abhängigen Rauchern können auch Medikamente helfen, die deutlich mehr Wirkung zeigen als reine Nikotinersatzprodukte. Vareniclin (in Deutschland unter dem Namen Champix auf dem Markt), das über die Nikotinrezeptoren im Gehirn wirkt, gleichzeitig aber auch die Entzugssymptome und das Rauchverlangen vermindert, hat in Studien nach einem Jahr Abstinenzraten von bis zu 33 Prozent gezeigt – deutlich mehr als die reinen Nikotinpflaster. Das Mittel ist verschreibungspflichtig, wird jedoch nicht von allen Kassen erstattet.
Verhaltenstherapeutische Unterstützung in Gruppen oder durch Einzelsitzungen verdoppelt die Erfolgsquoten, wenn sie mit der medikamentösen Therapie kombiniert ist. Das Prinzip: Rauchen ist nicht alleine eine körperliche Antwort, sondern auch eine erlernte Reaktion auf verschiedene Reize wie Stress, Kaffee oder gesellige Situationen. Wer diese Muster kennen und gezielt verändern lernt, hat eine deutlich höhere Chance auf einen dauerhaften Rauchstopp als derjenige, der nur auf seinen Willen setzt. Wer es ernst meint mit dem Aufhören, sollte sich nicht auf eine Methode festlegen. Körperliche Unterstützung mit verhaltensbezogener Begleitung und mittelfristigen Zielen zeigt in der Forschung konstant die besten Ergebnisse. Ein Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt hilft, die richtige Strategie für die eigene Situation zu finden.
